Bildgebende Untersuchungen

Erstellt von: Thomas Betschart, Beat Dubs, Felix HuberZuletzt revidiert: 09/2020 Letzte Änderung: 09/2020

ÜBER DIESE GUIDELINE                                                                                                                                           
Dieser Leitfaden soll die Entscheidungsfindung für praktizierende Hausärzt_innen hinsichtlich bildgebender Diagnostik mittels konventionellem Röntgen, Sonografie, CT oder MRT (excl. nuklearmedizinische Verfahren wie Szintigrafie und PET etc.) unterstützen.
Im Zweifelsfall ist die Rücksprache mit einem Facharzt der diagnostischen Radiologie empfehlenswert.

 

1. Allgemeine Anmerkungen

Die Indikation zum konventionellen Röntgen und zur Schnittbilddiagnostik setzt Anamnese und klinischen Befund voraus, beides gehört ebenso zu einer Anmeldung wie eine möglichst konkrete Fragestellung! So lässt sich der Untersuchungsablauf optimieren und ev. die Strahlenbelastung für den Patienten reduzieren.

Konventionelles Röntgen (Cr)

  • Das konventionelle Röntgen basiert auf unterschiedlichen Absorptionseigenschaften anatomischer Strukturen bei der Exposition mit radioaktiven Röntgenstrahlen. Das Röntgenbild entsteht daher als eine 2-dimensionale Projektion mit Überlagerung und Summation dieser Strukturen. Die konventionelle Röntgendiagnostik ist die am weitesten verbreitete, kostengünstigste und am einfachsten verfügbare radiologische Bildgebung.

Sonografie (Sono)

  • Die Sonografie basiert auf Schallwellen mit Frequenzen zwischen 3,5 MHz und 16 MHz (teils sogar höher) und folgt damit den physikalischen Prinzipien des Schalls mit Reflexion und Absorption. Knochen-Oberflächen reflektieren den Schall vollständig, so dass hinter Knochen keine sonografische Darstellung mehr möglich ist. Mittels Doppler- oder Farbdoppler-Sonografie können auch Blutflüsse dargestellt und quantifiziert werden. Die Sonografie ist bestens in der Lage, auch bewegte Abläufe zu untersuchen und ist frei von Nebenwirkungen.
    Die Modalität ist meist gut, aber nicht immer mit der nötigen Erfahrung verfügbar und bei widrigen Umständen schnell mit Einbussen an Qualität, Übersicht und Aussagekraft verbunden (Adipositas, komplexe onkologische Fälle, postoperativ, etc.).

Computertomografie (CT)

  • Eine CT bringt eine vielfach höhere Strahlenbelastung als das konventionelle Röntgenbild, wobei dieses Verhältnis sehr stark von der untersuchten Körperregion und Fragestellung abhängt (–> Tabelle 1). Die Gesamtdosis für beide Modalitäten hängt zudem stark (d. h. um den Faktor ca. 2–3) vom Patientenhabitus und den Einstellungen am Röntgengerät CT-Scanner ab. Moderne Geräte verfügen über eine automatisierte Belichtungs- und Dosisregulation, die unnötige Strahlenbelastungen vermeiden
  • Für einige spezifische Fragestellungen existieren Low-Dose-Protokolle (NNH, Nierenstein, interstitielle Pneumopathie, Verlauf Lungenrundherd u.a.), die mit einer stark reduzierten Strahlenbelastung einhergehen.

Magnetresonanztomografie (MRT)

  • In der MRT werden Wasserstoffatome in einem starken Magnetfeld zum Schwingen gebracht. Der Kontrast ist somit hauptsächlich vom Gehalt an Wasserstoffatomen in freier oder gebundener Form im untersuchten Gewebe abhängig. Die MRT bietet den besten Weichteilkontrast aller genannten Modalitäten und die höchste Sensitivität für pathologische Prozesse muskuloskelettal und der inneren Organe inkl. des ZNS, aber mit Ausnahme der luftgefüllten Lunge. Es entsteht keine Exposition durch ionisierende Strahlung.

Tabelle 1: Vergleich Strahlendosis Röntgen vs CT (in milli-Sievert, mSv): Beispiele mit Durchschnittswerten

 

Tabelle 2: Vergleich Preise (in CHF) unterschiedlicher Modalitäten (Beispiele von Standarduntersuchungen

 

 

2. Konventionelles Röntgen

 

3. Gewichtung der bildgebenden Verfahren nach Körperregion/Organsystem

 

