Osteoporose

Erstellt von: Daniela Puhan, Felix Huber, Uwe Beise|Zuletzt revidiert: 10/2018

Inhalt

1. Grundsätze, Definition, Epidemiologie, Risikofaktoren

Grundsätze/Zusammenfassung

  1. Das Frakturrisiko ist abhängig von Alter, Polymedikation (Antihypertensiva, Schlafmittel, Steroide), Sturzgefahr und Knochendichte
  2. Die Densitometrie misst nur den Mineralgehalt des Knochens und gibt keine Auskunft über die Knochenarchitektur. Sie erlaubt keine verbindliche Aussage zur individuellen Frakturgefährdung. Eine geringe Knochendichte ist für sich allein keine Indikation zur spezifischen Arzneimitteltherapie!
  3. Der FRAX©-Score wird primär ohne Densitometrie berechnet FRAX Schweiz
  4. Weitere Indikationen für eine Densitometrie können sein: Ermüdungsfrakturen ohne exzessive Aktivität, langdauernde Steroidtherapie, Essstörungen
  5. mediX empfiehlt keine routinemässigen Verlaufsdensitometrien während einer Behandlung
  6. Eine inadäquate Fraktur kann nach Ausschluss anderer Ursachen (Neoplasie) ohne Densitometrie Indikation für eine spezifische Behandlung sein
  7. Zusätzlich zu Osteoporosemedikamenten immer Calcium/Vitamin Dverordnen Rheumaliga: Calciumrechner (falls > 1‘000 mg: keine Supplementation)
  8. Eine Behandlung soll erwogen werden: Bei Frauen ohne Fraktur, wenn das auf der Grundlage der aktuell verfügbaren epidemiologischen Daten geschätzte absolute 10-Jahresrisiko für eine osteoporotische Fraktur dem absoluten Risiko einer Person gleichen Alters mit stattgefundener Fraktur entspricht. Damit wird vermieden, dass alle Frauen ab 73 J. automatisch Kandidatinnen für eine therapeutische Intervention sind (Interventionsschwelle s. Tab. 1).

Definition

  • Die Osteoporose ist durch eine niedrige Knochenmasse und mikroarchitektonische Veränderungen des Knochengewebes charakterisiert. Daraus resultiert ein Anstieg der Knochenfragilität und die Neigung zu Frakturen. Sind bereits eine oder mehrere Frakturen als Folge der Osteoporose aufgetreten, liegt eine manifeste Osteoporose vor.

 Epidemiologie und Risikofaktoren

  • Die Prävalenz der Osteoporose auf Grundlage der WHO-Definition einer erniedrigten Knochendichte (DXA T-Score < –2,5) beträgt:
  • Postmenopausale Frauen: 50–60 J.: ca. 15 %; > 70 J.: ca. 45 %
  • Männer: Prävalenz 50–60 J.: ca. 2,4 %; > 70 J.: ca. 15 %
  • Das Frakturrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Bei über 90-Jährigen kommt es bei 33 % der Frauen und bei 17 % der Männer zu einer Schenkelhalsfraktur
  • Osteoporotische Frakturen betreffen v. a. die Wirbelkörper (WK), den distalen Radius und den proximalen Femur. Bei den WK-Frakturen bleiben ca. zwei Drittel asymptomatisch
  • Frauen mit Wirbelkörperfraktur haben im Folgejahr in 19 % weitere Frakturen. Sie sind die Zielgruppe für die Sekundärprävention
  • Wirbelkörperbrüche treten manchmal unter Alltagstätigkeiten auf, bei älteren Personen sind sie aber oft sturzbedingt
  • Etwa 70 % der älteren Männer und postmenopausalen Frauen, die eine Fraktur erleiden, weisen keine erniedrigte Knochendichte (T-Score < –2,0) auf.

