Guideline Kurzversion

Hörsturz

Erstellt von: Dr. med. U. Beise Zuletzt aktualisiert: 07/2026

Diagnostik

Symptome (nach Häufigkeit)

  • Akuter einseitiger Hörverlust (selten beidseitig)
  • Tinnitus
  • Druckgefühl im Ohr
  • Schwindel
  • Hyper-/Diplo-/Dysakusis
  • Pelziges Gefühl um die Ohrmuschel (periaurale Dysästhesie)
  • Schallleitungsstörung: Cerumen
  • Mittelohrbelüftungsstörungen: Tubenmittelohrkatarrh, Paukenerguss, Otosklerose
  • Morbus Menière: Rezidivierende Schwindelanfälle mit Erbrechen über Stunden, Tinnitus, Spontannystagmus und einseitiger Hörminderung
  • Vestibularisschwannom (VS)
    • Einseitige, manchmal akute Hörminderung bei 90 % der Patienten, ausserdem Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
  • Vaskuläre Insuffizienz: Z. B. Schlaganfall
  • Bakterielle/virale Infektionen (Neurosyphilis, Borreliose, Zoster): selten; Suchtests nach Erregern nur im Verdachtsfall
  • Multiple Sklerose (im Schub selten ausschliesslich Hörminderung)
  • Otoskopie (ev. Ohrmikroskopie) zum Ausschluss einer Schallleitungsstörung (Cerumen, Mittelohrbelüftungsstörungen)
  • Stimmgabeltests (440 Hz)
    • Weber-Test
      • Der Test fällt positiv aus, wenn der Ton ins gesunde Ohr lateralisiert (sensorineurale Störung/Schallempfindungsstörung des Innenohrs) oder bleibt mittig (keine Lateralisation)
      • Der Test fällt negativ aus, wenn der Ton in das kranke Ohr lateralisiert (Schallleitungsstörung/Mittelohr).
        Beachte: Der Weber-Test ist bei isolierter Störung im Hochtonbereich nicht zuverlässig.
    • Rinne-Test
      • Test fällt positiv aus, wenn der Ton wieder gehört wird, sobald die Stimmgabel vor das Ohr gehalten wird –> Entweder physiologisch oder bei Schallempfindungsstörungen (Innenohr)
      • Test fällt negativ aus, wenn der Ton nicht gehört wird, sobald die Stimmgabel vor das Ohr gehalten wird –> Schallleitungsstörung im selben Ohr (Mittelohr).
  • Bei Anhalt für Hörsturz sind folgende Abklärungen erforderlich –> ORL-Spezialist
    • Tonaudiogramm (Hinweis: Bei gegebenen technischen und fachlichen Voraussetzungen auch in HA-Praxis)

In Ausnahmefällen

  • Tympanometrie und Vestibularisprüfung
  • Bei nachgewiesener, sensorineuraler Hörminderung und Persistenz nach 3 Monaten (Reintonaudiogramm) –> MRI Schädel zur Abklärung eines Vestibularisschwannoms (VS).

  • Die Therapie sollte rasch, aber nicht notfallmässig initiiert werden – wenn möglich innert 7 Tagen, sofort im Anschluss an die Diagnostik

In der Hausarztpraxis (wenn Tonaudiometrie durchführbar)

  • Bei Hörverlust < 25 dB (gegenüber gesundem Ohr) –> watchful waiting für 7–10 Tage; wenn keine Besserung –> Überweisung an ORL
  • Bei Hörverlust 25–39 dB und ohne Komorbiditäten –> Steroidtherapie in der HA-Praxis
    • 60 mg Spiricort® (3 x 20 mg morgens) für 6 Tage, dann Hörtest-Kontrolle nach 7 Tagen

Überweisung an ORL

  • Bei Patienten mit Hörverlust ≥ 40 dB (und ohne Komorbiditäten) –> Überweisung an ORL, dort ebenfalls Steroidtherapie in der gleichen Dosierung; bei ausbleibender Besserung ggfls. sekundäre intratymapanale Therapie
  • Bei Betagten oder gebrechlichen Patienten sowie bei Patienten mit Diabetes oder Hypertonie mit Hörverlust > 25 dB –> Überweisung an ORL, dort intratympanale Therapie
  • Günstiger Verlauf bei isolierter Schwerhörigkeit im Tief- oder Mittelfrequenzbereich und bei leichtgradigen Hörverlusten (Restitutio 70–90 %)
  • Bei Hörstürzen im Tief- und Mittelfrequenzbereich ist später eine kontralaterale Manifestation möglich
  • Nach etwa 12 Monaten ist mit keiner Besserung des Hörvermögens mehr zu rechnen (Hörgeräteversorgung erst nach ca. 1 Jahr empfohlen, bei hohem Leidensdruck ggfls. auch früher)
  • Empfehlungen für das gesunde Ohr (insbesondere bei nichtvollständiger Restitutio): Kein Tauchen, Lärmschutzmassnahmen