Infektiologie – Therapieempfehlungen

Erstellt von: Daniela Puhan, Sabitha Vilan, Felix Huber |Zuletzt revidiert: 8/2018

Inhaltsverzeichnis

Beachte

In der aktualisierten Version wurde vor allem die Dauer der Antibiotikagabe fast durchgängig verkürzt. Es geht dabei um die empirische Behandlung. Sobald ein Erreger gefunden wird, muss die Antibiotikabehandlung angepasst werden, gemäss S. 48 in: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

Dermatologie

Balanitis

 

 

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Balanitis bakteriell:
Brennen, Rötung, Schwellung, Exsudation, Erosion

Betadine® Salbe,
Bäder mit Tannosynt®

 

 

Balanitis Candida:
Juckreiz, dann Erythem und weisse Stippchen

Clotrimazol 2 % topisch oder Multilind® Heilpaste

 

Bemerkungen: Diabetes mellitus?, bei rezidivierender Balanitis unter SGLT-2-Hemmer ggfls. Absetzen des Medikaments. 

DD: M. Bowen, Psoriasis, M. Behcet, Herpes.

Prophylaxe bakteriell: Reinigen mit Wasser nach jedem Urinieren und gut trocken tupfen. Evtl. Einlegen eines Mullstreifens in den Präputialraum mit antiseptischen Zusätzen.

Prophylaxe Pilze: Reinigung mit Olivenöl, keine Seifen.

QuellenUrologielehrbuch.de, Balanitis
Altmeyers Enzyklopädie, Balanitis simplex
Altmeyers Enzyklopädie, Balanitis candidamycetica
Altmeyers Enzyklopädie, Bakterielle Balanitis.

 

Bisswunde (falls infiziert ggfls. Kultur)

Krankheitsbild

 Therapie 1. Wahl Therapie 2. Wahl 

Hunde

Therapiedauer i. A. 3–5 d
AM-CL 3 x 1 g/d, falls infiziert für 5–10 d

alternativ: AM-CL  2 x 1 g/d für 7–10 d

Kinder: AM-CL 25 mg/kgKG q 12 h p.o. für 5 d

Doxycyclin 2 x 100 mg/d und Clindamycin 3 x 300 mg/d

Kinder: Clindamycin 10–20 mg/kgKG q 8 h p.o + TMP-SMX 5/25 mg/kgKG q 12 h p.o. 

Katze

Therapiedauer 3–5 d
AM-CL 3 x 1 g/d, meist infiziert, deshalb eher 5–10 d

alternativ: AM-CL 2 x 1 g/d für 7–10 d

Kinder: AM-CL 25 mg/kgKG q 12 h p.o. für 5 d

Doxycyclin 2 x 100 mg/d
Clindamycin 3 x 300 mg/d

 

Mensch

AM-CL  3 x 1 g/d  für 5 d bei frühem Behandlungsbeginn und ohne Infektzeichen
AM-CL 3 x 1,2 g/d i.v., wenn später Therapiebeginn und Infektzeichen

Kinder: AM-CL 25 mg/kgKG q 12 h p.o. für 5 d

Clindamycin 3 x 300 mg/d
Ciprofloxacin  2 x 500 mg/d

 

Ev. PEP erwägen

Bemerkungen: Ruhigstellung mit Schiene. Hundebisse sind meldepflichtig. Allg: Tetanus-Impfstatus?, Katzen bis zu 80 % infektiös –> Therapie; Hunde zu 5 % infektiös –> Therapie bei schwerer Wunde oder Komorbidität (Diabetes).
Quelle: Inselspital Bern und USZ (2015).

Condylomata accuminata

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Condylomata accuminata

Podophyllotoxin 0,5 % (Condyline®) 2 x/d während 3 d, dann 4 d Pause, Zyklus 4 (–6) x wiederholen
(wird von praktizierenden Dermatologen und Gynäkologen aufgrund schlechter Effektivität nicht empfohlen)

Imiquimod 5 %, Aldara® 3 x/Woche (z. B. Tag 1, 3, 5) vor dem Schlafen (6–10 h belassen), max. 16 Wochen (sehr teuer: 12 Sachets CHF 143.35, für 4 Wo. Therapie, Supp von Kantonsapotheke erhältlich)

Bemerkungen: HIV-Test, Empfehlung Praktiker: Kryotherapie (2 x 5 ''); mechanische Abtragung; Podophyllotoxin 20 % 1 x/Wo. durch Arzt; Elektrodesikkation; Lasertherapie. Quelle: Sanford, 2010.

 

Erysipel

Krankheitsbild Therapie 1. Wahl Therapie 2. Wahl
Erysipel/Phlegmone

AM-CL 3 x 625 mg/d p.o. für 5–7 d

Clindamycin 3 x 300–450 mg/d p.o

Bemerkungen: Allgemein: Ruhigstellung und Hochlagerung der betroffenen Extremität, kühlende Wickel. Aus pharmakokinetischer Sicht ist eine 3 x tägliche Dosierung von 625 mg AM-CL vermutlich vorteilhaft gegenüber 2 x 1 g/d. 
Quelle: Schweiz Med Forum 2013; 13(35): 672-677.

 

Erythema chronicum migrans

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Erythema chronicum migrans
Keine Serologie nötig und häufig falsch negativ.

Doxycyclin 2 x 100 mg/d oder 1 x 200 mg/d, für 7–14 d oder bei multiplem ECM für 21 d

Amoxicillin 3 x 500 mg/d, für 7–14 d Cefuroxim 2 x 500 mg/d für 7–14 d,
Kinder (< 8 J.): Amoxicillin 20 mg/kgKG 3 x/d für 14–21 d

Bemerkungen: neueste Daten betreffend Vorgehen: SGINF.
Quelle: Guidelines.ch: Borrelien, Lyme Erkrankung.