Klinische Risikofaktoren, die mit einem signifikant erhöhten Frakturrisiko assoziiert sind:

Risikofaktoren für (osteoporotische) Frakturen

  • Wirbelkörperfrakturen oder niedrigtraumatische periphere Frakturen
  • Femurfraktur bei den Eltern (teilweise von KD unabhängig)
  • Schwere Immobilität
  • Untergewicht (BMI < 20)
  • Familienanamnese für Osteoporose
  • Rauchen
  • Multiple Stürze

Erkrankungen mit erhöhtem Osteoporoserisiko

  • Endokrine Störungen: Hyperparathyreoidismus, Menopause vor dem 45. Lj. oder bilaterale Ovarektomie vor dem 45. Lj. oder prämenopausale Amenorrhö > 1 Jahr, Hypogonadismus, Hyperthyreose (sofern persistierend), Cushing-Syndrom, Diabetes mellitus
  • Plasmozytom
  • Rheumatoide Arthritis, ankylosierende Spondylarthropathie
  • Malabsorption (IBD, Sprue)
  • Primäre biliäre Zirrhose,  St. n. bariatrischer Chirurgie (v. a. Magenbypass)
Medikamentös bedingt erhöhtes Frakturrisiko
  • Steroidtherapie (> 7,5 mg Prednison > 3 Monate)
  • Antiandrogene Therapie, Aromatasehemmer
  • Glitazone bei Frauen
  • Schilddrüsensuppressionstherapie
  • Antiepileptika

Bei singulären, anterioren Höhenminderungen 1. Grades ohne Deckplattenimpression besteht kein erhöhtes Risiko für Folgefrakturen. Multiple Wirbelkörperfrakturen 1. Grades bzw. eine oder mehrere Frakturen 2. oder 3. Grades nach Genant (20–40 % bzw. > 40 % Höhenminderung) sind ein starker bis sehr starker Risikofaktor für osteoporotische Frakturen (bis > 10-fach erhöht), sofern keine anderen Ursachen für die Deformierung vorliegen.

Risikofaktoren für Stürze – unabhängig von der Knochendichte

  • Ungenügende körperliche Aktivität
  • Wiederholte Stürze
  • Balance- und Gangstörungen
  • Demenz
  • Sehschwäche
  • Erkrankungen, die zu kurzzeitigen Bewusstseinsstörungen führen können: TIA, Hypoglykämie, orthostatische Hypotonie, Herzrhythmusstörungen
  • Generell schlechter Gesundheitszustand.

2. Diagnostik (2–10)

Eine Diagnostik (Berechnung FRAX®) sollte erfolgen: FRAX Schweiz

  • Bei Vorliegen oder dem Verdacht auf eine manifeste Osteoporose:
    • Niedrigtraumatische Frakturen
    • Verlust an Körpergrösse
    • Zunehmender Rundrücken
    • Akute oder chronische Rückenschmerzen, wenn keine andere Erklärung naheliegend.
  • Bei Personen mit Risikofaktoren, die mit einem erhöhten Frakturrisiko assoziiert sind (Personen > 60 J.) (s. o.).

2.1. Anamnese

  • Erhebung von Osteoporose-RF (s. o.) und Überprüfung, welche davon beseitigt/gemindert werden können
  • Sturz-Risikoabklärung: Sturzanamnese, Medikation, Ernährung, Kognition, Orthostase (auch medikamentös), Visus, Mobilität, Kraft, Gang und Gleichgewicht, Schuhe, Ausdauer, Umgebung/Soziales.

2.2. Klinischer Befund

  • Körpergrösse, -gewicht (Körpergrössenverlust > 3–4 cm ist ein Hinweis auf Osteoporose)
  • Hinweiseauf sekundäre Osteoporose, Malignom?
  • Sturzrisikoermitteln: Timed-up-and-go-Test, Chair-rising-Test bei eingeschränkter Kraft oder Koordination.

2.3. Röntgen

  • Wirbelkörperfrakturen werden mit BWS und LWS a/p und seitlich gesucht. Die Diagnose einer manifesten Osteoporose kann ohne das Vorliegen von Wirbelfrakturen mit dem Röntgenbild nicht gestellt werden
    Beachte: Frische Wirbelkörpereinbrüche sind röntgenologisch oft nicht eindeutig nachweisbar
  • Skelettszintigraphiebei Verdacht auf Malignom (bei V. a. Multiples Myelom zuerst MRI).

2.4. Osteodensitometrie

Methode: DXA (Doppel-Energie-Röntgen-Absorptionsmethode).                                      

Messorte: Im Bereich der LWS oder – in höherem Alter – des prox. Femurs, weil Osteochondrosen das Resultat an der LWS verfälschen.

