Nahrungsmittelunverträglichkeit

Erstellt von: Daniela Puhan, Uwe Beise|Zuletzt revidiert: 05/2017

Inhaltsverzeichnis

Kurzversion

1. Einteilung

Nahrungsmittelunverträglichkeiten können toxisch, enzymatisch, «pseudoallergisch» oder allergisch-immunologisch bedingt sein und auf vielfältige Weise in Erscheinung treten (Abbildung aus [4]):

Nahrungsmittelhypersensitivität

2. Symptomatik

Folgende Erscheinungsbilder können bei Nahrungsmittelunverträglichkeit auftreten:

  • Abdominalbeschwerden (Durchfälle, Bauchkrämpfe, Blähungen): bei fast allen NM-Unverträglichkeiten möglich, ob auch bei „Pseudoallergien“ ist umstritten
  • Hautveränderungen (Urtikaria, Juckreiz, Flush, Konjunktivitis): bei Allergien (IgE) und Pseudoallergien auf NM-Zusatzstoffe sowie Histaminintoleranz

 

 

  • Luftwege (Rhinitis, Asthma): bei Pseudoallergien und Allergien, Histaminintoleranz
  • Kopfschmerzen: bei Histaminintoleranz
  • Nahrungsmittelaversion: bei fast allen NM-Unverträglichkeiten möglich 
  • Dysphagie: bei Eosinophiler Ösophagitis
  • Orales Allergie Syndrom: IgE vermittelt. Auch Kreuzallergien.

 

3. Basis-Abklärung

  • Bei akut auftretenden Beschwerden nach Genuss spezieller Nahrungsmitteln (z. B. orales Allergie-Syndrom nach Verzehr von Obst) ist der Zusammenhang meist eindeutig. Eine weitergehende Diagnose (etwa zur Unterscheidung Pseudoallergie/Allergie) ist i. d .R. nicht erforderlich. Therapie: Weglassen des auslösenden Nahrungsmittels.
  • Insbesondere bei unspezifischen Abdominalbeschwerden ist die Diagnose schwierig (v. a. Abgrenzung zum Colon irritabile) und kann selten mit Tests beantwortet werden.
  • Dem Patienten muss mit Nachdruck erklärt werden, dass es kaum sinnvolle Tests zur Diagnostik gibt. Die Mitarbeit des Patienten beim Finden des Auslösers ist entscheidend!
  • Das Wichtigste ist eine sorgfältige (Ernährungs-) Anamnese mit Hilfe eines Ernährungs-Symptom-Tagebuchs, wozu der Patient motiviert werden soll. Beachte: Eine Nahrungsmittelallergie ist viel seltener als von Patienten angenommen!

 

  • Allgemein bei jedem Intoleranz- oder Allergieverdacht ist ein Weglassversuch das hilfreichste diagnostische Mittel (ausser bei anaphylaktischen Reaktionen). Dabei muss 1. eine Besserung bzw. ein Verschwinden der Symptome unter Karenz, und 2. ein reproduzierbares Auftreten der Symptome unter erneuter Belastung auftreten. Wichtig: Es ist zu vermeiden, dass der Patient ein Angst- und Vermeidungsverhalten entwickelt, weil dadurch die Lebensqualität massiv eingeschränkt wird und dies auch zu Malnutrition führen kann. Gerade deshalb ist ein Tagebuch wichtig und je nach Beschwerden auch Wiedereinführen von bestimmten Nahrungsmitteln zur Kontrolle, ob diese wirklich die Beschwerden verursachen.
  • Nicht empfohlen werden Tests wie IgG-AK-Test (ausser bei Zöliakie), IgG4, ALCAT(Antigen Leukocyte Cellular Antibody).
  • Prick-Test oder spezifische IgE-Bestimmung nur bei klarem Verdacht auf ein spezifisches Nahrungsmittel. Der Nachweis mittels spezifischer IgE-Bestimmung oder Haut-Pricktest beweist nicht die klinische Relevanz des getesteten Nahrungsmittels und soll allein nicht zu einer therapeutischen Elimination führen.

4. Laktoseintoleranz und Zöliakie

Laktoseintoleranz

  • Symptome: nach Genuss von Milchprodukten (Kuh-, Ziegen-, Schafmilch; für andere Milchprodukte gilt: Je länger sie reifen, desto weniger Laktose enthalten sie): Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit, unspezifische Müdigkeit, Diarrhö. Beschwerden abhängig vom Schweregrad des Laktasemangels, der Laktasezufuhr, der Menge und Art gleichzeitig zugeführter Nahrung, der individuellen Empfindlichkeit (hoch bei IBS-Patienten).
  • Abklärung: probatorisch laktosearme Ernährung (Tabelle 4 im Anhang). Nur in Ausnahmefällen bei Unklarheit Laktose-Belastungstest.
  • Therapie: striktes Meiden von laktosehaltigen Nahrungsmitteln für kurze Zeit (ca. 2 Wochen). Nur bei deutlicher Besserung lohnt eine langfristige Diät. Anschliessend austesten der individuell verträglichen Laktosemenge. Die grosse Mehrheit der Patienten verträgt den Laktosegehalt von einem Glas Milch (12 g), v. a. bei Verteilung über den Tag. Der Laktosegehalt in Medikamenten ist also zu vernachlässigen. Patienten auf nötige zusätzliche Kalziumzufuhr hinweisen. Laktasekapseln sind im Handel erhältlich (sollten 30 min vor grösseren Mengen Laktose eingenommen werden).

 

 

Zöliakie

  • Symptome: bei Jugendlichen/Erwachsenen Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauchschmerzen, oft auch nicht-gastrointestinal: Müdigkeit, Erschöpfung, Eisenmangel, andere Mangelzustände, psychische Veränderungen (Depression), Amenorrhö, Gewichtsverlust, erhöhte Leberwerte.
  • Abklärung: soll niederschwellig erfolgen bei chronischer oder rezidivierender Diarrhö, Zahnschmelzdefekten, nicht erklärbarer Transaminasenerhöhung, nicht erklärbarer Eisenmangelanämie.
    • Labor: IgA-Transglutaminasen-AK (oder IgA-Endomysium-AK), zusätzlich Gesamt-IgA, da IgA-Mangel gehäuft vorkommt
    • Gastroskopie (6 Duodenalbiopsien) wenn AK positiv
    • keine glutenfreie Kost zur Diagnosefindung!
    • Kontrolluntersuchungen (siehe 6. Zöliakie).
  • Therapie: glutenfreie Ernährung, Ernährungsberatung.