Herpes simplex

   
Krankheitsbild Therapie 1. Wahl Therapie 2. Wahl
Herpes simplex genitalis

Primoinfekt oder Rezidiv

Valaciclovir 2 x 500 mg/d p.o.
für 5–10 d (Primoinfekt)

oder
für 3–5 d (Rezidiv)

Famciclovir 3 x 250 mg/d p.o. für 5–10 d (Primoinfekt)

oder
Famciclovir 2 x 125 mg/d p.o. für 5 d (Rezidiv)

Herpes simplex genitalis (Rezidive)
bei > 6 Rez. oder wenn subj. stark belastend (Suppressionsth.), Therapiedauer für 6–12 Monate

≥ 10 Rezidive pro Jahr:
Valaciclovir 2 x 250 mg/d p.o.

< 10 Rezidive pro Jahr:
Valaciclovir 1 x 500 mg/d p.o.
oder
Selbstmedikation bei ersten Anzeichen!
Famciclovir 1’000 mg, 2 Dosen im Abstand von 12 h
Valaciclovir 1’000 mg, 2 Dosen im Abstand von 12 h

Acyclovir 2 x 400 mg/d p.o.
oder
Famciclovir 2 x 250 mg/d p.o.

Herpes labialis
Prophylaktische Therapie, wenn keine Prodromi und > 6 x/Jahr und Wohlbefinden stark beeinträchtigt

Acyclovir 2 x 400 mg/d
Dauer: maximal 6–12 Monate 
Valaciclovir 1 x 500 mg/d 

Herpes labialis (Rezidiv)

Keine Therapie nötig
topisch:
Penciclovir 1 % (Famvir® Creme) 2-stündlich tagsüber

Selbstmedikation – bei ersten Anzeichen:
Valaciclovir 2 x 1’000 mg/d, 1 d
Famciclovir 2 x 1’500 mg/d, 1 d

Bemerkungen: Während Schwangerschaft: Acyclovir. Allgemein: Eine Therapie hat keinen Einfluss auf Rezidive.

  • Zusätzlich therapeutisch: Analgetika wie Acetylsalicylsäure, NSAR
  • Akutphase: Sitzbäder oder Kompressen mit jodhaltigen Lösungen (Betadine®/Braunol®, 1:10 verdünnt), Eichenrindenextrakt (Tannosynt® flüssig), Schüttelpinselungen.
  • Abheilendes Stadium: aufweichende Externa (Bepanthen® Salbe, Betadine® Salbe)
  • Therapeutischer Effekt unabhängig vom Behandlungszeitpunkt; grundsätzlich trotzdem Therapiebeginn bei Prodromi (Ziehen/Brennen), vor sichtbaren Läsionen. Beschleunigung der Abheilung um ca. 1 Tag
  • Vor langfristiger Rezidivprophylaxe-Therapie (allenfalls) Nachweis mittels Abstrich.

Quellen: Antibiotika-Richtlinien Inselgruppe Bern, Guidelines Genitaler Herpes.

Gingivostomatitis herpetica   Primärinfektion bei Kindern (bei 5–10 % der Kinder)

NSAR z. B. Voltaren bis 3 x 1 mg/kgKG/d, solange Schmerzen bestehen

Keine antivirale Therapie

Acyclovir 20 mg/kgKG q 6 h p.o. für 7 d
Valaciclovir 20 mg/kgKG q 8 h p.o. für 7 d

Bemerkungen: Topische Medikamente werden wegen mangelnder Wirksamkeit nicht empfohlen.
Quelle: Antibiotika-Richtlinien Inselgruppe Bern.

 

Herpes zoster

   

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Herpes zoster

Valaciclovir 3 x 1’000 mg/d für 7 d

Famciclovir 3 x 500 mg/d für 7 d

Herpes zoster bei schwerer Immundefizienz

Acyclovir i.v. –> hospitalisieren

 

Bemerkungen:
Therapiebeginn < 72 h nach Beginn der Symptome (ab Prodromi oder Hauteffloreszenzen) kann Krankheitsdauer (inkl. postherpetische Neuralgie) verkürzen. Bei Immunsuppression, älteren Patienten, Lokalisation im Gesichtsbereich kann auch nach 72 h noch mit Therapie begonnen werden1. Kortikosteroide sind ohne eindeutigen Nutzennachweis in der PHN-Prophylaxe.
Varizellen-Impfung bei Kindern zwischen 11–15 J., welche keine Varizellen hatten
Zusätzliche Therapie mit:
Analgetika: Paracetamol, NSAR, Tramadol. Kein Pregabalin (Lyrica®) im akuten Ausbruch!
Topische Therapie: desinfizierende Schüttelpinselung, Silbersulfadiazin-Creme oder Austrocknung mit einer Cremepaste.

Risikofaktoren für Entwicklung einer postherpetischen Neuralgie: Alter > 50 J., Prodromalschmerzen, mittelstarke bis starke Schmerzen im Initialstadium des HZ, Herpes zoster ophthalmicus
Behandlung der postherpetischen Neuralgie:

  • Antidepressiva (Trizyklika): z. B. Amitriptylin 25 mg/d, steigern entsprechend Verträglichkeit und Wirkung
  • Gabapentin oder Pregabalin, wenn Trizyklika nicht gegeben werden können. Nicht bei Niereninsuffizienz!
  • Analgetika: Opioide (zurückhaltend einsetzen, in geringer Dosis einsetzbar zur Überbrückung bis Trizyklika wirken). Paracetamol, NSAR
  • Lokaltherapie: Capsaicin (0,025 % Creme; Lidocain-haltige Externa (z. B. Emla® Creme oder Patch), Neurodol®-Pflaster
  • Physikalische Methoden (TENS, Nervenblockade)

Quelle: Inselspital Bern, 1Sanford 2010.

 

Impetigo

   

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Impetigo: nicht-bullös

Desinfizierende (jodhaltige) Seife
Topisch: Fucidinsäure oder
wenn disseminiert:
Cefuroxim 15 mg/kgKG q 12 h p.o. für 5 d

Clindamycin 10 mg/kgKG q 8 h p.o.