Bewertung:

  • Osteopenie: BMD* 1–2,5 SD unterhalb des T-Score-Mittelwertes
  • Osteoporose: BMD < –2,5 SD unterhalb des T-Score-Mittelwertes
    Beachte: Die Densitometrie misst nur den Mineralgehalt des Knochens. Sie erlaubt keine Aussage zur individuellen Frakturgefährdung. Eine geringe Knochendichte ist für sich allein keine Indikation zur spezifischen Arzneimitteltherapie!

    *BMD=Bone mineral density: g/cm2

Indikation für eine Densitometrie

mediX empfiehlt die Durchführung einer Densitometrie:

Ohne Frakturereignis:

  • Bei Frauen ab dem 65. Lebensjahr, wenn das altersangepasste 10-Jahresfrakturrisiko in der FRAX©-Berechnung (ohne Densitometrie) über der in Tabelle 1 angegebenen %-Schwelle liegt
  • Dauersteroidtherapie (> 7,5 mg Prednison-Äquivalent ≥ 3 Monate). Beachte: Hier schon Behandlung ab T-Score –1,5 empfohlen!

Bei Frakturereignis:

  • Ermüdungsfrakturen, die nicht durch exzessive Aktivität erklärt werden können
  • Frakturen nach inadäquaten Traumata oder spontane Wirbelkörperfrakturen
  • Familiäre Osteoporose
  • Essstörung (keine Kassenpflicht)

Hinweis: Ob bei Männern (ab 70. Lebensjahr) eine Densitometrie durchgeführt werden soll, kann nicht abschliessend beurteilt werden. Bei Männern mit mehreren Risikofaktoren kann eine FRAX©-Berechnung (+/- Densitometrie) im Einzelfall sinnvoll sein. Der Nutzen einer Osteoporose-Behandlung ist bei Männern jedoch nicht umfassend belegt (9, 12): Bisphosphonate können neueren Studien zufolge die Zahl (weiterer) vertebraler Frakturen verringern; zum Einfluss auf nicht vertebrale Frakturen fehlen Daten (24).

Wann Densitometrie-Kontrolluntersuchungen? (3)

  • Bei Frauen ≥70 J. mit normaler DXA: Keine weiteren Kontrolluntersuchungen erforderlich, ausser bei neu aufgetretenen Konstellationen, z. B. orale Steroidtherapie (11)
  • Bei Frauen mit fortgeschrittener Osteopenie (T-Score –1,5 bis –2,0) und weiter bestehenden RF: Ev. Kontrolle nach 5 Jahren
  • Bei einer laufenden spezifischen Therapie ist der Nutzen von Kontrollmessungen der Knochendichte nicht belegt. Ein Nichtanstieg der Knochendichte ist vor allem für die oralen Bisphosphonate und die SERMS kein Hinweis für eine verminderte frakturreduzierende Wirkung!

Knochendichtemessung und Grundversicherung

Nur DXA wird bezahlt, und dies nur in einer Körperregion und nur bei folgenden Indikationen:

  • Klinischmanifeste Osteoporose
  • Nach Knochenbruch bei inadäquatem Trauma
  • Langzeit-Kortikosteroidtherapie
  • Hypogonadismus
  • Gastrointestinale Erkrankungen
  • Primärer Hyperparathyreoidismus (sofern keine klare Operationsindikation besteht)
  • Osteogenesis imperfecta
  • Therapiekontrolle alle 2 Jahre (obwohl kein Nutzen belegt ist).

 2.5. Labor (2)

Indikation:

  • Bei gesicherter Osteoporose (Fraktur oder nach pathol. DXA) zum Ausschluss/Nachweis
    sekundärer Formen (s. Tabelle 2 im Anhang)
  • Serum-Calcium, Serum-Phosphat (nur falls Ca erhöht/erniedrigt: Parathormon und Vitamin D)
  • Blutbild, CRP, Serum-Eiweisselektrophorese
  • Alkalische Phosphatase (AP), Gamma-GT (GGT)
  • Kreatinin und eGFR
  • TSH.

Hinweis: Für die routinemässige Bestimmung von biologischen Markern gibt es derzeit keine Evidenz.