5. Überweisung an Spezialisten

Zuweisung an Allergologen, Ernährungsberatung, Gastroenterologen (bei Malnutrition, Dysphagie)

  • wenn die Nahrungsmittelunverträglichkeit mit den o. g. Mitteln nicht ermittelt werden bzw. durch Elimination nicht therapiert werden kann

 

  • zur Abklärung von Pseudoallergien (chronische Urtikaria, rezidivierendes Angioödem und Asthma nach gewissen Nahrungsmitteln)
  • wenn multiple Allergien vermutet werden
  • bei schweren systemischen Reaktionen (Anaphylaxie-Verdacht).

1. Einteilung (1, 2)

  • toxische Reaktionen (Lebensmittelvergiftung): Giftpilze, bakterielle Toxine, Fischvergiftung etc.
  • nicht-toxische, nicht-immunologische Reaktionen
    • enzymatische Intoleranzen (Enzymopathien) und FODMAP
      • Laktoseintoleranz
      • Fruktoseintoleranz
      • Galaktoseintoleranz
      • Saccharoseintoleranz
      • Sorbitintoleranz
      • Histaminintoleranz
      • FODMAP (Fermentable Oligo-, Di- and Monosaccharides and Polyols).
    • pharmakologische Nahrungsmittelintoleranz: Histaminintoleranz.
    • pseudoallergische Reaktionen („Pseudoallergien“)

      • Konservierungsstoffe: z. B. Benzoesäure (E 210–214) oder Sorbinsäure (E 200–203)
      • einzelne Säuerungsmittel: z. B. Zitronensäure, Essigsäure
      • Emulgatoren: z. B. Lecithin
      • Arzneimittel: radiologische Kontrastmittel, NSAR, Opiate
      • in Nahrungsmitteln enthaltene Substanzen: Lektine, z. B. in Erdbeeren; Salicylate, z. B. in Äpfeln oder Aprikosen
      • Nicht-IgE-vermittelte Weizenallergie/nicht-Zöliakie-assoziierte Weizensensitivität.
  •  nicht-toxische, immunologische Reaktionen
    • IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie
    • Eosinophile Ösophagitis
    • Zöliakie
    • selten: Nicht-IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie (Immunreaktion v. Typ II, III, IV).

2. Diagnostik (allgemein)

Reaktionen auf Nahrungsmittel (z. B. abdominale, vegetative oder systemische Beschwerden) lassen sich oft nicht unmittelbar als Allergie, Intoleranz, Infektion oder Intoxikation identifizieren. Deshalb ist meist eine subtile Anamnese erforderlich, ggfls. zusätzlich eine gezielte Diagnostik .

Wichtig:

  • zeitliche Assoziation zur Nahrungsaufnahme (meist innert 1–2 h; Ausnahme: allergische Spätreaktionen)
  • bei FODMAP bis 48 h nach Nahrungsaufnahme möglich (19)
  • funktionell und strukturell bedingte Krankheitsbilder sind viel häufiger (Prävalenz: 15–20 %) als Allergien (Prävalenz: 2–5 %) oder toxische Reaktionen!

Symptome (Auswahl)

  • Unspezifische Abdominalbeschwerden, Durchfälle, Bauchkrämpfe1: bei allen Nahrungsmittelunverträglichkeiten möglich
  • Haut (Urtikaria, Flush, Juckreiz): v. a. bei Histaminintoleranz und Intoleranz auf Nahrungsmittelzusatzstoffe sowie Nahrungsmittelallergie. (Spezialfall: Urtikaria nur bei Kombination Weizen und Sport)
  • Kopfschmerzen: v. a. bei Histaminintoleranz
  • Luftwege (Rhinitis, Asthma): v. a. bei Histaminintoleranz und Intoleranz auf Nahrungsmittelzusatzstoffe, Nahrungsmittelallergie.

1Cave red flags: Bei Alter > 50 J., Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Anämie, Fieber steht die Abklärung einer Nahrungsmittelunverträglichkeit nicht im Vordergrund.

Diagnostik

  • Tests wie IgG-Antiköpertest (ausser bei Zöliakie), IgG4, ALCAT (Antigen Leukocyte Cellular Antibody) sind klinisch nicht validiert und werden nicht empfohlen (20).

 

 

Im Folgenden werden einzelne Formen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten behandelt.

3. Nahrungsmittelintoleranzen (Enzymopathien) und FODMAP

Die häufigsten NM-Intoleranzen sind Histaminintoleranz, Laktoseintoleranz, Fruktoseintoleranz.

3.1 Histaminintoleranz (3–5)

Ursachen/Pathophysiologie

Genetische oder funktionelle Enzymopathie (v. a. Diaminooxydase, DAO) sowie vermehrte Reizbarkeit der histaminergen Rezeptoren. Ätiologisch wahrscheinlich DAO-Mangel.

Hohe Histaminkonzentrationen durch (s. Tabelle 1 im Anhang):

  • verdorbene Lebensmitteln (z. B. Fisch, Fleisch, Wurst)
  • (zu) lang gelagerte oder gereifte Lebensmittel (Hartkäse, Sauerkraut, Salami, Rotwein oder Sekt)
  • Nahrungsmittel, die aus Mastzellen und Blutbasophilen Histamin freisetzen können (z. B. Schokolade, Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Tomaten, Krebstiere)
  • Medikamente (NSAR, ASS, Metamizol, Röntgenkontrastmittel, Opiate), die aus Mastzellen bzw. Blutbasophilen Histamin freisetzen.
  • Beachte: Möglicherweise ist die Histaminintoleranz weniger ein isoliertes Krankheitsbild im Sinne einer Enzymopathie als vielmehr ein Symptomenkomplex, der nur in einzelnen Fällen auf oral aufgenommenes Histamin allein zurückgeführt werden kann (5). Manche Betroffene reagieren nur unter bestimmten Begleitumständen mit Beschwerden (s. u. „Diagnostik“).

Symptomatik

  • komplexes „pseudoallergisches“ Bild mit Flush, Juckreiz, Durchfällen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Urtikaria, Ekzem, Müdigkeit nach Mahlzeiten. Seltener:  Tachykardie, Schwindel, BD-Abfall.

