Diarrhoe

Erstellt von: Felix Huber, Rolf Solèr|Zuletzt revidiert: 09/2014

1. Definitionen

  • akute Diarrhoe: tägliche Stuhlmenge > 200 g, Stuhlfrequenz > 3/Tag, Konsistenz flüssig bis breiig
  • chronische Diarrhoe: Dauer länger als 3–4 Wochen
  • Dysenterie: schleimig-blutiger Stuhl mit Fieber bei invasiv-entzündlicher Enteritis.

2. Diagnostik und Therapie

Bei Vorliegen einer akuten Diarrhoe sind bezüglich Diagnostik und Therapie initial entscheidend:

    • das klinische Bild (Fieber, Hypovolämie, Abdominalschmerzen, Blut im Stuhl)
    • die Dauer der Symptomatik
    • die Inkubationszeit (bei Reisediarrhoen).
  • Die akute Diarrhoe ohne Risikofaktoren (siehe red flags), vom nicht entzündlichen Typ  (also keine Dysenterie) und bei gutem AZ kann ohne weitere Abklärungen symptomatisch behandelt werden (gilt auch für die Reiserückkehrer). Erreger: meist Viren oder nicht invasive Bakterien.
  • Die akute Diarrhoe mit Risikofakturen (siehe unten) und der schwere akute Durchfall vom entzündlichen Typ  (Dysenterie) soll abgeklärt und adäquat behandelt werden. Erreger: invasive Bakterien.

Multiplex-PCR auf

  • Bakterien: Salmonella, Shigella/Enteroinvasive E.coli (EIEC), Campylobacter, Yersinia, Vibrio cholerae, EHEC, ETEC, Clostridium diff. Toxin
  • Viren: Rotavirus A, Adenovirus 40/41, Norovirus
  • Parasiten: Giardia lamblia, Entamoeba hist., Cryptosporidium
  • Kosten: CHF 180.–; bei pos. Bakteriennachweis wird noch die Kultur und Resistenz verrechnet (155.–).

Indikationen:

  • schwere Diarrhoe mit Allgemeinsymptomen und Dehydratation
  • dysenterische Diarrhoe (blutig-schleimiger Stuhl, Fieber, schwere Tenesmen)
  • Risikopatient für invasiven Infekt, z. B. Kleinkind, Immunsuppression, > 64 Jahre
  • persistierende/chronische Diarrhoe.

Es kann auch konventionell abgeklärt werden:

  • 1  x Stuhlbakteriologie: Shigellen, Campylobacter und Salmonellen
  • Je nach therapeutischen Konsequenzen (meist keine) erweiterte Stuhlbakteriologie (EIEC, VTEC, ETEC; ist teuer!)

Hinweis: Für den Beginn der Behandlung müssen die Resultate der Bakteriologie nicht abgewartet werden (empirische Therapie).

Unterscheidung von „noninflammatory und inflammatory diarrhea“

  • durch Nachweis von Calprotectin (momentan nicht kassenzulässig)
  • Leukozyten- und Erythrocytennachweis sind deutlich weniger sensitiv (letzterer aber mit Schnelltest sehr einfach durchzuführen).
  • Wird Stuhl eingesandt, können Lc und Ec im Stuhl aus der gleichen (Nativ)probe günstig nachgewiesen werden.

Red flags:

  • ältere PatientInnen (> 70 J.)
  • Immunsuppression (medikamentös, krankheitsbedingt)
  • vorbestehende Erkrankungen (chronisch entzündliche Darmerkrankungen, künstl. Herzklappen, Diabetes mellitus etc.)
  • Angestellte in Lebensmittelbetrieben
  • vorausgehende Antibiotikatherapie.

3. Reisediarrhoe

Beim Reiserückkehrer mit blutigen Stühlen und Infektionszeichen: ebenfalls Beginn der empirischen Therapie und zusätzlich ETEC (ev. EPEC, EHEC, EAEC-PCR). Cave:  Malaria, Dengue Fever machen auch oft Durchfall.

  • Eine Parasitose  macht oft langdauernde, nicht sehr schwere Durchfälle, diese sind nie entzündlich (kein Fieber), blutig höchstens bei Amöben. Die Inkubationszeit ist viel länger (minimal 1 Woche, meist mehrere Wochen), die Symptome wechselnd: Blähungen, weiche breiige Stühle, Rumpeln im Bauch, gelegentlich auch Obstipation, übelriechendes Gas, gel. Blut/Schleim (nur bei Amöben). Abklärung auf Parasiten ist also nur bei länger dauernden Durchfällen sinnvoll.
  • Häufigste Gründe für eine länger dauernde Diarrhoe (1–4 Wochen ohne Entzündung) ist eine postenteritische Lactoseintoleranz, ein durch den Infekt getriggertes Reizdarmsyndrom (oder seltener eine chronisch entzündl. Darmerkrankung) oder schlicht eine Darmfloraverschiebung.

Empirische Therapie:

kausal / antibtiotisch, bei Vd. a. bakterielle Enteritis:

  • Ciprofloxacin 2 x 500 mg 5 Tage
  • für Reiserückkehrer aus Asien (oder generell als Alternative zu CIP): Azithromycin 1 g single dose
  • (CIP-Resistenz bis 90 % in Asien, v. a. Indien)
  • für Kinder: Azithromycin 10 mg/kg single dose (es gibt Sirup in passender Dosis).

Andere Massnahmen:

  • Rehydrierung oral, wenn nötig i. v.
  • wenn nötig (Krämpfe/starker Durchfall): Loperamid
  • Lactosekarenz 1–2 Wochen (lactosefreie Milch + Joghurt aus Migros oder Coop)!
  • Biologika wie Bioflorin, Perenterol, Florosan, Lactoferment: gewisse, aber nur geringe Wirksamkeit –>auf Wunsch, und/oder wegen zus. Placeboeffekt
  • nicht wirksam: Kohle
  • nicht nötig: "leichte Kost" ausser Lactose darf man alles essen
  • Geduld, genug trinken, abwarten. Alle Enteritiden (ausser Parasitosen) sind grundsätzlich selbstlimitierend.
  • Zusatz von Probiotika: nur bei C. difficile nachgewiesene Wirksamkeit.

4. Literatur

  1. Up-to-date, 8.09
  2. Sanford guide to antimicrobial therapy 2009

Impressum

Diese Guideline wurde im September 2014 aktualisiert.
© mediX schweiz

Herausgeber: 

Dr. med. Felix Huber

 

Redaktion (verantw.):

Dr. med. Uwe Beise

 

Autoren:

Dr. med. Felix Huber, Dr. med. Rolf Solèr

 

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