3. Behandlung (1–4, 12, 13)

Allgemeine Ratschläge

Tipp: Tool mit differenziertem Ansatz (etwas zeitintensiver, aber man erhält eine direkte Empfehlung) –> Osteorheuma.ch

Grundsätzlich sollen alle Frauen über die Primärprävention informiert sein:

  • Ausreichende Calciumeinnahme (1‘000 mg/d, Rheumaliga: Calciumrechner)
  • Vitamin-D- und Proteineinnahme
  • Körperliche Bewegung mit Einsatz des Körpergewichts
  • Nikotinabstinenz
  • Mässigung beim Alkoholkonsum
  • Information über Vermeidung von Stürzen
  • Vorsicht beim Verordnen von Sedativa (vgl. Abschnitt 4).

Medikamentöse Therapie

Therapieschwelle:

  • Eine medikamentöse Therapie
    • Wird empfohlen: Bei Frauen nach osteoporotischer Fraktur von Wirbelkörper oder proximalem Femur
    • Soll erwogen werden: Bei Frauen ohne Fraktur, wenn das absolute 10-Jahresrisiko (Risikoscore FRAX© s. u.) für eine osteoporotische Fraktur dem absoluten Risiko einer Person gleichen Alters mit prävalenter Fraktur entspricht. Damit wird vermieden, dass alle Frauen ab 73 J. automatisch eine medikamentöse Therapie erhalten
    • Kann erwogen werden: Bei Männern mit entsprechendem 10-Jahres-Frakturrisiko als Einzelfallentscheidung und/oder bei längerfristiger oraler Steroidtherapie.

Die Evaluation des 10-Jahres-Frakturrisikos erfolgt nach FRAX© (Schweiz). Für die Berechnung ist eine Densitometrie nicht zwingend notwendig, sie erhöht aber die Aussagekraft des Risikoscores: FRAX Schweiz

Tabelle 1: Risikoscore FRAX©: Alter, Frakturrisiko und Interventionsschwelle

Alter und 10-Jahres-Frakturrisiko (FRAX©), über welchem eine Therapie erfolgen soll (Hauptfrakturen: Wirbel, Hüfte, Humerus, Radius):

  • 50 Jahre ≥ 10 %
  • 55 Jahre ≥ 13 %
  • 60 Jahre ≥ 17 %
  • 65 Jahre ≥ 20 %
  • 70 Jahre ≥ 23 %
  • 75 Jahre ≥ 28 %
  • 80 Jahre ≥ 33 %

Beachte: Vor Einleitung einer Behandlung soll immer eine Densitometrie gemacht werden. Liegt eine inadäquate Wirbelkörperfraktur vor, kann ev. auch darauf verzichtet werden.

Medikamente

Beachte: Zusätzlich zu Osteoporosemedikamenten immer Calcium/Vitamin Dverordnen.

1. Bisphosphonate

  • Haben als einzige Therapie eine Langzeitwirkung
  • Alle Vertreter ausser Ibandronat haben eine gute Wirkung auf alle Arten von Frakturen
  • Für Frauen und Männer zugelassen (ausser Ibandronat, wo eine Wirksamkeit auf Hüftfrakturen nicht nachgewiesen wurde)
  • Nicht bei GFR < 30 ml/min/1,73m2
  • Oral: geringe Bioverfügbarkeit.

Wirkstoffe:

  • Alendronat (Alendronat®Helvepharm; Fosamax®) 70 mg/Woche (CHF 430.–/Jahr)
  • Risedronat (Actonel®) 35 mg/Woche (CHF 360.–/Jahr)
  • Zoledronat (Aclasta®, Generika): 5 mg/J. i.v. (CHF 310.–/Jahr, ohne MPA-Kosten). Kurzinfusion 1 x/Jahr; bei erstmaliger Gabe ev. prophylaktisch ein NSAR oder Paracetamol zur Vermeidung von Myalgien und Fieber für 2–3 d geben. Patienten müssen auch gut hydriert sein (Crea-Clearance muss > 35 ml/min sein)
  • Ibandronat (Bonviva®, Generika): 3-Monats-Spritze i.v. (CHF 260.–/Jahr, ohne MPA-Kosten) oder 1 Monatstablette (CHF 344.–/Jahr). Bisher kein Wirksamkeitsnachweis auf Hüftfrakturen.

Anwendung per os: Patientinnen genau über die Einnahmedisziplin aufklären: Nach dem Aufstehen nüchtern mit Wasser einnehmen, 30 min in aufrechter Position auf das Frühstück warten. Währenddessen sollen keine anderen Medikamente, insbesondere kein Calcium, Kaffee oder Orangensaft getrunken werden, weil sonst die Resorption stark reduziert wird.

