Guideline Kurzversion

Urolithiasis

Erstellt von: Dr. med. U. Beise Zuletzt aktualisiert: 07/2026

Diagnostik

  • Labor
    • Harn: Urinstix (Ery, Leuko, Nitrit, pH) und ev. Sediment (bei Kindern immer), Uricult bei Infektverdacht anlegen
      Beachte: Fieber und gestaute Niere (Flankenschmerzen) bedeuten immer eine Indikation für die sofortige Einweisung in die Klinik (Nephrostomie!)
    • Blut: Hämatogramm, CRP, Creatinin, Calcium, Harnsäure
      Beachte: Falls Calcium erhöht ist, Phosphat und Vitamin D nachbestellen
  • Steinanalyse
    • Urin sieben (Instruktion des Patienten)
    • Bei häufigen Rezidiven sollte die Steinanalyse wiederholt werden
  • Bildgebende Verfahren
    Zum Beweis oder Ausschluss eines Harnsteines; Aufschluss über Grösse, Lokalisation, Zusammensetzung des Steins, Anatomie des Harntraktes, Hinweise auf Nierenfunktion
    • Sonographie: Abklärung von Ausmass der Nierenbeckenstauung und Steingrösse/-lokalisation. Zuverlässiges Verfahren in der Akutsituation zur Sicherung der Diagnose
    • Low dose Computertomographie (CT) ohne Kontrastmittel: Goldstandard zum Steinnachweis. Ausmass der Harnwegsobstruktion erkennbar, Steindichte gibt Hinweise auf die Steinzusammensetzung, indiziert bei sonographisch dilatiertem Nierenbeckenkelchsystem und Verdacht auf Harnleitersteine

 

  • Extrauteringravidität
  • Aortenaneurysma
  • Darmverschluss, Divertikulitis, Appendicitis, Gallenkolik, Cholecystitis, Zoster (keine Hämaturie!)
  • Nierenzellkarzinom mit obstruierenden Blutkoagula im Nierenbecken/Ureter (selten)
  • Hodentorsion oder -entzündung
  • Dysmenorrhoe (mit Flankenschmerz, selten)

Siehe auch mediX Guideline Abdominalschmerzen

 

  • Bei Rezidiven – frühestens 1–2 Monate nach Steinabgang – ist grundsätzlich eine erweiterte Evaluierung angezeigt

Folgende Untersuchungen sollten durchgeführt werden

  • Blut
    • Parathormon, Calcium (Hyperparathyeroidismus?
  • 24-Stunden-Urin
    • Urinmenge
    • Urin-pH
    • Urindichte
    • Oxalat
    • Citrat
    • Calcium
    • Phosphat
    • Harnsäure
    • Harnstoff

Therapie

Schmerztherapie

  • NSAR/Nicht-Opioid-Analgetika
    • Diclofenac 100–150 mg/d (z. B. rektal). Hinweis: NSAR sollen 3 Tage vor ESWL abgesetzt werden
    • Metamizol (z. B. Novalgin® 500–1’000 mg i.v., max 5’000 mg/d oder Novalgin® Tbl. 500–1’000 mg, max. 4’000 mg/d)
    • Paracetamol bei Schwangeren
  • Opioide
    • Sind nur Zweitlinienmedikamente, z. B. Tramadol (plus Antiemetikum!)

Vorbeugung rezidivierender Koliken

  • Alpha-Rezeptorenblocker (z. B. Tamsulosin 0,4 mg/d)
    • Therapiedauer: Bis 4 Wochen. Mittlere Dauer bis zum Steinabgang 1–12 Tage

Notfallsituation mit Hospitalisation in folgenden Situationen

  • Infektzeichen (Fieber)
  • Urosepsis
  • Unbeherrschbare Schmerzen und/oder Erbrechen
  • Harnstauungsniere mit drohendem Nierenversagen
  • Bilaterale obstruierende Urolithiasis
  • Einzelniere oder St. n. Nierentransplantation

Prophylaxe

  • Bei der Mehrzahl konservative (prophylaktische) Therapie: Metaphylaxe, supportive medikamentöse Therapie
  • Asymptomatische Nierensteine: „Watchful waiting“ –> z. B. 1 x jährlich auf Grössenzunahme kontrollieren (Sonographie), ev. laborchemische Untersuchungen sinnvoll (–> Überweisung Spezialist)
  • Trinkprophylaxe
    • Reichlich Flüssigkeitszufuhr über den Tag verteilt; prophylaktisch wirksam bei Harnvolumen > 2 l
  • Ernährung
    • Keine calciumarme Diät!
    • Kochsalzrestriktion bei calciumhaltigen Steinen
    • Vermeiden grosser Mengen von Oxalaten (z. B. Spinat, Rhabarber, Schokolade, Rote Rüben, Bambussprossen, Kakao, Mangold). Oxalathaltige Nahrungsmittel mit Calcium kombinieren
    • Tee und Kaffee müssen bei „normalem“ Konsum nicht gemieden werden
    • Vegetarische Ernährung bevorzugen
    • Fleischeiweiss begrenzen: Maximal 5–7 Portionen/Woche, nie 2 Portionen am gleichen Tag
    • Generelle Ratschläge für eine ausgewogene Ernährung beachten
    • Patienteninformation: mediX Gesundheitsdossier Ernährung
  • Allgemeine Risikofaktoren beeinflussen
    • Gewichtsabnahme (bei Adipositas)
    • Stressbegrenzung
    • Körperliche Bewegung
    • Ausgleich hoher Flüssigkeitsverluste

Indikation

Medikamentöse Prophylaxe zusätzlich zur Metaphylaxe (bei Risikopatienten). Keine Pharmakotherapie von Harnsteinpatienten ohne Kenntnis des individuellen biochemischen Risikoprofils (Steinanalyse)!

  • Alkalizitrat (Kaliumzitrat)
    • Zur Alkalisierung des Harns bei Calciumoxalat-, Harnsäure- und Cystinsteinen (Ziel Urin-pH: 6,5–6,8). Dosierung: 5–12 g/d je nach Urin-pH
    • Alkalizitrate wegen häufiger gastrointestinaler NW zurückhaltend einsetzen
    • Bei Niereninsuffizienz sollten kaliumhaltige Präparate vermieden werden
    • Keine Alkalisierung bei Calciumphosphat- und Struvitsteinen!

Interventionelle Therapie

Indikationen

  • Anhaltende Symptomatik trotz medikamentöser Therapie
  • Anhaltende Obstruktion
  • Renale Funktionsbeeinträchtigung (insb. bei Einzelniere und beidseitigen Uretersteinen)
  • Steinwachstum
  • Steine bei Patienten der Hochrisikogruppe
  • Infektion
  • Mehr als 2–3 Jahre persistierende Steine
  • Wenn die Chemolyse nicht erfolgreich ist

Auch nach der Intervention ist Prophylaxe erforderlich!

Wahl des Verfahrens

  • Hängt v. a. ab von der Grösse und Position des Steins, vom Grad der vorhandenen Obstruktion, von urologischen Voroperationen, aktueller Symptomatik, Komorbiditäten –> Behandlung durch Spezialisten