Diagnostik

  • Es gibt bisher keine objektiven Parameter für das Vorhandensein einer Unverträglichkeit gegenüber exogen zugeführtem Histamin!
  • Besserung durch histaminreduzierte Kost
  • ev. Dermographismus testen
  • Ausschluss chronisch entzündlicher Magen-Darm-Krankheiten, NM-Allergie, Zöliakie, Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption
  • Symptom- und Ernährungstagebuch: Identifizieren von verdächtigen biogenen Aminen und Aufdecken von Begleitumständen
  • Einflussfaktoren: Menstruationszyklus (prämenstruelle Verschlechterung), Zusammensetzung der Mahlzeit, Einnahme von Medikamenten (z. B. ASS, NSAR), Alkoholgenuss zur Mahlzeit, Stress, Infektionen, Zusammensetzung der Darmflora
  • Beachte: Diagnostik erschwert durch hohe Schwankungsbreite im Histamingehalt in Lebensmitteln gleicher Sorte (je nach Frische bzw. Reifegrad)
  • Eliminationsdiät (histaminarme Ernährung): 14 Tage histaminarme Kost mit rascher Verbesserung. Über 6 Wochen gezielte Wiedereinführung –> bei Reexposition Rezidiv.
  • probatorisch DAO substituieren
  • DAO- und Histaminbestimmung in Plasma/Serum sind nicht zu empfehlen.

Therapie

  • Diät, die arm an Histamin, biogenen Aminen und Histaminliberatoren ist
  • Beachte: Es gilt, die individuelle Verträglichkeit von Nahrungsmitteln herauszufinden. Pauschale Verbote von Nahrungsmitteln sind therapeutisch nicht sinnvoll!
  • Antihistaminika (mindestens doppelte therapeutische Dosis) zur Unterstützung über drei bis vier Wochen sowie prophylaktisch DAO-Substitution mit Daosin® (2 Kapseln eine halbe Stunde vor der Mahlzeit) (ersetzt nicht die Diät!).

3.2. Laktoseintoleranz (6)

Ursachen

  • Laktasemangel (Genpolymorphismus autosomal-rezessiv vererbt), entwickelt sich meist zwischen dem 5. und 20. Lebensjahr (Prävalenz je nach Rasse: 20–100 %)
  • sekundär nach Erkrankungen des GIT mit Schädigung des Bürstensaumes (Entzündungen, Chemo-, Strahlentherapie, Mangelernährung, Äthylismus)
  • absolute Intoleranz (sehr seltene Mutation des Laktase-Gens).

Symptome

  • Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit, Durchfall, aber auch unspezifische Müdigkeit, Gliederschmerzen, Schwindel. Beschwerden hängen ab vom Grad des Laktasemangels, der Laktosezufuhr, der Menge und Art gleichzeitig zugeführter Nahrung, von individueller Empfindlichkeit (hoch bei IBS-Patienten).

 

Diagnostik

  • Bei vermuteter Laktoseintoleranz Provokationstest, z. B. 2 Gläser Milch trinken und schauen, ob sich die Symptome einstellen. Wenn der Patient/Arzt dadurch eindeutige Resultate erhält, kann die Diagnose gestellt werden. Die Differentialdiagnose zum IBS ist schwierig.
  • alternativ: Bei Verdacht auf Laktoseintoleranz und Abklärungswunsch gleich H2-Atemtest.

Therapie

  • Milchzuckerarme bis -freie Ernährung (siehe Tabelle 4 im Anhang). Laktase-Zufuhr in Situationen, in denen der Laktose nicht ausgewichen werden kann, z. B. Lacdigest® Tbl. in je nach Exposition angepasster Menge. Bei sekundären Formen Behandlung der Grundkrankheit.

3.3. Zu FODMAP bei nahrungsabhängigen Bauchbeschwerden

Ursache

  • FODMAP steht für "Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols". Es handelt sich um Kohlenhydrate und Alkohole, darunter auch Laktose, Fruktose, Fruktane und Galactane sowie Polyole (z. B. Sorbitol, Mannitol, Xylitol, und Maltitol). Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie schlecht absorbiert werden, osmotisch aktiv sind und schnell fermentiert werden (29).
  • FODMAP können im Dünndarm schlecht resorbiert werden und wandern somit rasch in den Dickdarm, wo sie von Bakterien vergärt werden. Dabei werden Gase produziert.

Symptome

starke Blähungen, breiige Stühle oder Durchfall (ohne Fieber und ohne Blut) in Kombination mit Bauchschmerzen/Bauchkrämpfen und Windabgang. Reizdarmpatienten!

Diagnostik

  • Ausschluss einer Entzündung (CRP, BB), Calprotectin im Stuhl, H2-Atemtest zum Aussschluss/Nachweis einer Laktoseintoleranz, Blutuntersuchungen zum Screening auf Zöliakie/Sprue.

 

 

 

Therapie

  • FODMAP-arme Ernährung (siehe unter: http://www.fodmaps.de)
  • Eliminationsdiät:
    • 1. FODMAP-reiche Nahrungsmittel für 2–6 Wochen meiden. Beschwerden sollten stark nachlassen
    • 2. Anschliessend schrittweise Nahrungsmittel wieder zuführen, um festzustellen, welche Nahrungsmittel(-gruppen) in welchen Mengen vertragen werden (zur Verhinderung von möglicher Mangelernährung und Verbesserung der Compliance).

Anmerkung: FODMAP-arme Ernährung kann auch bei Patienten mit Fruktosemalabsorption, Sorbitintoleranz oder Laktoseintoleranz hilfreich sein, wenn eine Fruktose-/Sorbit-/Laktose-arme Ernährung keine ausreichende Besserung gebracht hat. Auch Patienten mit  Colitis ulcerosa oder

Morbus Crohn, die noch nicht beschwerdefrei sind, können unter FODMAP-armer Ernährung Symptomlinderung erfahren.

3.4. Fruktoseintoleranz (7)

Ursache

  • Fruktose ist ein Monosaccharid mit einer physiologischen Aufnahmekapazitätsgrenze. Die Aufnahme erfolgt über passive Diffusion und über den GLUT-5-Transporter im Duodenum/Jejunum und ist über die Kostzusammensetzung vielfältig beeinflussbar.
  • Formen:
    • Primär: hereditäre Fruktoseintoleranz (schweres Krankheitsbild, selten)
    • Fruktosemalabsorption (in bis zu 33 % der Population) ist in gewissem Sinne physiologisch und tritt auf, wenn zu viel Fruktose mit der Nahrung aufgenommen wird. Sekundär bei Schädigung der Dünndarmschleimhaut verursacht, z. B. durch Zöliakie, Gastorenteritis, M. Crohn, Colitis ulcerosa oder durch Medikamente. Nur bei einer Minderheit treten Symptome auf.