Nebenwirkungen:

  • Kiefer-Osteonekrose: Inzidenz 0,001 % bis 0,01 % (bei onkologischen Patienten ist das Risiko wesentlich höher, da hohe Dosen, Inzidenz 1­–15 %) (25). Regelmässige zahnärztliche Kontrollen empfohlen (alle 6 Monate Dentalhygiene und/oder Zahnarzt). Zahnchirurgische Eingriffe sollten vor Therapiebeginn stattfinden (16, 25)
  • Selten (3–50/100’000 Patientenjahre) atypische Femurfrakturen. Bei akut auftretenden Schmerzen in Leiste/Oberschenkel daran denken und Röntgen veranlassen! (15)

2. Denosumab (Prolia®)

  • Humaner monoklonaler Antikörper gegen RANK*-Liganden (RANKL) gerichtet, der die Knochenresorption hemmt. So wirksam wie Bisphosphonate, möglich auch bei Niereninsuffizienz. Anwendung: subkutane Injektion von 60 mg Denosumab alle 6 Monate
  • Kosten: CHF 600.–/ Jahr
  • CAVE: Nach Absetzen ist mit einem bedeutenden “Rebound“-Effekt zu rechnen, d. h. nach Therapieende folgt ein gesteigerter Knochenumbau mit Mineralgehaltsverlust. Die gewonnene Knochendichte kann innert wenigen Wochen bis Monaten wieder verloren gehen, teilweise werden multiple Wirbelfrakturen erlitten. Nach Absetzen von Denosumab muss für 12­–24 Monate eine Behandlung mit einem Bisphosphonat erfolgen
  • Therapiedauer: 4–5 Jahre (s. Abbildung unten)
  • NW: Kiefer-Osteonekrose, Häufigkeit < 30/100‘000 Patientenjahre; atypische Femurfrakturen.

    *RANK = Receptor Activator of Nuclear Factor Kappa B

3. Raloxifen (Evista®)

  • Selektiver Östrogenrezeptor-Modulator (SERM), weniger wirksam als Bisphosphonate oder Denosumab. Nur Wirkung auf Wirbelfrakturen! Bereits zur Prophylaxe zugelassen und von KK bezahlt (ab einem T- Score von < –1,0). Nur für Frauen. Kann bis zu 8 Jahren Nutzen zeigen
  • Kosten: CHF 420.–/Jahr
  • Nebenwirkungen: Menopausenbeschwerden, erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse (Number needed to harm, NNH: 160)
  • Raloxifen reduziert das Risiko Östrogenrezeptor-positiver Mammakarzinome.

4. Östrogene

  • Günstig, gute Wirkung auf alle Arten von Frakturen; sinnvoll wenn auch Menopausebeschwerden bestehen
  • Zur Prophylaxe zugelassen und von KK bezahlt (ab einem T-Score von < –1,0)
  • Nebenwirkungen: Thromboembolien, Risiko für Mamma-Ca steigt.

5. Teriparatid (Forsteo®)

  • Die Indikationsstellung darf nur durch Fachärzte (Endokrinologen, Rheumatologen) erfolgen. Second Line Therapie bei Versagen oder Unverträglichkeit der Antiresorptiva und in Spezialfällen. Nur Einfluss auf Wirbelfrakturen (Wirkungauf nicht vertebrale Frakturen ist nicht nachgewiesen)
  • Kosten: CHF 5‘400.–/Jahr
  • Dauer: max. 2 Jahre, danach fällt die Mineraldichte schnell wieder ab.

Medikamentenwahl:

1. Wahl:

  • Bisphosphonate (Wahl je nach Ort der Osteoporose, Geschlecht und Compliance)

2. Wahl:

  • Denosumab bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation von/für Bisphosphonate. Nur für ältere Patienten –> Begründung: Sind Bisphosphonate kontraindiziert, kann die Behandlung nur mit Denosumab (oder Teraptid) weitergeführt werden. Es erscheint aber nicht ratsam, dies über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahre zu tun
  • Raloxifen (bei jüngeren Frauen postmenopausal).