Bemerkungen: Antibiotikaresistenzen: anresis.ch.
Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

Gastroenterologie

Diarrhoe, mit oder ohne Reiseanamnese

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Ohne Fieber, wässrig (Viren, enteritische Salmonellen, Campylobacter, ETEC, VTEC/EHEC, Giardien, Vibrio cholerae)

Stuhluntersuchung nur bei Patienten im Lebensmittelbereich oder bei V. a. Cholera oder Giardien

Keine AB-Therapie, kein Labor, evtl. Motilitätshemmer

Cave: bei VTEC/EHEC-Epidemie sind AB kontraindiziert!

Bei Cholera: 1 x 1 g Azithromycin

 

 

 

Ciprofloxacin 2 x 500 mg/d für 3–5 d

Blutig (Dysenterie)
(Campylobacter, Yersinia, Shigellen, EIEC)

Immer Stuhluntersuchung

Empirische Therapie wenn febril, > 65 J., Immunsuppression:

Azithromycin 1 x 500 mg/d für 3 d (bei Asienrückkehrern immer 1. Wahl), sonst je nach Erreger

Für Kinder: Azithromycin 10 mg/kg für 3 d

 

Cl. difficile assoziierte Diarrhö

Metronidazol 3 x 500 mg/d für 10 d

Beim ersten Rezidiv auch Metronidazol

Bemerkungen: Bei gutem bis regelrechtem AZ und fehlendem Hinweis für Dysenterie kann symptomatisch behandelt werden. 
Antibiotika-Therapie indiziert bei mässiger bis schwerer Diarrhö (> 4 ungeformte schleimige oder blutige Stühle/d, Fieber); vermehrte Resistenzen sind auch für Ampicillin und TMP-SMX beschrieben.
Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von anitimikrobiellen Substanzen, siehe auch mediX Guideline Diarrhö

Divertikulitis

   
Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2.Wahl

Divertikulitis

AM-CL 3 x 625 mg/d für 7–10 d1

Ciprofloxacin 2 x 500 mg/d + Metronidazol 3 x 500 mg/d für 14 d

Bemerkungen: Bei engem Monitoring kann auf AB verzichtet werden. Gemäss Brit. J. of Surgery, 2012: Unkomplizierte Divertikulitis (afebril, CRP < 100 mg/l, Lc < 104, keine Immunsuppression: Schmerzmittel und keine Antibiotikatherapie, da Raten für Perforation/Abszess unter Antibiotika oder NSAR vergleichbar. Kolonoskopie 2–6 Wochen nach Abheilung, Verlauf: 30–40 % bleiben asymptomatisch, 30–40 % episodisch Abdominalkrämpfe, 30 % erneute Divertikulitis.
QuelleInselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

Helicobacter pylori

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Helicobacter pylori- Eradikation

Tripeltherapien für 7–14 d

  • Pantoprazol 40 mg + Clarithromycin 500 mg + Amoxicillin 1000 mg je 2 x/d
  • Pantoprazol 40 mg + Clarithromycin 500 mg + Metronidazol 500 mg je 2 x/d
  • Pantoprazol 40 mg + Amoxicillin 1’000 mg + Levofloxacin 500 mg je 2 x/d

Bismut-haltige Vierfachtherapie

  • PPI 2 x/d, Pylera® 4 x 3 Tbl (Kombitablette aus Bismut 140 mg, Tetrazyklin 125 mg, Metronidazol 125 mg)

Bemerkungen: Bei der Wahl des Therapieregimes sollen Penicillin-Allergie, frühere AB-Behandlung, Resistenzlage, Migrationshintergrund und Patientenpräferenz berücksichtigt werden –> Einzelheiten s. mediX Guideline Dyspepsie. PPI sind grundsätzlich 30 min vor Mahlzeit und AB 30 min nach Mahlzeit einzunehmen1.  HP-Testung: Ausreichenden Zeitabstand einhalten: mindestens 2 Wochen nach PPI-Therapie, mind. 4 Wochen nach AB-Eradikationstherapie. Soll/Sollte-Indikationen zur Eradikation bei HP-Nachweis: Ulkuskrankheit, MALT-Lymphom, Risikopatienten zur Karzinomprävention (korpusdominante HP Gastritis, Pangastritis, atrophische Gastritis, erstgradig Verwandte mit Ca., Adenome, PPI-Dauerbehandlung), ASS- und NSAR-Dauerbehandlung, ITP, M. Ménétrier, lymphozytäre Gastritis. Kann-Empfehlung zur Eradikation: Funktionelle Dyspepsie, ungeklärter Eisenmangel, asymptomatische HP-Gastritis.
Quelle
: 1gemäss Gastroenterologie USZ

Gynäkologie/STD

Adnexitis/PID

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Adnexitis (PID)

Ceftriaxon 1 x 1 g/d i.v. für 5 d
plus
Metronidazol 3 x 500 mg/d i.v./p.o. für 5 d
plus
Doxycyclin 2 x 100 mg/d i.v./p.o. für 14 d

Falls GO positiv –> Ceftriaxon für 7 d

(Zugabe von Metronidazol bei Patienten mit Verdacht auf Abszess)

Moxifloxacin 1 x 400 mg/d i.v./p.o. plus
Metronidazol 3 x 500 mg/d i.v./p.o.

 

Bemerkungen: Errerger: C. trachomatis, Gonokokken, Enterobakteriazeen, Anaerobier, M. hominis.
1Hospitalisation bei Schwangerschaft, AZ-Verminderung (hohes Fieber, Nausea, Erbrechen, starke Schmerzen), Abszess, kein Ansprechen auf p.o. Therapie innerhalb 48–72 h.Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

 

Lues/Syphilis

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Primäre, sekundäre Syphilis und frühe Latenzphase

(Infektion < 1 Jahr)
Screening mit TPPA

Benzathin-Benzylpenicillin 2,4 Mio IE i.m. (je 1,2 Mio IE gluteal re und li),

Test of cure:
VDRL od. Rapid-Plasma-Reagin (RPR) nach 3, 6 und 12 Monaten

bei Penicillin-Allergie:
Doxycyclin 2 x 100 mg/d für 14 d oder Ceftriaxon 1 g/d i.m./i.v. für 8–10 d wenn nur Exanthem auf Penicillin

Infektion > 1 Jahr
Neurosyphilis oder HIV –> Überweisung an Infektiologen

Benzathin-Penicillin G (2,4 Mio IE) i.m. 1 x/Wo für 3 Wo.