Symptomatik

  • hereditär: unspezifische Abdominalbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, schwere Hypoglykämien, unklare Leber-/Nierenfunktionsstörung
  • Malabsorption: Schmerzen, Flatulenz, breiiger Stuhl, Durchfall, Völlegefühl, Verstopfung, Aufstossen. Cave: schwere Hypoglykämie bei der primären Fruktoseintoleranz des Kleinkindes. Sekundär: Depression, Müdigkeit, Kopfschmerz, Nausea, Reflux.

 

 Diagnostik

  • hereditär: 2–5 ml EDTA-Blut zur Aldolase-B-Genmutationsanalyse
  • Malabsorption: H2-Atemtest wird nicht empfohlen (23). Der Test zeigt nur eine Fruktosemalabsorption an, beweist jedoch nicht, ob die Symptome im Sinne der Fruktoseintoleranz interpretiert werden müssen. Die Rome Consensus Conference empfiehlt, die Diagnose anhand der Anamnese zu stellen (8, 23).

Therapie

  • bei hereditärer Fruktoseintoleranz strikte Fruktosekarenz
  • bei Fruktosemalabsorption: Befristete moderate Fruktosereduktion. Ernährungsumstellung auf eine fruktosemodifizierte Kost: Durch veränderte Mahlzeitenkomposition sowie durch Anhebung der Fett- und Proteinmenge in der Nahrung wird die Fruktoseaufnahme im Dünndarm erhöht. Beachte: Fruktosefreie Ernährungsempfehlungen, die sich vorrangig am Fruktosegehalt in der Nahrung orientieren, sind nicht zielführend!
  • Neben einer fruktosearmen Diät kann zur Erhöhung der Fruktoseabsorption zusätzlich Traubenzucker gegeben werden. Zudem sollen die Betroffenen darüber informiert werden, dass Sorbitol die Fruktose-Absorption zusätzlich beeinträchtigt und auch Xylit, Isomalt, Mannit und Maltit vermieden werden sollten.

3.5. Saccharoseintoleranz

Ursachen

  • autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselstörung, bei der Haushaltszucker nicht vertragen wird (selten)
  • sekundär bei (entzündlichen) Darmerkrankungen und Zöliakie.

Symptomatik

  • Bauchkrämpfe, Durchfall, Erbrechen.

 

Diagnostik

  • mittels Dünndarmbiopsie mit Bestimmung der Sucrase-Isomaltose-Aktivität im Gewebe des Dünndarmes.

Therapie

  • saccharosearme Diät, Haushaltszucker durch Traubenzucker, Milchzucker und Fruchtzucker ersetzen.

3.6. Sorbitintoleranz

Ursache

  • Bei einer Sorbitintoleranz ist die Verwertung von Sorbit im Dünndarm ganz oder teilweise aufgehoben. Physiologisch wird Sorbit langsam absorbiert, bei Betroffenen ist dieser Vorgang noch träger. Sorbit findet in erster Linie in Diabetiker-Nahrungsmitteln, Kaugummis und Lutschpastillen Verwendung.

Symptomatik

  • Blähungen, Durchfall, Bauchkrämpfe und Übelkeit.

 

Diagnostik

  • Ernährungstagebuch
  • H2-Atemgasanalyse wird nicht empfohlen (23).

Therapie

  • Meiden von Produkten, die Sorbit als Zuckeraustauschstoff enthalten, Obst, Bier, Bonbons, Kaugummis etc. Beachte: Auch Patienten mit Fruktoseintoleranz sollten Sorbit meiden, da er im Stoffwechsel in Fruktose umgewandelt wird.

4. Pseudoallergien auf Nahrungsmittelzusatz- oder inhaltsstoffe (1, 2, 9)

Definition

  • Die pseudoallergische Reaktion bezeichnet eine nicht-immunologische Unverträglichkeitsreaktion, die in ihrer klinischen Symptomatik einer klassischen allergischen Reaktion ähnelt.

Epidemiologie

  • Häufigkeit unsicher und kaum untersucht, u. a. weil das Krankheitsbild schlecht abgegrenzt ist.
  • Die häufigsten Auslöser sind:
    • Arzneimittel: radiologische Kontrastmittel, NSAR, Opiate, ACE-Hemmer, Sartane
    • Nahrungsmittelinhaltsstoffe:
      • Lektine, z. B. in Erdbeeren
      • Salicylate, z. B. in Beeren, Trauben, Wein, Ananas, Gurken, Oliven, Äpfeln oder Aprikosen
      • Biogene Amine: z. B. Hering, Kaviar, Gouda, Cheddar, Trauben, Rotwein, Tomaten
    • Konservierungsstoffe:
      •  z. B. Benzoesäure (E 210–214) oder Sorbinsäure (E 200–203), manche Säuerungsmittel.

Ursache

  • unspezifische Aktivierung von Mastzellen durch orale Aufnahme der o. g. Stoffe.

Symptome

  • chronische Urtikaria, rezidivierendes Angioödem, nicht-allergisches Asthma, Rhinitis, Schwellung, Rötung und Juckreiz der Schleimhäute im Mund- und Rachenraum, unspezifische, IBS-ähnliche MD-Symptomatik. Es besteht eine Dosis-Wirkungs-Beziehung.

Diagnose

  • Das diagnostische Vorgehen bei NM-bedingten pseudoallergischen Reaktionen ist nicht standardisiert und umstritten.
  • Haut- und Labortests werden nicht  empfohlen. Die akute pseudoallergische Reaktion ist im Gegensatz zur allergischen Reaktion dosisabhängig! Bei der chronischen Symptomatik des MD-Traktes oder der Haut (chronische Urtikaria) wird – bei entsprechendem Leidensdruck – eine vierwöchige Eliminationsdiät vorgeschlagen. Die Diät ist aufwendig und verlangt starke Mitarbeit des Patienten und idealerweise die Mithilfe einer Diätberaterin.
  • Orale Provokation mit NM-Zusatzstoffen führt nur selten zu reproduzierbaren Symptomen und wird nicht empfohlen.