Bei Therapieversagen:

  • Teriparatid ist eine Option, nach 2 Jahren müsste aber erneut umgestellt werden. Wir empfehlen, den Patienten wegen möglicher Rebound-Effekte einem Facharzt.

Schmerzhafte Wirbelkörperfrakturen:

  • Bisphosphonate wirken erst nach 3–6 Monaten (etwas) schmerzreduzierend
  • Calcitonin 200 IU nasal ist rascher wirksam. Therapiedauer: 2–4 Wochen
    Hinweis: Keine Langzeitanwendung von Calcitonin wegen erhöhtem Prostatakarzinomrisiko (14).

Wie lange soll behandelt werden? (13, 15–19)

GL Osteoporose Abb 1

4. Sturzprophylaxe (2, 3)

Neben der Osteoporose ist die allgemeine Sturzanfälligkeit sehr bedeutend für die Risikoabschätzung, eine Fraktur zu erleiden.

Das Frakturrisiko wird durch verschiedene ossäre und extraossäre Faktoren beeinflusst. Die wichtigste Prävention ist die Verhinderung von Stürzen.

Massnahmen:

  • Reduktion des Sturzrisikos durch Überprüfung des häuslichen Milieus (Stolperfallen in der Wohnung, Beleuchtung, Schuhwerk)
  • Geh- und Koordinationstraining; Sonnenlichtexposition mind. 30 min/d
  • Vermeiden von Immobilität
  • Überprüfung des Gebrauchs und der Indikation sedierender, orthostatisch wirkender Medikamente sowie solcher mit Einfluss auf den Knochenstoffwechsel (Steroide, Antiepileptika, suppressive Schilddrüsenhormontherapie u. a.)
  • Visuskorrektur
  • Substitution von Calcium 500–1‘000 mg plus Vitamin D800 IU –> medIX GL Vitamin D-Mangel bei im Alters-/Pflegeheim lebenden Personen (21) Hinweis: Der Nutzen einer generellen Vitamin D-Supplementierung oder einer gezielten Supplementierung von Vitamin D bei Serum-25-OH-Vitamin D < 20 ng/ml (50 nmol/l) ist bei Personen ohne ein hohes Fraktur- oder Sturzrisiko nicht belegt (22). Hochdosistherapien (z. B. Einmalgaben von Vitamin D3 500’000 IU) erhöhen das Sturz- und Frakturrisiko! (23)
  • Verschreibung von Gehhilfen
  • Hüftprotektor: Nutzen unklar, inkonsistente Studienlage zur Senkung der Femurfrakturrate.