Doxycyclin 2 x 100 mg/d für 28 d

Bemerkungen: Benzathin-Penicillin muss über die Kantonsapotheke bezogen werden! Prophylaxe der Jarisch-Herxheimer-Reaktion (v. a. bei Therapie der Frühsyphilis): Prednison 1 x 50 mg 30 min vor Injektion. Paracetamol mitgeben. Zeitgleiche Behandlung der regelmässigen Sexualpartner ist Voraussetzung für langfristigen Therapieerfolg.
Quellen: Guidelines.ch: Syphilis / Lues, Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

 

 

Mastitis postpartum

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Mastitis postpartum

Flucloxacillin 3 x 500 mg/d p.o. für 5–7 d

Cefuroxim 3 x 500 mg/d p.o. oder
Clindamycin 3 x 300 mg/d p.o. für 5–7 d

Vermehrtes Stillen kann die Abheilung beschleunigen, sofern kein Abszess. Bei Abszess: Inzidieren und Abstillen.

Vaginale Infekte

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Bakterielle Vaginose
(Aminkolpitis, Gardnerella-Infekte)

Metronidazol 2 g an Tag 1 und 3 (also 2 Gaben) oder Clindamycin Vaginal-Creme für 7 d

Metronidazol 2 x 500 mg/d p.o. für 7 d

Bemerkungen: Behandlung symptomatischer Pat; asymptomatische Pat. nur präoperativ vor Abort-Curettage oder Hysterektomie. Vor Antibiotikatherapie kann zunächst eine Lokaltherapie mit Fluomizin Ovula versucht werden. Partnerbehandlung nicht indiziert, ausser bei Balanitis. Schwangerschaft: Metronidazol oder Clindamycin für 7 d p.o.1. Man vermutet, dass STD-Übertragungen durch eine Therapie reduziert werden können.

Vaginalmykose

Lokale Therapie für 3 Tage Clotrimazole (Corisol® Creme und Ovula, Fungotox® Creme und Ovula, Imazol®- und Imacort® Creme), Econazol (Gynopevaryl® Ovula und Pevaryl® Creme): werden von KK übernommen;
Von KK nicht übernommen: Kombi-Produkte wie Gyno Canesten® und Gyno-Pevaryl-Combi® für 3 Tage

Fluconazole 1 x 150 mg/d 1 d

Bemerkungen: Während Schwangerschaft: Clotrimazole oder Nystatin.

Zervizitis

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Chlamydien oder Gonokokken
Test of cure nach 3 Wochen mittels PCR

Azithromycin 1 g p.o. (als Einmaldosis)
plus
Ceftriaxon 0,5 g i.m. (als Einmaldosis) (500 mg Ampulle mit 2 ml Lidocain 1 % mischen und 2 ml injizieren)

Azithromycin 2 g p.o. (als Einmaldosis)
plus
Gentamicin 240 mg i.m. (als Einmaldosis),
nur wenn Ceftriaxon i.m. nicht möglich!

Chlamydien
Schwangerschaft1 < 20. SSW

Erythromycin 4 x 500 mg/d für 7 d

Amoxicillin 3 x 500 mg/d für 7 d

Chlamydien Schwangerschaft1 > 20. SSW

Azithromycin 1 g Einmaldosis

 

Bemerkungen: immer Partnermitbehandlung! Während 7 d ab Therapiebeginn kein ungeschützter GV. Chlamydien: Nachweis mittels PCR in 1. Portion Morgenurin oder Spontan-Urin nach 2–3-stündiger Miktionskarenz. Partnerbehandlung mit Aztihromycin 1 g Einzeldosis. In Schwangerschaft Doxycyclin und Fluorchinolone (Ofloxacin) kontraindiziert. Frauen: Vaginalabstrich; immer auf Gonokokken und Chlamydien. Chinolonresistente Gonokokken v. a. im fernen Osten.
Quelle: 1 Handbuch Geburtshilfe USZ 06.

Bemerkungen: Partnerbehandlung. Finden sich bei 20–30 % der Schwangeren. Bedeutung für SS-Komplikationen nicht eindeutig bewiesen, deshalb in SS nur bei Symptomen oder Risiko für Frühgeburt oder Blasensprung behandeln wegen Gefahr der neonatalen Pneumonie.
Quelle: Inselspital Bern, Handbuch Geburtshilfe USZ 06.

Neurologie

Meningitis

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Meningitis Erwachsene
–> Hospitalisation!

bei akutem Verlauf: Ceftriaxon 2 g Kurzinfusion – zuvor BK abnehmen, dann ad Spital, wenn möglich: Dexamethason 10 mg i.v.

 

Meningitis Kinder
–> Hospitalisation!

Ceftriaxon 100 mg/kgKG i.v./i.m.,
MTD: 4 g/d

 

Bemerkungen: Vor Therapie 2 Blutkulturen abnehmen.
Quelle: Antibiotika-Richtlinien Inselgruppe Bern.

 

 

Meningitisprophylaxe

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Meningitisprophylaxe

Meningokokken

Erwachsene:
Ciprofloxacin 1 x 500 mg, Rifampicin 2 x 600 mg/d für 2 d, Ceftriaxon 250 mg i.m. oder Kurzinfusion1

Schwangerschaft/Stillen: Ceftriaxon 1 x 250 mg i.m. oder Kurzinfusion2

Kinder < 14 J.: Rifampicin 10 mg/kgKG 2 x/d für 2 d, Ceftriaxon 1 x 125 mg i.m. oder als Kurzinfusion (falls > 50 kgKG: 1 x 250 mg)

Säuglinge < 1 Monat: Rifampicin 5 mg/kgKG 2 x/d für 2 d, Ceftriaxon 1 x 125 mg i.m. oder Kurzinfusion

 

 

 

 

 

 

Bei fehlender Alternative: Ciprofloxacin 1 x 10 mg/kgKG

Bemerkungen: Chemoprophylaxe für Kontaktpersonen: 1. die im gleichem Haushalt leben, 2. die im gleichen Zimmer geschlafen haben, 3. die Nasen-Rachensekreten des Erkrankten ausgesetzt waren (intime Küsse, Reanimation, Intubation, nasotracheales Absaugen) und wenn ein Kontakt 10 Tage vor Diagnosestellung oder bis 24 h nach Therapiebeginn stattgefunden hat.
Quellen: 1 Schweiz. Med. Forum, Nr.9, Feb. 2002, 2 Schweiz. Med. Forum, Nr. 42, Okt 2002.

