Guideline Kurzversion

Labormedizin

Erstellt von: Rahel Krämer Zuletzt aktualisiert: 28.07.26

Indikation – Was ist zu beachten?

  • Zielgerichtete Fragestellung: Diagnostische Tests sollen gezielt einer konkreten Fragestellung nachgehen und eine Auswirkung/Konsequenz haben
  • Verlaufskontrollen: Nur bei möglichen Veränderungen oder zur Verlaufskontrolle, evidenzbasiert
  • Stufendiagnostik: Einsatz von Screening- und Bestätigungstests in Stufen (z. B. Autoimmunkrankheiten, Infektionen)
  • Nutzen-Risiko-Abwägung
  • Patienteninformation
    • Hinweis auf mögliche hohe Selbstbeteiligungen (bis CHF 2'500.–/Jahr). Der Patient muss vorgängig über teure Laboruntersuchungen informiert werden
    • Informationen zu Labortarifen beachten: https://www.bag.admin.ch/de/analysenliste-al

Aussagekraft von Laborresultaten

Laboruntersuchungen sind nicht fehlerfrei: Sie können fälschlich Gesunde als krank oder Erkrankte als gesund einstufen. Wie zuverlässig ein Befund ist, zeigt der positiv bzw. negativ prädiktive Wert, der sich aus Sensitivität und Spezifität des Labortests sowie der Vortestwahrscheinlichkeit ableitet

Sensitivität = Wie gut ein Test Kranke erkennt (Wahrscheinlichkeit, dass Erkrankte ein positives Testergebnis erhalten).
Tests mit hoher Sensitivität

  • Vorteil: Hilfreich zum Ausschluss („rule out‟) einer Erkrankung, da kaum Kranke übersehen werden
  • Nachteil: Mehr falsch-positive Ergebnisse („Fehlalarm‟)

Spezifität = Wie gut ein Test Gesunde ausschliesst (Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde ein negatives Testergebnis erhalten).
Test mit hoher Spezifität

  • Vorteil: Hilfreich zum Einschluss („rule in‟) einer Erkrankung, da positive Ergebnisse meist zutreffen
  • Nachteil: Mehr falsch-negative Ergebnisse, d. h. mehr Kranke werden verpasst

Positiv prädiktiver Wert (PPV)

  • Mit zunehmender Vortestwahrscheinlichkeit steigt der PPV eines Laborergebnisses –> ein positives Testergebnis wird verlässlicher

Negativ prädiktiver Wert (NPV)

  • Mit sinkender Vortestwahrscheinlichkeit wächst der NPV eines Laborergebnisses –> ein negatives Testergebnis wird verlässlicher

Einflussgrössen in der Präanalytik

Die Konzentration vieler Analyten schwankt im Verlaufe des Tages. Referenzbereiche beziehen sich meistens auf die morgendliche Konzentration. Zudem werden gewisse Analyten, vor allem Hormone, pulsatil sezerniert, so dass ein einzelner Wert wenig Aussagekraft hat, z. B. Wachstumshormon (hGH)

In der Regel wird bei Medikamenten der Talspiegel bestimmt (niedrigster Wert vor der nächsten Einnahme). Ausnahmen sind z. B. Methylphenidat (Ritalin®, Concerta®) oder Dexmethylphenidat (Focalin® XR), bei welchen der Spitzenspiegel bestimmt wird

Genussmittel beeinflussen eine Vielzahl von Laborparametern. Hier aufgelistet die wichtigsten Verschiebungen

In der Schwangerschaft nimmt das Plasmavolumen um etwa 50 % zu. Die Folge ist ein Abfall der Erythrozytenkonzentration, des Hämoglobins, des Hämatokrits und des Albumins

Probenhandling (Präanalytik)

Tabelle 1: Präanalytische Fehlerquellen

Zu beachten bei der Probennahme/Fehlerquellen bei der Probennahme

Fehler

Beeinflussung

Citrat-Röhrchen unterfüllt

Wenn Citrat-Röhrchen nicht ausreichend befüllt sind, stimmt das Mischverhältnis nicht und die (Gerinnungs-) Analysen können nicht durchgeführt werden

EDTA-Röhrchen deutlich unterfüllt

Falls die EDTA-Röhrchen deutlich unterfüllt sind (< 500 µl für ein übliches EDTA-Röhrchen) kommt es zur Zell-Lyse aufgrund der toxischen Wirkung von EDTA. Die Analysen können nicht durchgeführt werden

Reihenfolge

Kontamination. Korrekte Reihenfolge: https://www.analytica.ch/laboranalytik-diagnostik/anleitungen/

Umschütten

Falsch abgenommene Röhrchen dürfen auf keinen Fall umgeschüttet werden, da die Laborresultate dadurch werden verfälscht werden