Therapie

  • Karenz der auslösenden Nahrungsmittel
  • In der akuten Situation Behandlung wie allergischer Notfall (Antihistaminika p.o., ggfls i.m. oder i.v.; Steroide p.o., ggfls i.v.; Adrenalin i.m. oder i.v. bei Kreislaufinstabilität).

Hinweise zur Glutamatintoleranz (Chinese Restaurant Syndrome)

  • Glutamat wird vor allem in der asiatischen Küche als Geschmacksverstärker breit eingesetzt. Glutamat und seine Salze können angeblich das so genannte "Chinarestaurant-Syndrom" hervorrufen – mit Kopfschmerzen, Spannungsgefühl im Gesicht, Schweissausbrüchen, Schmerzen im Brustbereich und Schwindel.
  • An der Existenz der Glutamatintoleranz bestehen starke Zweifel. In Studien konnte nur in seltenen Fällen eine Glutamatunverträglichkeit eindeutig nachgewiesen bzw. reproduziert werden (10). Unverträglichkeiten auf andere in der asiatischen Küche verwendete Zutaten sind damit nicht ausgeschlossen. Eine glutamatreiche Ernährung hat keinen Einfluss auf die zerebrale Glutamatkonzentration, über die Nahrung zugeführtes Glutamat passiert die Blut-Hirn- Schranke bei Gesunden praktisch nicht.

 

5. Nahrungsmittelallergie (1, 2, 11, 21)

Vorkommen

  • Prävalenz Erwachsene: 2–4 %, Kinder 7–10 % (seltener als oft von Patienten vermutet!). Deshalb bei unklaren Beschwerden zuerst (wahrscheinlichere) nicht-immunologische Erkrankungen bzw. NM-Unverträglichkeiten ausschliessen!
  • Die allergischen Reaktionen sind mehrheitlich IgE-vermittelt und richten sich gegen eines oder nur wenige verschiedene Nahrungsmittelproteine.
  • Pollenassoziierte NM-Allergie (Kreuzreaktionen) spielen im Jugend- und Erwachsenenalter zahlenmässig die grösste Rolle (s. Tabelle 2, im Anhang, [12]).

Symptome

  • sehr vielfältig: orale, kutane, gastrointestinale oder respiratorische Beschwerdebilder.
    • Orales Allergie-Syndrom“ (OAS) häufig: Juckreiz an Lippen und in der Mundhöhle bis Pharynxödem
    • Haut: Urtikaria, Quincke-Ödem, Neurodermitis-Schub
    • Respirationstrakt: Rhinitis, Konjunktivitis, Asthma
    • Isolierte Magen-Darm-Beschwerden sind bei IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien selten.
    • Beachte: Bei Nahrungsmittelallergien durch Kreuzreaktionen kann bereits der Erstkontakt mit dem Nahrungsmittel zu allergischen Symptomen führen (12). Die Beschwerden können verstärkt sein oder auch nur ausgelöst werden in Kombination mit anderen Faktoren (z. B. Sport, Alkohol, NSAR, Pollensaison, Infekte) (27).

Diagnostik

Zur Aufdeckung von NM-Allergien wird ein stufenweises Vorgehen vorgeschlagen (Algorithmus s. u.):

1. Nahrungsanamnese:

  • v. a. bei akuten Symptomen hilfreich; bei Spätreaktionen (z. B. Verschlechterung eines Ekzems) oft weniger aufschlussreich (13).
  • echte Allergie wahrscheinlich (28) bei:
    • bekannter Inhalationsallergie oder Atopie
    • allergiesuggestiven Beschwerden wie oraler Pruritus oder Symptome wie Urtikaria, Asthma
    • Beschwerden in engem zeitlichen Zusammenhang mit Nahrungsmittelgenuss (Minuten bis wenige Stunden).

2. Ernährungstagebuch:

  • kann v. a. bei verzögertem Reaktionstyp hilfreich sein. 

3. In vivo-/In vitro-Diagnostik:

  • Haut-Prick-Test (auf Lebensmittelextrakte, Umweltantigene, Schimmelpilze, Gewürze etc.): Kommerzielle NM-Allergene nicht standardisiert, deshalb geringe Spezifität (PPV: 50 %), aber hohe Sensitivität: Prick-Test dient v. a. der Ausschlussdiagnose (NPV: > 95 %). Prick zu Prick (frische Nahrungsmittel) hat höhere Sensitivität, z. T. aber geringere Spezifität (z. B. Ananas, Kaffee).
  • Gesamt-IgE und allergenspezifisches IgE: ergänzend oder als Alternative zu Prick-Test. Nachweis von spezifischem IgE gegen pollenassoziierte NM-Allergene bei allen Patienten mit systemischen Reaktionen (12, 13)! Beachte: Nur bei eindeutiger Übereinstimmung zwischen den klinischen Angaben des Patienten und dem Testergebnis (Pricktest/IgE-Bestimmung) kann eine Nahrungsmittelallergie diagnostiziert bzw. ausgeschlossen werden.

 

4. Oraler  Provokationstest (OPT):

  • ist weiterhin Gold-Standard zur eindeutigen Diagnose, insbesondere bei chronischen oder verzögert auftretenden Beschwerden (Ekzem, GI-Symptome) kann er sinnvoll sein. Der OPT ist aber aufwendig und nicht zwingend erforderlich (13) bei:
    • Patienten mit zweifelsfrei zuzuordnenden anaphylaktischen Reaktionen auf definierte Nahrungsmittel. Er kann sinnvoll sein für eine grobe Abschätzung der Auslösermenge bzw. um die Bedeutung von Augmentationsfaktoren zu bestimmen.
    • Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien im Sinne eines OAS mit passendem Sensibilisierungsmuster (und Klinik).
  • Zur Allergie-Diagnostik nicht empfohlen werden:
    • IgG-/IgG4-Bestimmung (nicht aussagekräftig)
    • Atopie-Patch-Test (mit Nahrungsbestandteilen) aus praktischen Gründen.

Differentialdiagnose

  • vor allem Pseudoallergien auf Konservierungsmittel oder pharmakologische Reaktionen auf biogene Amine. Anhand Anamnese, Verlauf und versuchsweiser Eliminationsdiät oft gut möglich. Schwierige und aufwändige Diagnostik bei IgE-negativen Nahrungsmittelallergien: dann verzögerte allergische Reaktion oder NM-Intoleranz.