Ophthalmologie

Bakterielle Konjunktivitis

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Bakterielle Konjunktivitis (Erwachsene)

Topisches Antibiotikum Tobramycin 0,3 % Tropfen alle 4 h 1–2 Tropfen für 5–7 d

Polymyxin/Neomycin/Gramicidin Tropfen

Bemerkungen: Cave Kortisonzusatz: Kunstfehler bei Keratitis! Linsenträger sollten diese bis zur Abheilung nicht tragen. Desinfizierung der Linsen und des Behälters.
Bakterielle Konjunktivitiden heilen i. A. spontan ab, eine Behandlung verringert jedoch die Dauer der Beschwerden und setzt die Ansteckungsgefahr herab. Eine bakterielle Konjunktivitis sollte sich unter Therapie nach 1–2 d bessern1. Grundsätzlich ist eine verzögerte AB-Therapie (Beginn nach 3 d persistierenden Symptomen) vorzuziehen2.
Einfacher Score zum Therapieentscheid: 2 verklebte Augen: +5, 1 verklebtes Auge: +2. Juckendes Auge: -1. Konjunktivitis in Vorgeschichte: -2. Schwellenwert für Therapie: > 23.
Quellen: 1 Primary Care 2005;5: Nr49-50, BMJ online 2006 Jul 17,,3 BMJ 2004;329:206-210, Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

Bakterielle Konjunktivitis (Kinder)

Neomycin, Polymyxin (Spersapolymyxin®, ab 2 J. auch Neosporin® möglich),Tag eins bis 2-stdl, danach 2 x/d.
Bis 1 Jahr: auswaschen, wenn hartnäckig ev. Fucidinsäure (Fucithalmic Gel®), Tag eins ev. 4-stdl, danach 2 x/d 2 Tage über Symptomfreiheit behandeln (Spersapolymyxin® auch möglich, da Fucidin nur gegen Staphylokokken wirksam)

 

Hordeolum, Chalazion, Blepharitis

Initial keine AB
Lidrandhygiene und warme Kompressen

Fusidinsäure, Bacitracin

Bemerkungen: Lidhygiene: auswaschen mit normalem Leitungswasser, ev. mit Kamillentee, ggfls. Tränenkanal massieren1.
Quelle: 1 D. Nadal/Ch. Berger: Bakterielle Infektionen beim Kind, 2003.

 

ORL

Otitis media

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Otitis media
(Erwachsene)

Amoxicillin 3 x 750 mg/d p.o. für 5 d
Initial keine AB! Beobachten und abschwellende Nasentropfen, NSAR

Cefuroxim 2 x 500 mg/d p.o. für 5 d

bei schwerer Penicillinallergie Doxycyclin 2 x 100 mg/d p.o. für 5 d

Bemerkungen: Primär abschwellende Nasentropfen und antiphlogistische und analgetische Medikamente, AB nur bei
Persistenz der Schmerzen über 3 d unter symptomatischer Therapie!  Bei zweiter Episode innert 1 Monat Amoxicillin/Clavulansäure 1 g bid p.o.
Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

Otitis media
(Kinder)
Analgesie und Reevaluation nach 24 h (< 2 J.) bzw. nach 48 h (≥ 2 J.), falls AZ erhalten und keine Risikofaktoren (Trommelfellperforation, bds. Befund, HNO-Fehlbildungen, Immundefizienz, «otitis prone child») oder Anzeichen für beginnende Mastoiditis, Fazialisparese etc.

Amoxicillin 25 mg/kgKG 2 x/d p.o. 5(–10 d)

Fieberpersistenz > 72 h, Rezidiv innert 4 Wo:
Amoxicillin-Clavulanat 40–45 mg/kgKG 2 x/d p.o. für 5(–10) d, siehe Bemerkungen

Clarithromycin bei Penicillin-Allergie 7,5 mg/kgKG 2 x/d 5 d

Cefuroxim 15 mg/kgKG in 2 Dosen/d 5(–10) d –> siehe Bemerkungen

Bemerkungen: 10 d Therapie wenn < 2 J., TF-Perforation oder Otitis-prone-Kind (Otitis prone: > 2 Episoden/6 Monate oder 4 Episoden/Jahr).
Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen. 

 

Sinusitis

Krankheitsbild

 Therapie 1. Wahl Therapie 2. Wahl 

Sinusitis
(Erwachsene)

Amoxicillin 3 x 750 mg/d p.o. für 7 d
oder
AM-CL 2 x 1 g/d für 5–7 d

Cefuroxim 2 x 500 mg/d für 5–7 d
oder
Doxycyclin 2 x 100 mg/d für 5 d5

Bemerkungen: AB-Therapie reserviert für Patienten mit schwerem Verlauf > 4 d, die mit abschwellenden Nasentropfen, NSAR (und topischen Steroiden) vorbehandelt sind und unter Gesichts-, Kiefer- und purulentem Nasensekret leiden oder kein Ansprechen innert 7 d.
Quellen: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen, Guidelines.ch: Sinusitis.