5. Literatur

  1. Looker AC, et al.: Prevalence of low femoral bone density in older U.S. adults from NHANES III. J Bone Miner Res1997; 12(11): 1769-71.
  2. Osteoporose: Prävention-Diagnostik-Behandlung. Empfehlungen der Schweizerischen Vereinigung gegen die Osteoporose SVGO, 2015. SVGO 2010.
  3. DVO Leitlinie Osteoporose 2017.
  4. Compston J, et al.: National Osteoporosis Guideline Group: Guideline for the diagnosis and management of osteoporosis in postmenopausal women and men from the age of 50 years in the UK. Updated March 2014.  Sheffield 2014.
  5. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Männern nach dem 60. Lebensjahr und bei postmenopausalen Frauen. S3-Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V., Entwurf 2014. DVO 2014.
  6. Lehmann T, et al.: Frakturprädiktion – nicht nur eine Frage der Knochendichte. Schweiz Med Forum 2013;13(45):913–916.
  7. Rizzoli R., et al.: Osteoporose: von der osteodensitometrischen Diagnose zur Evaluation des absoluten Frakturrisikos. Schweiz Med Forum 2010;10(6):111–113. Swiss Medical Forum 2010.
  8. Osteodensitometrie bei primärer und sekundärer Osteoporose. IQWIG Abschlussbericht 2010. IQWiG 2010.
  9. Screening for Osteoporosis: An Update for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med. 2011;154:356-364.
  10. Meier C, Kraenzlin ME: Neue Wege in der Diagnostik und Therapie der Osteoporose. Schweiz Med Forum 2011;11(3):25–28.
  11. Gourlay ML, et al.: Bone-Density Testing Interval and Transition to Osteoporosis in Older Women: N Engl J Med 2012, 366: 225. NEJM 2012.
  12. Crandall CJ: Treatment To Prevent Fractures in Men and Women With Low Bone Density or Osteoporosis: Update of a 2007 Report. Agency for Healthcare Research and Quality U.S. Department of Health and Human Services. March, 2012. NCBI 2012.
  13. Meier C, et al.: Empfehlungen der Schweizerischen Vereinigung gegen Osteoporose (SVGO/ASCO): Medikamentöse Osteoporose­therapie: Behandlungsdauer und Vorgehen nach Therapieende. Schweiz Med Forum 2017;17(41):873-877. DOI:SVGO/ASCO 2017.
  14. EMA recommends limiting long-term use of calcitonin medicines. Pressemitteilung vom 20. Juli 2012. EMA 2012.
  15. Zur Dauer der Therapie mit Bisphosphonaten bei Osteoporose. a-t 2013; 44: 88, 93. AT 2013.
  16. Khnan AA, et al.: Diagnosis and management of osteonecrosis of the jaw: a systematic review and international consensus. J Bone Miner Res. 2015;30(1):3. 
  17. Black DM, et al.: Effects of continuing or stopping alendronate after 5 years of treatment: the Fracture Intervention Trial Long-term Extension (FLEX): a randomized trial. JAMA. 2006 Dec 27;296(24):2927-38.
  18. Black DM, et al.: The effect of 3 versus 6 years of Zoledronic acid treatment of osteoporosis: A randomized extension to the HORIZON-Pivotal Fracture Trial (PFT). J Bone Miner Res. 2012;27(2):243–254. JBMR 2012.
  19. Fraser LA, et al.: Fracture risk associated with continuation versus discontinuation of bisphosphonates after 5 years of therapy in patients with primary osteoporosis: a systematic review and meta-analysis. Ther Clin Risk Manag. 2011; 7:157-66. Epub 2011 May 9.
  20. Balzer K, et al.: Sturzprophylaxe bei älteren Menschen in ihrer häuslichen Umgebung. DIMDI 2012.
  21. Chapuy MC, et al.: Effect of calcium and cholecalciferol treatment for three years on hip fractures in elderly women. BMJ. 1994 Apr 23;308(6936):1081-2.
  22. Snijder MB, et al.: Vitamin D Status in Relation to One-Year Risk of Recurrent Falling in Older Men and Women. J Clin Endocrinol Metab. 2006 Aug; 91 (8):2980-5. Epub 2006 May 9.
  23. Sanders KM, et al.: Annual high-dose oral vitamin D and falls and fractures in older women: a randomized controlled trial. JAMA. 2010 May 12;303(18):1815-22.
  24. Sim LW, Ebeling PR: Treatment of osteoporosis in men with bisphosphonates: rationale and latest evidence. Ther Adv Musculoskelet Dis. Oct 2013; 5(5): 259–267. NCBI 2013.
  25. Khan AA, et al.: Diagnosis and management of osteonecrosis of the jaw: a systematic review and international consensus. J Bone Miner Res.2015 Jan;30(1):3-23.

6. Anhang

 

Tabelle 2: Erkrankungen, die zu einer sekundären Osteoporose führen können

Endokrine Ursachen

Hypogonadismus, Hyperkortisolismus, Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus, Hyperprolaktinämie, Diabetes mellitus

Hämatologische Erkrankungen

Multiples Myelom, Thalassämie, Mastozytose

Gastrointestinale Erkrankungen

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Malabsorption/Malnutrition, primär biliäre Zirrhose, Laktose-Intoleranz

Rheumatische Erkrankungen

Rheumatoide Arthritis, M. Bechterew

Kongenitale Ursachen

Osteogenesis imperfecta, Ehlers-Danlos-Syndrom, Marfan-Syndrom

Sonstige

Immobilisation, Organtransplantation, Anorexia nervosa, idiopathische Hyperkalzämie, chronischer Alkoholismus, schwere chronische Nierenkrankheit, HIV, Metastasierung

7. Impressum

Diese Guideline wurde im Oktober 2018 aktualisiert.  © mediX schweiz

Herausgeber: 
Dr. med. Felix Huber

Redaktion (verantw.):
Dr. med. Uwe Beise

Autoren: 
Dr. med. Daniela Puhan
Dr. med. Felix Huber
Dr. med. Uwe Beise

Rückmeldungen bitte an: uwe.beise@medix.ch

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