Therapie

  • Karenz (Eliminationsdiät) ist die einzige Therapie mit nachgewiesener Wirksamkeit
  • wegen Komplexität der NM-Allergie individuelle Ernährungstherapie
  • nach 1–2 Jahren Allergenkarenz kann für einige Nahrungsmittel eine Reexposition erwogen werden (Toleranzentwicklung)
  • Abgabe eines Notfallsets (Antihistaminikum, Prednison, Adrenalin-Autoinjektor) mit Schulung, wenn:
    • anamnestisch eine schwere anaphylaktische Reaktion aufgetreten ist
    • bei zunehmenden allergischen Symptomen
    • bei systemischer NM-Reaktion und Asthma
    • bei Reaktion auf geringste Allergenmengen.

Notfalltherapie

Etwa 1⁄4 aller anaphylaktischen Reaktionen werden durch Nahrungsmittelallergien ausgelöst, meist einige Minuten nach Allergenexposition.

  • Schweregrad I: auf die Haut beschränkt (Juckreiz, Flush, Angioödem, Urtikaria): Antihistaminikum i.v., Glukokortikoid i.v., Nachbeobachtung
  • Schweregrad II und III: Beteiligung von Respirationstrakt (Dyspnoe, Larynxödem, Bronchospasmus, Zyanose) und Herz-Kreislauf-SystemAdrenalin i.m./inh., Antihistaminikum i.v.,  Glukokortikoid i.v.; bei Bronchospasmus Beta-2-Agonist inh.; ev. Sauerstoff, Kolloid, Klinikeinweisung (14).

6. Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität (15–18, 22)

Ursache

  • immunologisch bedingte chronisch entzündliche Dünndarmerkrankung. Sie wird bei genetisch prädisponierten Individuen ausgelöst durch die Einnahme von glutenhaltigen Lebensmitteln (Weizen, Roggen, Gerste, Grünkern, Hafer, Dinkel). Beginn meist im Säuglings- und Kleinkindalter. Kann aber auch erst im Erwachsenenalter symptomatisch werden.

Symptome (Erwachsene)

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Eisenmangelanämie, Gewichtsverlust, Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauch- und Knochenschmerzen, Konzentrationsprobleme, psychische Veränderungen
  • CAVE: Symptomatik kann sehr unspezifisch sein.

Diagnostik / Screening

  • kein Screening. Aber die Zöliakie-Diagnostik ist niederschwellig sinnvoll bei:
    • der initialen Abklärung eines Reizdarmsyndrom einmalig
    • nicht erklärbarem Eisenmangel
    • erhöhten Transaminasen unklarer Ursache
    • Zahnschmelzdefekten.
  • Eine Diagnostik kann erwogen werden bei:
    • Obstipation
    • neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen unklarer Genese
    • rezidivierenden Mundaphthen
    • exokriner Pankreasinsuffizienz
    • Infertilität
    • Osteoporose
    • Typ-1-Diabetes.
  • Für die Diagnose erforderlich:
    • Serologie: Ein spezifischer Antikörpertest ist in der Regel ausreichend: IgA-Transglutaminase-AK oder IgA-Endomysium-AK (teuer!), zusätzlich immer Gesamt-IgA
    • Gastroskopie (mit 6 Duodenalbiopsien), wenn Serologie positiv.
    • Beachte: Keine glutenfreie Diät zu diagnostischen Zwecken (beeinträchtigt Biopsiebefund und wenn länger angewendet auch Antikörper!).

Therapie

Glutenfreie Diät (Tabelle 3 im Anhang), Ernährungsberatung.

Kontrolluntersuchungen

für Erwachsene mit etablierter Zöliakie bei unkomplizierten Fällen (gutem Ansprechen auf glutenfreie Diät):

  • im 1. Jahr nach der Diagnosestellung: nach 6 und 12 Monaten Beurteilung der Klinik und Diät
    • Labor (nur Parameter, die zum Zeitpunkt der Zöliakie-Diagnosestellung pathologisch waren):
      • Verlauf der Zöliakie-spezifischen AK (frühestens nach 6 Monaten)
      • Hämatogramm generell nach 12 Monaten.
    • Kontroll-Gastroskopie mit Duodenalbiopsien nach 12 Monaten: normalerweise nicht erforderlich (16–18); nur in folgenden Ausnahmefällen:
      • schlechtes Ansprechen auf glutenfreie Diät u./o. fehlender Antikörper-Antwort auf glutenfreie Diät trotz korrekt durchgeführter Diät.
    • ab dem 2. Jahr nach Diagnosestellung: individuell, je nach Befinden (lebenslang).
Nicht-IgE-vermittelte Weizenallergie/Nicht-Zöliakie-assoziierte Weizensensitivität  (22)

Epidemiologie

  • Prävalenz: geschätzt 0,5–7 % in der Bevölkerung (zuverlässige epidemiologische Untersuchungen existieren nicht).

Ursache

  • Intoleranz gegenüber Weizenbestandteilen. Möglicherweise ist die Ursache nicht das im Weizen enthaltene Gluten, sondern die mit glutenhaltigen Produkten assoziierten Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs), die zu einer Aktivierung des angeborenen Immunsystems über Toll-like-4-Rezeptoren führen. Möglicherweise spielen aber auch FODMAP eine wichtige Rolle.

Symptome

  • Ähnlich der Zöliakie: Blähungen, abdominelle Beschwerden, Schmerzen, Durchfälle; extraintestinale Symptome wie Kopfschmerzen und Migräne, Lethargie und Müdigkeit, Aufmerksamkeitsdefizitstörungen und Hyperaktivität, muskuloskelettale Schmerzen.

Diagnostik

  • Es gibt keinen Test. Bei weizenabhängigen Symptomen und nach sorgfältigem Ausschluss einer Zöliakie kann diese Ausschlussdiagnose gestellt werden. Achtung: Viele Patienten verzichten bereits auf Gluten. Die Diagnose einer Zöliakie unter einer glutenfreien Diät ist mitunter nicht mehr möglich (Verschwinden der Zöliakie-spezifischen Antikörper, Normalisierung der Schleimhaut).

Therapie

  • Glutenfreie Diät, wenig Gluten wird meist vertragen (im Gegensatz zu Zöliakie und Weizenallergie).