 

Sinusitis
(Kinder)

AB nur wenn > 10 d Symptome, Fieber > 39 °

AM-CL 25 mg/kgKG q 12 h p.o. für 10 d
oder
Cefuroxim 15 mg/kgKG q 12 h p.o. für   10 d
oder
Clarithromycin 7,5 mg/kgKG q 12 h p.o. für 10 d

Bemerkungen: Ein geeignetes AB sollte zu einem prompten klinischen Ansprechen innert 48 h führen, andernfalls AB-Wechsel. Evtl. Wechsel auf Clindamycin.
Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

 

 

Streptokokken-A-Angina

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Strept-A-Angina
(Erwachsene)
AB nur bei pos. Streptokokken-Testund ausgeprägter Klinik

An HIV denken bei Fieber > 38 °

Amoxicillin 3 x 375 mg/d für 5 d
oder
Penicillin 3 x 1 Mio IE/d für 8 d

Bei Penicillin-Allergie:          Clarithromycin 2 x 500 mg/d für 5 d
oder
Cefuroxim 2 x 500 mg/d für 5 d

Bemerkungen: Asymptomatische Träger nach Therapie: keine weiteren Massnahmen. Penicillin ist das einzige AB, dessen Wirksamkeit in der Prävention des rheumatischen Fiebers gut dokumentiert ist.
Quellen: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen, Guidelines.ch: Tonsillitis.

Strept-A-Angina
(Kinder)

Amoxicillin 25 mg/kgKG q 12 h p.o für     7 d

 

Penicillin V 50’000 E/kgKG q 12 h p.o. für 10 d

Bei Penicillin-Allergie:
Clarithromycin 7,5 mg/kgKG/d in 2 Dosen, max. 500 mg/d für 10 d
oder
Clindamycin 10 mg/kgKG/d in 3 Dosen, max. 1,8 g/d für 10 d

Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

Pneumologie

Bronchitis, COPD

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Bronchitis akut (Infekt der unteren Atemwege)
(Husten, Dyspnoe, Schmerzen, Wheezing)

Viral, keine antibiotische Therapie! (kann aber in Betracht gezogen werden bei insulinabhängigem Diabetes, > 75-Jährigen, Herzinsuffizienten)

 

Exazerbation COPD
Bei Zunahme Dyspnoe, Sputumvolumen, Husten –> Impfungen nicht vergessen!

Leichte bis moderate Exazerbationen (= ambulante Behandlung): keine Antibiotika, aber Prednison 25–50 mg/d für 5 d

Mittelschwere Exazerbation oder Fieber: TMP-SMX 2 x 960 mg/d, für 5–7 d, AM-CL 3 x 625 mg/d für 5–7 d

Doxycyclin 2 x 100 mg/d für 5–7 d

Bemerkungen: siehe auch mediX Guideline COPD. Bei leichter Exazerbation einer leichten bis mittelschweren COPD restriktiver Einsatz von AB. Bei Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren wie hohes Alter, chronische kardiovaskuläre Erkrankung oder Diabetes ist Indikation für AB-Therapie eher gegeben.
Quelle: Guidelines.ch: Infektexazerbierte COPD.

Pertussis

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Diagnostik bei Verdacht:
– Husten < 2 Wochen: PCR oder Kultur aus Nasenabstrich
– Husten 2–3 Wochen: PCR oder Kultur oder IgG-anti-PT
– Husten > 3 Wochen: IgG-anti-PT (IgG-anti-PT nur verwertbar wenn in den letzten12 Monate keine Impfung gegen Pertussis)

Therapie:
Kurativ nur in den ersten 2 Wochen, danach nur zum Schutz von Säuglingen unter 6 Monaten:
Azithromycin: 10 mg/kgKG/d in 1 Dosis für 5 d (ab Geburt möglich)
Clarithromycin: 15 mg/kgKG/d  in 2 Dosen für 7 d (ab 1 Monat möglich)
TMP-SMX: 8 mg TMP/kgKG/d für 14 d (ab 2 Monaten möglich)

Postexpositionelle Chemoprophylaxe (siehe Therapie):
Für exponierte asymptomatische Mitarbeiter ohne anzunehmende Immunität gegen Pertussis, welche Kontakt zu Säuglingen jünger als 6 Monate aufweisen und für exponierte Säuglinge unter 6 Monaten

Verdacht: schwere Hustenattacken, asymptomatisch im Intervall, Dauer > 2 Wochen.
Quellen: BAG und Schweiz Med Forum 2014;14(7):127–130.

 

Pneumonie (ambulant)

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Pneumonie
(Erwachsene)
(Fieber > 4 d, Husten, Dyspnoe), Kombination von 2 Wirkstoffen nur bei Hochrisikopatienten und schweren Verläufen (Hospitalisation!)

AM-CL 2 x 1 g/d*
oder
Doxycyclin 2 x 100 mg/d

Dauer: 3–5 Tage länger als das Fieber anhält.

 

Bemerkungen: CRB-65-Score: je 1 Pkt für: Verwirrtheit, Atemfrequenz  ≥ 30/min, diastolischer  BD < 60 mmHg und/oder systol. BD < 90 mmHg; Alter ≥ 65 J. Interpretation: 0 Pkt: ambulante Therapie. 1 Pkt: ambulante Th. ev. möglich (eher stationär bei Alter > 65 J. und relevanten Komorbiditäten). ≥ 2 Pkte: Hospitalisation und i.v.-Therapie empfohlen.
* AM-CL 2 x 1 g/d ist der Dosierung von 3 x 625 mg/d hinsichtlich Wirksamkeit ebenbürtig, verursacht aber weniger Durchfälle.

Pneumonie
(Kinder)

Amoxicillin 40 mg/kgKG q 12 h p.o. für 5 d
Falls keine Besserung innert 48 h –>
Ausschluss Pleuraerguss und Clarithromycin 7,5 mg/kgKG q 12 h p.o. für 10 d

 

Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen

Urologie

 

 

 

Akute Pyelonephritis

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Akute (unkomplizierte) Pyelonephritis
(meist Frauen 18–40 J, febril, costovertebrale Schmerzen)

Ciprofloxacin 2 x 500 mg/d p.o. für 7 d, bei Männern für 14 d
oder
TMP-SMX  2 x 1/d für 10–14 d

Bei Risiko für schweren Verlauf (Sepsis, Erbrechen, > 65 J. etc.): Ceftriaxon 1 x 2 g i.v. bis Resistenzprüfung (oder Gentamicin 5 mg/kgKG i.v.) oder – bei Erregerresistenz gegenüber Ciprofloxacin und TMP-SMX – für 10 d

Bemerkungen: Immer Urinkultur bei Pyelonephritis. Urin- und Blutkulturen vor Therapiebeginn!

