Diagnostik
Symptome (nach Häufigkeit)
- Akuter einseitiger Hörverlust (selten beidseitig)
- Tinnitus
- Druckgefühl im Ohr
- Schwindel
- Hyper-/Diplo-/Dysakusis
- Pelziges Gefühl um die Ohrmuschel (periaurale Dysästhesie)
- Schallleitungsstörung: Cerumen
- Mittelohrbelüftungsstörungen: Tubenmittelohrkatarrh, Paukenerguss, Otosklerose
- Morbus Menière: Rezidivierende Schwindelanfälle mit Erbrechen über Stunden, Tinnitus, Spontannystagmus und einseitiger Hörminderung
- Vestibularisschwannom (VS)
- Einseitige, manchmal akute Hörminderung bei 90 % der Patienten, ausserdem Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
- Vaskuläre Insuffizienz: Z. B. Schlaganfall
- Bakterielle/virale Infektionen (Neurosyphilis, Borreliose, Zoster): selten; Suchtests nach Erregern nur im Verdachtsfall
- Multiple Sklerose (im Schub selten ausschliesslich Hörminderung)
- Otoskopie (ev. Ohrmikroskopie) zum Ausschluss einer Schallleitungsstörung (Cerumen, Mittelohrbelüftungsstörungen)
- Stimmgabeltests (440 Hz)
- Weber-Test
- Der Test fällt positiv aus, wenn der Ton ins gesunde Ohr lateralisiert (sensorineurale Störung/Schallempfindungsstörung des Innenohrs) oder bleibt mittig (keine Lateralisation)
- Der Test fällt negativ aus, wenn der Ton in das kranke Ohr lateralisiert (Schallleitungsstörung/Mittelohr).
Beachte: Der Weber-Test ist bei isolierter Störung im Hochtonbereich nicht zuverlässig.
- Rinne-Test
- Test fällt positiv aus, wenn der Ton wieder gehört wird, sobald die Stimmgabel vor das Ohr gehalten wird –> Entweder physiologisch oder bei Schallempfindungsstörungen (Innenohr)
- Test fällt negativ aus, wenn der Ton nicht gehört wird, sobald die Stimmgabel vor das Ohr gehalten wird –> Schallleitungsstörung im selben Ohr (Mittelohr).
- Weber-Test
- Bei Anhalt für Hörsturz sind folgende Abklärungen erforderlich –> ORL-Spezialist
- Tonaudiogramm (Hinweis: Bei gegebenen technischen und fachlichen Voraussetzungen auch in HA-Praxis)
In Ausnahmefällen
- Tympanometrie und Vestibularisprüfung
- Bei nachgewiesener, sensorineuraler Hörminderung und Persistenz nach 3 Monaten (Reintonaudiogramm) –> MRI Schädel zur Abklärung eines Vestibularisschwannoms (VS).
- Die Therapie sollte rasch, aber nicht notfallmässig initiiert werden – wenn möglich innert 7 Tagen, sofort im Anschluss an die Diagnostik
In der Hausarztpraxis (wenn Tonaudiometrie durchführbar)
- Bei Hörverlust < 25 dB (gegenüber gesundem Ohr) –> watchful waiting für 7–10 Tage; wenn keine Besserung –> Überweisung an ORL
- Bei Hörverlust 25–39 dB und ohne Komorbiditäten –> Steroidtherapie in der HA-Praxis
- 60 mg Spiricort® (3 x 20 mg morgens) für 6 Tage, dann Hörtest-Kontrolle nach 7 Tagen
Überweisung an ORL
- Bei Patienten mit Hörverlust ≥ 40 dB (und ohne Komorbiditäten) –> Überweisung an ORL, dort ebenfalls Steroidtherapie in der gleichen Dosierung; bei ausbleibender Besserung ggfls. sekundäre intratymapanale Therapie
- Bei Betagten oder gebrechlichen Patienten sowie bei Patienten mit Diabetes oder Hypertonie mit Hörverlust > 25 dB –> Überweisung an ORL, dort intratympanale Therapie
- Günstiger Verlauf bei isolierter Schwerhörigkeit im Tief- oder Mittelfrequenzbereich und bei leichtgradigen Hörverlusten (Restitutio 70–90 %)
- Bei Hörstürzen im Tief- und Mittelfrequenzbereich ist später eine kontralaterale Manifestation möglich
- Nach etwa 12 Monaten ist mit keiner Besserung des Hörvermögens mehr zu rechnen (Hörgeräteversorgung erst nach ca. 1 Jahr empfohlen, bei hohem Leidensdruck ggfls. auch früher)
- Empfehlungen für das gesunde Ohr (insbesondere bei nichtvollständiger Restitutio): Kein Tauchen, Lärmschutzmassnahmen