7. Eosinophile Ösophgitis (EoE)

Ursache

  • ist nicht ganz klar: genetische, Immunsystem- und Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Fast 90 % haben Sensibilisierung gegen Aeroallergene und über 60 % gegen Nahrungsmittel (24). Die Erkrankung kann reversibel sein, wenn eine «Allergen»-freie Diät installiert wird. Sie bricht wieder aus, wenn der Auslöser wieder eingenommen wird. Trotzdem scheint eine Identifikation der EoE-auslösenden Nahrungsmittel mit den üblichen Allergietests nicht erfolgreich zu sein. Wahrscheinlich nicht-IgE-vermittelte, aber immunologische Reaktion (25).

Symptome

  • Dysphagie mit Bolusimpaktation (durch entzündete Schleimhaut oder im späteren Stadium Strikturen).

Diagnostik

  • Diagnose mittels Endoskopie. Bezüglich Nahrungsmittel: Pricktests und spezifische IgE im Blut helfen nicht, um Nahrungsmittelallergene zu identifizieren (26), da IgG4 anstatt IgE beteiligt sind. In Zukunft ev. IgG4-Tests. Six Food Elimination Diet mit histologischer und klinischer Kontrolle wäre der aktuelle Goldstandard, ist aber nicht praktikabel (Kosten, Zeit, sehr aufwändig für Patienten und ein grosser Einschnitt ins Leben).

Therapie

  • PPI helfen einigen Patienten (PPI-responsive esophageal eosinophilia), bekannte Auslöser meiden. Inhalative Steroide schlucken.
  • CAVE: Orale Desensibilisierung gegen Nahrungsmittel kann eine EoE auslösen!

8. Literatur

  1. Zopf, Y, et al.: Differenzialdiagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dtsch Arztebl Int 2009; 106 (21):359–70 DOI: 10.3238/arztebl.2009.0359.
  2. Schnyder B, Pichler WJ: Nahrungsmittelintoleranz und Nahrungsmittelallergie. Schweiz Med Wochenschr 1999;129:928–33.
  3. Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin, Allergo J 2012;21(1):22-2: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) und des Ärzteverbandes DeutscherAllergologen (ÄDA): http://dgaki.de/sektionenags/arbeitsgruppen/nahrungsmittelallergie/
  4. Wüthrich B: Histaminintoleranz: Fakt oder Fiktion? The Medical Journal 2009; 2: 29-31.
  5. Komericki P, et al.: Oral verabreichte Diaminoxidase (DAO) bei Patienten mit Verdacht auf Histamin-Intoleranz. Allergologie 2008; 31: 190.
  6. Keller J.: Laktoseintoleranz Der aktuelle Kenntnisstand zu Diagnostik und Therapie. Arzneiverordnung in der Praxis - Band 38 • Ausgabe 4 • Juli 2011.
  7. Schäfer C, Reese I, Ballmer-Weber BK, et al.: Fruktosemalabsorption. Stellungnahme der AG Nahrungsmittelallergie in der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). Allergo J 2010; 19: 66–9. http://dgaki.de/sektionenags/arbeitsgruppen/nahrungsmittelallergie/.
  8. Usai Satta P, et al.: H2-breath testing for carbohydrate malabsorption. Aliment Pharmacol Ther 2009;29 (Suppl.1:14-18).
  9. Reese I, et al.: Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf eine pseudoallergische Reaktion durch Nahrungsmittelinhaltsstoffe. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Stand: 2008. http://www.dgaki.de/sektionenags/arbeitsgruppen/nahrungsmittelallergie/
  10. Geha RS, et al.: Review of Alleged Reaction to Monosodium Glutamate and Outcome of a Multicenter Double-Blind Placebo-Controlled Study. J. Nutr., 2000; 130: 1058S–1062S.
  11. Wüthrich B: Update Nahrungsmittelallergie. Pipette 2007; 2: 6-14.
  12. Henzgen M, et al.: Nahrungsmittelallergien durch immunologische Kreuzreaktionen. Leitlinie der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAI) und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). Allergo J 2005; 14: 48–59.
  13. Niggemann B, et al. Standardisierung von oralen Provokationstests bei Nahrungsmittelallergien. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI), des Ärzteverbandes deutscher Allergologen, sowie der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin. Allergo J 2011; 20: 149–60. 
  14. Ring J, et al.: Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen. Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V., Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) und der Deutschen Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). Stand 2007. http://www.agpas.de/leitlinien/#c639.
  15. Zöliakie und Ernährung in der Schweiz – eine Standortbestimmung. Stellungnahme und Empfehlungen der Eidgenössischen Ernährungskommission (EEK) 2010. https://www.eek.admin.ch/eek/de/home/pub/zoeliakieund- ernaehrung-in-der-schweiz-.html.
  16. Hauer A: Zöliakie. State of the Art. ÖÄZ 2011; 5:22-32.
  17. http://www.zoeliakie.ch/images/PDF/2014/140623_Merkblatt _Abklaerungsempfehlungen.pdf
  18. Aepli P, Criblez D: Sprue/Zöliakie – eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Schweiz Med Forum 2011;11(49):907–912.
  19. http://fodmapmonash.blogspot.ch/2016/06/timing-of-symptoms.html.
  20. Mitteilung der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie: Irreführende Bluttests zur Diagnostik von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Swiss Medical Forum 2016;16(5):121–122.
  21. Burks W: Diagnostic evaluation of food allergy. UpToDate 10/2015.
  22. DGVS: S2k-Leitlinie Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität. Stand 05/2014. https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitlinien-der-dgvs/zoeliakie/.
  23. Methodology and indications of H2-breath testing in gastrointestinal diseases: the Rome Consensus Conference. Aliment Pharmacol Ther 2009 Mar 30;29 Suppl 1:1-49. doi: 10.1111/j.1365-2036.2009.03951.x.
  24. Simon D, et al.: Eosinophilic esophagitis and allergy. Dig Dis. 2014;32(1-2):30-3. doi: 10.1159/000357006. Epub 2014 Feb
  25. Simon D, et al.: Eosinophilic esophagitis is characterized by a non-IgE-mediated food hypersensitivity Allergy 2016 May;71(5):611-20. doi: 10.1111/all.12846. Epub 2016 Feb 25.
  26. Olson AA, et al.: Role of food and aeroallergen sensitization in eosinophilic esophagitis in adults. Ann Allergy Asthma Immunol 2016 Oct;117(4):387-393.e2. doi: 10.1016/j.anai.2016.08.008. Epub 2016.
  27. Sk2-Leitninie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien. Allergo J Int 2015; 24: 256 http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/061-031.html.
  28. https://www.ck-care.ch/documents/10181/14458/PraktischeTipps_HA.pdf/a1722ffd-bd79-4584-9f5d-980feac091e9
  29. Wald A: Pathophysiology of irritable bowel syndrome. UpToDate 04/2017