4. Hinweise zur Patientenvorbereitung 

Sonografie

  • Untersuchung des Abdomens: Patient soll nüchtern erscheinen (Untersuchung möglichst morgens); Wasser und Tee erlaubt, aber keine fett- oder kohlensäurehaltigen Getränke. Die Harnblase sollte gut gefüllt sein für eine gute Einsehbarkeit des Unterbauches und zur Beurteilung der Harnblase selbst
  • Übrige Körperregionen: Keine spezielle Patientenvorbereitung
  • Bei sonografisch gesteuerten Eingriffen (Schilddrüsenpunktion, Biopsie von Abdominalorganen oder Mamma, Punktion von Gelenks-Ergüssen, Instillation von Medikamenten etc.). Angabe über allfällige Antikoagulation und aktuelle Gerinnungsparameter (Quick, INR, Thrombozyten).
    Wichtig: Sterilitätsvorschriften beachten!
  • CEUS*-Untersuchungen mit Ultraschall-Kontrastmittel, betreffend Vorbereitungen mit dem Anbieter besprechen.

* CEUS=Kontrastmittelverstärkte Ultraschall-Untersuchung

Computertomograhie (CT)

  • CT Abdomen: Der Patient sollte nüchtern erscheinen
  • CT-gesteuerten Punktion/Biopsie: Blutverdünnende Medikation soll eventuell sistiert bzw. bei antikoagulierten Patienten die aktuellen Gerinnungsparameter (Quick, INR, Thrombozyten) mitgeteilt werden
  • Falls eine CT-gesteuerte periradikuäre oder epidurale Infiltration vorgesehen ist, darf der Patient nach der Intervention kein Auto oder schwere Maschinen steuern, da passager leichtgradige Paresen auftreten können
  • Bei einer geplanten CT-Kolonografie (virtuelle Koloskopie) muss – wie bei einer Standard-Koloskopie – vorher abgeführt werden.

MR-Mammografie

  • Die Untersuchung sollte zyklusadaptiert in der zweiten Zykluswoche (Tag 7 bis 14 nach Menstruationsbeginn, ideal Tag 7 bis 10) erfolgen, um die hormonell bedingte Stimulation des Drüsenparenchyms möglichst gering zu halten.

I.v.- Kontrastmittel (KM) und Nierenfunktion

Anlässlich einer CT, MRT oder Angiografie mit i.v. Kontrastmittel sollte beachtet werden

  • Ohne aktuelle Werte für GFR- bzw. Kreatinin (d. h. max. 3 Monate alt) und bei Vorliegen eines oder mehrerer der folgenden Risikofaktoren
    • Patientenalter ≥ 60 Jahre
    • Bekannt eingeschränkte Nierenfunktion (letzte GFR < 60 ml/min)
    • Bekannte Hypertonie, Proteinurie, Gicht, Diabetes mellitus oder St. n. Nierenoperation
    • Nach/bei Einnahme potentiell nephrotoxischer Medikamente (v. a. NSAR)
    • Vor geplanter intraarterieller KM-Gabe in der konventionellen Angiografie
      innert 1 Woche vor oder am Untersuchungstag neue Werte bestimmen!
  • Liegen GFR- oder Kreatinin-Werte im Normbereich vor und sind max. 3 Monate alt, kann auf erneute Bestimmung verzichtet werden. Ebenso ist bei jungen, anamnestisch nierengesunden Patienten, bzw. ohne die oben genannten Risikofaktoren, eine Bestimmung aktueller Nierenfunktionsparameter nicht notwendig
  • Bei einem GFR-Wert von < 30 ml/min sollte auf eine iv- KM-Applikation verzichtet werden. Eine Abweichung von diesem Grundsatz ist nur bei vitaler Indikation zu erwägen.
    Eine prophylaktische Hydrierung p.o. oder i.v. sind bei Bedarf nach Absprache mit dem ausführenden Radiologen und behandelnden Ärzten zu erwägen. Eine medikamentöse Prophylaxe entfällt.

 

5. Literatur

  1. MRI-Newsletter 1/2015
  2. ACR Appropriateness Criteria https://acsearch.acr.org/list
  3. www.sgum.ch

 

6. Impressum

Diese Guideline wurde im September 2020 erstellt.  
© Verein mediX

Herausgeber
Dr. med. Felix Huber

Redaktion (verantwortlich)
Dr. med. Uwe Beise

Autoren
Dr. med. Felix Huber

CR, CT und MRT
Dr. med. Thomas Betschart

FA Radiologie
Radiologenteam MRI Institut Zürich

Sonografie
Dr. med. Beat Dubs

FA Allg. Innere Medizin, spez. Sonografie

Rückmeldungen bitte an: uwe.beise_at_medix.ch

Diese Guideline wurde ohne externe Einflussnahme erstellt. Es bestehen keine finanziellen oder inhaltlichen Abhängigkeiten gegenüber der Industrie oder anderen Einrichtungen oder Interessengruppen.

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Der Verein mediX ist ein Zusammenschluss von Ärztenetzen und Ärzten in der Schweiz.
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