 Epididymoorchitis

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Epididymoorchitis1
V. a. sexuell übertragene Erreger (Gonorrhoe, Chlamydien)

1 x 500 mg Ceftriaxon i.m. einmalig und Azithromycin einmalig 1 g

 

Epididymoorchitis1
V. a. aufsteigende Harnwegsinfektion

Ciprofloxacin 2 x 500 mg/d für 10 d

Levofloxacin 1 x 500 mg/d für 10–14 d

Bemerkungen: antibiotische Therapie nur bei Infektverdacht. Zusätzlich Bettruhe, Hochlagerung Scrotum, NSAR 2
Quellen: 1 Urologielehrbuch.de: Epididymitis, 2 Sanford Guide, 2010.

Harnwegsinfekte

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2.Wahl

Kinder afebriler HWI1

TMP-SMX 5/25 mg/kgKG q 12 h p.o. für 5 d

Je nach Antibiogramm:
AM-CL 25 mg/kgKG q 12 h p.o. Cefuroxim-axetil 15 mg/kgKG q 12 h p.o. Ciprofloxacin 10 mg/kgKG q 12 h p.o.

Kinder febriler HWI1

Ceftibuten (Cedax®)
Tag 1: 2 x 9 mg/kgKG/d, max. 400 mg/d,
Tag 2–10: 1 x 9 mg/kgKG/d1

AM-CL (457 mg/5 ml):
< 2 J. (bis 40 kg): 25–50 mg/kgKG/d in 2 Dosen
> 2 J.: 50–75 mg/kgKG/d in 2 Dosen

Bemerkungen: febriler HWI: Hospitalisation wenn < 3 Monate od. septisch od. keine Entfieberung innert 24–48 h.
Erreger: zu 80 % E.coli, des weiteren: Klebsiella, Proteus, Enterobacter, Citrobacter, Staphylokokkus saprophyticus, Enterokokkus, selten Staphylokokkus aureus.
Indikation für weitere Abklärung muss individuell beurteilt werden2.
Quellen: 1 Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen, 2 D. Nadal/Ch. Berger: Bakterielle Infektionen beim Kind, 2007.

Unkomplizierter HWI bei Frauen1
Nie behandeln wenn asymptomatisch! (auch nie screenen, ausser in SS)
Fosfomycin single dose oder TMP-SMX  2 x 1/d für 3 d oder Nitrofurantoin 2 x 100 mg/d für 5 d
Auf Wunsch der Patientin kann auch zugewartet werden mit AB (z. B.  Einnahme erst nach 48 h wenn keine Besserung)
AM-CL 2 x 500/125 mg/d für 3 d oder Cefuroxim 2 x 500 mg/d für 7 doder Norfloxacin 2 x 200 mg/d für 3 d

Bei jungen Frauen mit Rezidiv1
≥ 3 HWI/Jahr mit Kulturnachweis –>
Prophylaxe

Vor Beginn Urinkultur
TMP-SMX forte 1x/d oder alle 2 d (es bestehen keine Empfehlungen betreffend Therapiedauer, allg. 6–12 Monate)1

Nitrofurantoin 100 mg p.o. 1 x/d

Schwangere1

Fosfomycin einmalig 3 g, oder Nitrofurantoin 2 x 100 mg/d für 3–5 d (nicht im 3. Trimenon)

Cefuroxim 2 x 500 mg/d für 3–5 d, AM-CL   2 x 500/125 mg/d für 3–5 d

Postmenopausal2

Estriol Creme, intravaginal für 8 Monate (z. B.Ovestin® Ovula oder                            
1 Applikatorfüllung/d für 2–3 Wo., danach 2 x/Wo.)

 

Männer1
Es muss immer ein komplizierter HWI ausgeschlossen werden (d. h. immer Urinkultur, Ausschluss STD) Überweisung an Urologie nur wenn rezidivierend oder Pyelonephritis

TMP-SMX forte 2 x 1/d für 7 d
Bei V. a. Mitbeteiligung der Prostata Behandlungsdauer 2–3 Wo. (Fieber, dolente Prostata bei DRU)

Nitrofurantoin 2 x 100 mg/d für 5 d oder Norfloxacin 2 x 400 mg/d, für 3 d

Bemerkungen: siehe auch mediX Guideline HWI (Erwachsene).
Beim Mann: weitere Abklärungen mit Frage nach Restharn bei zusätzlichem Verdacht auf Prostatitis, Antibiotikaresistenz. Datenbank: anresis.ch
Quelle: 1 SGINF: Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen, up to date 2009  3 Infektiologie USZ, 2012. Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

Prostatitis Restharnsuche!

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Prostatitis akut (Urikult!)
Je nach Anamnese an STD denken, dann PCR auf N. gonorrhoeae, C. trachomatis

Ciprofloxacin 2 x 500 mg/d für 21 d
Moxifloxacin 1 x 400 mg/d für 7 d bzw. bis Erreger gefunden

TMP-SMX forte 2 x 960 mg/d für 21 d

Bemerkungen: NSAR gegen Entzündung geben.

Prostatitis, chronisch-bakteriell
(Kultur von Prostatasekret vor Therapiebeginn aus Ejakulat)

Bei Gram-neg. Stäbchen
Ciprofloxacin 500 mg alle 12 h für 4–6 Wo.

Kultur negativ oder V. a. atypische Erreger:
Doxycyclin 2 x 100 mg/d p.o. für 2–4 Wo.

 

Bemerkungen: Bei Klinik von Prostatitis und negativem Kulturresultat von Urin und Prostatasekret an C. trachomatis denken. Rezidive häufig, dann längere AB-Therapie. Bei chronischer Prostatitis wird Levofloxacin empfohlen, das Chlamydien mit abdeckt, was bei Ciprofloxacin nicht der Fall ist.
Quelle: Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

 

Urethritis

Krankheitsbild

Therapie 1. Wahl

Therapie 2. Wahl

Urethritis
Gonokokken, Chlamydien
Partner mitbehandeln!