Histaminintoleranz:
http://www.histaminintoleranz.ch
http://www.ahaswiss.ch/file/ahaswiss/broschueren/d/aha!
http://www.histaminintoleranz.ch/extdoc/Wuethrich2011_DP11-2_Histaminintoleranzsyndrom.pdf
Lactoseintoleranz:
http://www.bgv-laktose.de/ernaehrung.html
Pseudoallergien auf Nahrungsmittelzusätze:
http://www.derma.de/fileadmin/derma/pdfs/ll_psar.pdf

Allgemein:
R. Meier: Der überempfindliche Magendarmtrakt - Nahrungsmittel mit negativem Effekt im Darm. Praxis 2009;98, 395-401.
P. Bauerfeind: Nahrungsmittelallergien und –intoleranzen aus gastroenterologischer Sicht http://www.zuercher-internisten.ch/nav/archiv/symposium07/nma_nmi_bauerfeind.pdf

Für Allergie-Patienten: http://www.aha.ch/allergiezentrum-schweiz/info-zu-allergien/allergien/gfdatdsaesedg/nahrungsmittelallergie/?oid=1582&lang=de

Für Zöilakie-Patienten: www.zoeliakie.ch

ausserdem: mediX Gesundheitsheisdossier Nahrungsmittelunverträglichkeiten (in Vorbereitung)

8. Anhang

Tabelle 1: Biogene Histamine in LebensmittelnGL Nahrungsm Tab 1

 

 

Tabelle 2: Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien (Kreuzreaktionen)GL Nahrungsm Tab 2

 

 

Tabelle 3: Glutenfreie und (ev. versteckt) glutenhaltige NahrungsmittelGL Nahrungsm Tab 3

 

 

Tabelle 4: Laktose in Lebensmitteln

Nicht oder nur in geringen Mengen geeignete Lebensmittel, die unterschiedlich viel Laktose enthalten; wie gut die
Lebensmittel vertragen werden, muss jeder Betroffene für sich selbst abschätzen:

Milch/Milchprodukte: alle Milchprodukte, die Laktose enthalten
Brot/Backwaren: Brot- und Gebäcksorten, die mit Milch, Milchpulver, Buttermilch oder anderen Milchprodukten gebacken wurden; Tiefkühl-Kuchen; Brot- und Kuchenbackmischungen, die Milch, Milchpulver oder Ähnliches enthalten; Milchbrötchen, Knäckebrot, Kuchen, Waffeln, Kekse, Cracker
Fertiggerichte/Fertigteilgerichte Pizza, Tiefkühl-Fertiggerichte, Tiefkühl-Zubereitungen (z. B. mit Fleisch oder Gemüse), Konserven (z. B. Gurken, Fisch)
Wurstwaren: Würstchen (z. B. Brühwürstchen), Leberwurst, fettreduzierte Wurstwaren, Wurstkonserven
Instant-Erzeugnisse: Instant-Suppen, Instantsaucen, Instant- Cremes, Kartoffelpüreepulver, Knödelpulver, Bratlingmischungen
Fertigsaucen: Gourmetsaucen, Grillsaucen, Mayonnaise
Süsswaren: Eiscreme, Sahneeis, Sahne- und Karamellbonbons, süsse Riegel, Nougat, Nuss-Nougat-Creme, Pralinen, Schokolade, Fertigdessert
Sonstige Produkte: Margarineprodukte, pikante Brotaufstriche, Müslimischungen, Gewürzmischungen, Streugewürze, Senf, Ketchup

Auswahl verträglicher Lebensmittel, die keine Laktose enthalten:

Milch/Milchprodukte: laktosefreie Milch und Milchprodukte, Sojaprodukte, Mandelmilch, Reismilch, Reisdrink
Brot/Backwaren: alle Sorten, die ohne Milch oder Milchprodukte bzw. Milchpulver gebacken wurden
Nährmittel: alle Getreidearten, Reis, Mais, Hirse, Quinoa, Aramant, Buchweizen, Johannisbrotkernmehl, Speisestärke (Mais- und Kartoffelstärke)
Hülsenfrüchte/Nüsse: getrocknete Erbsen, Bohnen, Linsen, Mandeln, alle Nusssorten
Obst/Gemüse: alle Sorten als Frischware, auch tiefgekühlt, keine Tiefkühl-Fertiggerichte
Fleisch/Geflügel: Schinken, Braten, Kassler, Roastbeef, Rauchfleisch, Fleisch- und Geflügelsülzen
Fisch/Meeresfrüchte: roh (z. B. Sushi, Lachstatar etc.) und zubereitet ohne Fertigsaucen
Öle/Fett: alle naturreinen Pflanzenöle, Pflanzenmargarine ohne Milchanteil, Butterschmalz (frei von Milchzucker und Milcheiweiss)
Eier: als Rührei, Spiegelei, gekochtes Ei
Süsse
Brotaufstriche/Süsswaren:
Honig, Konfitüre, Gelee, Apfelkraut und Apfelmus, Pflaumenmus, Zuckerrübensirup; Mandel-, Sesam und Nussmus; Süsswaren ohne Milch und Milchzubereitungen
Getränke: Fruchtsäfte, Mineralwasser, schwarzer, grüner, weisser Tee (keine aromatisierten Tees)
Sonstige Produkte: vegetarische Brotaufstriche, Kräuter, Gewürze

Unverträgliche Lebensmittel, die in sehr grossen Mengen Laktose enthalten und deshalb unbedingt gemieden werden sollten:

Milchpulver: Produkte, in denen Molkenpulver, Vollmilchpulver, Magermilchpulver enthalten ist
Molkenerzeugnisse: Süssmolke, Sauermolke

Impressum

Diese Guideline wurde im Mai 2017 aktualisiert.
© mediX schweiz


Herausgeber:
Dr. med. Felix Huber

Redaktion (verantw.):
Dr. med. Uwe Beise

Autor:
Dr. med. Daniela Puhan, Dr. med. Uwe Beis

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