Trennung von Blutzellen und Serum

Für gewisse Analyten ist ein zügiges Abtrennen essenziell

  • Kalium: Falsch hohe Werte
  • Glucose: Falsch niedrige Werte; ansonsten Entnahme im Fluoridröhrchen
  • Ohne Trenngel im Vollblut sind viele Werte nach 6–10 h nicht verwertbar, insbesondere: Albumin, Phosphat, Folsäure, Laktat, Ammoniak

Stabilität (Präanalytik)

Viele Analyten weisen eine eingeschränkte Stabilität auf. Für klinisch-chemische Analysen kann in der Regel die eingeschränkte Stabilität durch Einfrieren umgangen werden. Für gewisse Parameter kann die Probe nicht eingefroren werden. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss dies beachtet werden. Meist wird vom Labor ein entsprechender Kommentar verfasst

Fehlerquellen (Präanalytik)

Erkennung von Hämolyse: Rotfärbung von Plasma oder Serum nach Zentrifugation der Probe erkennbar, wenn die Konzentration von freiem Hämoglobin 30 mg/dl überschreitet.
Ausdruckbare Referenzkarte zur visuellen Beurteilung des Hämolysegrades: https://www.cdc.gov/vector-borne-diseases/media/pdfs/Hemolysis_Palette_Reference_Tool-P.pdf.
Die mit dem Auge sichtbare Hämolyse ist die Grenze, bei der viele Untersuchungen gestört werden

Erkennen von Lipämie: Die Serum- oder Plasmaprobe erscheint milchig oder trüb. Die häufigste Ursache ist eine erhöhte Konzentration von Triglyceriden, sichtbar ab circa > 3,4 mmol/l.
Im EDTA-Vollblut kann ein erhöhtes MCHC (> 36 g/dl) nach Ausschluss anderer Ursachen (z. B. Hämolytische Anämie, Kälteagglutinine) auf eine Lipämie hinweisen. Siehe auch mediX GL Hyperlipidämie.
Entgegen früheren Richtlinien muss der Lipidstatus (mit Ausnahmen insbesondere bei hohen Triglyceriden > 4,5 mmol/L) nicht nüchtern bestimmt werden. Ab wann eine Lipämie die Messergebnisse beeinflusst und ob sie zu falsch-hohen oder falsch-niedrigen Werten führt, hängt stark vom Gerät und der Messmethode ab.

Ikterische Proben erscheinen dunkelgelb, braun oder grünlich und sind auf eine abnorme Erhöhung des Bilirubins zurückzuführen. Siehe auch mediX GL Hepatologie

Blutproben sollten generell nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt sein, da einige Analyten lichtempfindlich sind

Analytik: Präzision und Richtigkeit

Präzision und Richtigkeit müssen mittels interner und externer Qualitätskontrollen regelmässig überprüft werden

Postanalytik: Interpretation

Wird aus einer gesunden Referenzpopulation (geschlechts-, alters- und methodenspezifisch) abgeleitet
Umfasst typischerweise 95 % der Werte Gesunder –> 5 % liegen leicht ausserhalb, ohne krank zu sein
Empfohlener Bereich
Wird klinisch definiert, orientiert sich an Risikoreduktion oder Therapieziel

Halbwertszeiten

Für die Verlaufsbeurteilung von Biomarkern ist die Kenntnis der Halbwertszeit (Clearance) hilfreich

Nachweisdauer von Suchtmitteln

Die Nachweisdauer wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst (Ausmass des Konsums, Zeitpunkt der Urinabnahme, Urinproduktion, Metabolismus, etc.), so dass nur grobe Angaben dazu gemacht werden können.
Für den Drogennachweis wird bevorzugt Urin verwendet, da die Suchtmittel darin meist in höheren Konzentrationen vorliegen und länger nachweisbar sind. Blutproben eignen sich, um eine aktuelle Beeinträchtigung zu beurteilen

Genetische Tests in der Praxis

Spezialisierte Fachärzte, die über einen eidgenössischen Weiterbildungstitel im Fachbereich der untersuchten Krankheit oder im Bereich Medizinische Genetik verfügen, dürfen in ihrem Fachbereich alle genetischen Tests im medizinischen Bereich veranlassen.
Das Ergebnis darf der betroffenen Person nur von einem Arzt oder von einer von ihm beauftragten Fachperson (z. B. genetische Beraterin) mitgeteilt werden. Die betroffene Person entscheidet darüber, über welche Überschussinformationen sie in Kenntnis gesetzt werden möchte.
Einzelheiten hierzu finden Sie unter BAG – Genetische und pränatale Tests im medizinischen Bereich

Laborkontrollen

Tabellen zu folgenden Themen, siehe bitte Vollversion

  • Unnötige Tests
  • Laborkontrollen bei bestimmten Erkrankungen
  • Laborkontrollen unter bestimmten pharmakologischen Therapien