 

 

Azithromycin 1 g p.o. als Einmaldosis
plus
Ceftriaxon 0,5 g i.m. als Einmaldosis (500 mg Ampulle mit 2 ml Lidocain 1 % mischen und 2 ml i.m. injzieren)

Azithromycin 2 g p.o. als Einmaldosis
plus
Gentamicin 240 mg i.m. als Einmaldosis, nur wenn Ceftriaxon i.m.            nicht möglich!

Bei klinischem Versagen auf Standardtherapie: Mycoplasma genitalium, Trichomonas, Herpes und Adenoviren möglich

Moxifloxacin 1 x 400 mg/d p.o. für 7 d

 

Quelle: Guidelines.ch: Ureaplama / Mykoplasema, Inselgruppe Bern: Richtlinien für den Gebrauch von antimikrobiellen Substanzen.

Antibiotika bei Niereninsuffizienz

Antibiotika – Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz

  • Dosierungen im Arzneimittelkompendium bei Niereninsuffizienz sind meist nicht ganz korrekt, v. a. wenn hohe Dosierungen eingesetzt werden müssen. Deshalb Dosierungen bei Niereninsuffizienz nachschauen, z. B. im Sanford oder Nachfragen bei Nephrologen/Infektiologen
  • Patienten an der Hämofiltration, Hämodialyse, CAPD etc. –> Nachfragen bei Nephrologen/Infektiologen
  • Acyclovir, Gentamicin und Vancomycin: siehe entsprechendes Kapitel im Anschluss
  • Cave: Die Dosis hängt von der Indikation ab, mitberücksichtigen!

Amoxicillin
Kreat-Cl > 60 ml/min: 4–6 x 2 g i.v.
Kreat-Cl 30–60 ml/min: 3–4 x 2 g i.v.
Kreat-Cl 10–30 ml/min: 2–3 x 2 g i.v.
Kreat-Cl < 10 ml/min: 2 x 500–1’000 mg i.v.  

Amoxicillin/Clavulansäure
Kreat-Cl > 30 ml/min: 2 x 1 g p.o. oder 3 x 1,2–2,2 g i.v. (bis 6 x 2,2 g i.v. )
Kreat-Cl 10–30 ml/min: 2–3 x 625 mg p.o. oder 2 x 1,2–2,2 g i.v. (*)
Kreat-Cl < 10 ml/min: 2 x 625 mg p.o. oder 1 x 1.2 g i.v. (*) 

Cefepime
Kreat-Cl > 50 ml/min: 2–3 x 2 g i.v.
Kreat-Cl 30–50 ml/min: 1–2 x 2 g i.v.
Kreat-Cl 10–30 ml/min: 1 x 1–2 g i.v.
Kreat-Cl < 10 ml/min: 1 x 0,5–1 g i.v.

Ceftazidim
Kreat-Cl > 50 ml/min: 3 x 2 g i.v.
Kreat-Cl 30–50 ml/min: 2 x 2 g i.v.
Kreat-Cl 10–30 ml/min: 1 x 2 g i.v.
Kreat-Cl < 10 ml/min: 1 x 0,5–1 g i.v.

Ciprofloxacin
Kreat-Cl > 30 ml/min: 2 x 500–750 mg p.o (2 x 400 mg i.v.)
Kreat-Cl 10–30 ml/min: volle Dosis, bei zusätzlicher Leberinsuffizienz 50 % der Dosis
Kreat-Cl < 10 ml/min: per os: 50 % der Dosis, max 750 mg/d (i.v.: 1 x 400 mg)

Clarithromycin
Kreat-Cl > 30 ml/min: 2 x 250–500 mg p.o.
Kreat-Cl < 30 ml/min: 2 x 250 mg p.o.

Ertapenem
Kreat-Cl > 50 ml/min: 3–6 x 2 g i.v.
Kreat-Cl 30–50 ml/min: 3–4 x 2 g i.v.
Kreat-Cl 10–30 ml/min: 2–3 x 2 g i.v.
Kreat-Cl < 10 ml/min: 2 x 1–2 g i.v.

Fluconazol
Kreat-Cl > 50 ml/min: 100 % der Dosis
Kreat-Cl < 50 ml/min: 50 % der Dosis

Meropenem
Kreat-Cl > 50 ml/min: 3 x 1–2 g i.v.
Kreat-Cl 25–50 ml/min: 2 x 1–2 g i.v.
Kreat-Cl 10–25 ml/min: 2 x 0,5–1 g i.v.
Kreat-Cl < 10 ml/min: 1 x 0,5–1g i.v.

Penicillin G
Kreat-Cl > 50 ml/min: 6 x 3 Mio. E
Kreat-Cl 10–50 ml/min: 4 x 3 Mio. E
Kreat-Cl < 10 ml/min: 3 x 3 Mio. E

Piperacillin/Tazobactam
Kreat-Cl > 30 ml/min: 3 x 4,5 g i.v.
Kreat-Cl < 30 ml/min: 2 x 4,5 g i.v.

SMX/TMP
Kreat-Cl > 30 ml/min: 100 % der Dosis
Kreat-Cl 10–30 ml/min: 50 % der Dosis
Kreat-Cl < 10 ml/min: kein SMX/TMP geben (ausser bei PjP [Pneumocystis jirovecii Pneumonie]*)

*Bei sehr hoch zu dosierenden Therapien (Endocarditis, Meningitis) Rücksprache mit Nephrologen/Infektiologen

 (Quelle: KSB, KS Baden: Antibiotika Empfehlungen 2018)

Impressum

Diese Guideline wurde im November 17 erstellt. Letzte Änderung: Dezember 2018.  © mediX schweiz

Herausgeber: 
Dr. med. Felix Huber

Redaktion (verantw.):
Dr. med. Uwe Beise

Autoren: 
Dr. med. Daniela Puhan
Dr. med. Sabitha Vilan
Dr. med. Felix Huber

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