STD Sexuell übertragbare Krankheiten

Erstellt von: Felix Huber, Uwe Beise |Zuletzt revidiert: 01/2016

Inhaltsverzeichnis

 

Aktualisierung:

Zur Diagnose einer Gonokokken- oder Chlamydieninfektion bei der Frau wird ein Vaginalabstrich empfohlen. Eine gynäkologische Untersuchung mit Spekulum-Untersuchung ist nicht unbedingt erforderlich. 

Kurzversion

Symptome

  • Juckreiz, Bläschen, Hautausschlag im Genital-oder Analbereich
  • Adenopathien
  • Fieber
  • Reizung der Harnröhrenmündung, Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen bei der Ejakulation
  • Hodenschmerzen; Schmerzen beim Stuhlgang
  • Ausfluss aus der Harnröhrenmündung oder dem Anus, Blut im Urin.

  • Juckreiz, Bläschen, Hautausschlag im Genital-oder Analbereich
  • Adenopathien
  • Fieber
  • Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen beim Stuhlgang
  • Ausfluss aus dem Anus; vaginaler Ausfluss
  • Blut im Urin
  • unregelmässige Menstruationsblutungen, Unterleibsschmerzen.

(Sexual-)Anamnese

  • Sexuelle Gewohnheiten (geschützter oder ungeschützter vaginaler, oraler, analer Verkehr, wechselnde Geschlechtspartnerinnen oder -partner)
  • Risikosituationen (Drogenkonsum, gerissenes Präservativ, sexuelle Gewalt, bezahlter Sex)
  • Reisen (Länder und Daten)
  • Schwangerschaft und Empfängnisverhütung.

Untersuchung

  • Allgemeine Symptome einer Infektion (Fieber, Gewichtsverlust, Adenopathien)
  • Untersuchung von Haut und Schleimhäuten im Bereich der Genitalien, des Anus, des Mundes und Rachens sowie der Bindehaut
  • Beobachtung und Beschreibung des Ausflusses
  • Rektale Untersuchung
  • ♀ Untersuchung zur Lokalisierung der Unterleibschmerzen
  • ♀ Untersuchung der Vaginalöffnung; Untersuchung mit dem Spekulum.

Diagnostik

(s. u. Algorithmus und bei den einzelnen Infektionen)
Geschlechtskrankheiten – vor allem die ulzerierenden Formen – gehen mit einem erhöhten HIV-Risiko einher.

 

Wenn eine STD diagnostiziert wurde, ev. zusätzliche Tests auf:

  • Chlamydia trachomatis (PCR von Urinprobe)
  • Gonokokken
  • HIV (Combitest)
  • Syphilis (Serologie)
  • Hepatitis B (HBc-Antikörper, HBs-Antigene)
  • Hepatitis C (IgG-Serologie) bei Drogenkonsum oder Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Chlamydia trachomatis (PCR von Urinprobe).

Beachte: Bei unklaren Exanthemen, anderen STD, bei Risikokontakten und in der Schwangerschaft soll ein Screening auf Syphilis erfolgen.

Therapie

(s. u. Algorithmus und bei den einzelnen Infektionen)
Bei diagnostizierter STD stets Mitbehandlung des Partners (Testung oder Rezeptabgabe)!

Abklärung bei Bedarf

Nur gezielt auf Gonorrhoe und Chlamydien (PCR aus Erststrahlurin) sowie Syphilis (TPPH) bei Frauen; HIV und Syphilis bei Personen mit oft wechselnden Partnern, und bei sexuell aktiven MSM, hier zusätzlich auf Hepatitis C testen (Empfehlung USZ, 10/2012).

Empfehlungen für Patient/innen und Partner/innen

  • Kein Geschlechtsverkehr während 7 Tagen ab Behandlungsbeginn
  • Safer-Sex-Regeln: Verwendung von Präservativen bei Anal- oder Vaginalverkehr, kein Menstruationsblut oder Sperma in den Mund
  • Empfohlene Impfungen: Hepatitis B, Hepatitis A bei Hepatitis C-Trägern und MSM. 

Meldepflicht

Neisseria gonorrhoea, Treponema pallidum, Chlamydia trachomatis, Hepatitis A, B, C sowie HIV/Aids. Die Erstmeldung erfolgt bei allen Krankheiten durchs Labor. Das BAG fragt dann beim behandelnden Arzt nach.

 
Algorithmus: Symptombasierte Abklärung und Therapie (in Anlehnung an [1])

Algorithmus STD 2016

Vorbemerkungen:
In dieser Guideline werden die sexuell übertragbaren Infektionen HIV/AIDS sowie Hepatitiden (s. entsprechende GL) nur erwähnt, sofern sie diagnostisch abgeklärt werden müssen. Über den Untersuchungs- und Behandlungsablauf ausgehend von der Symptomatik informiert der oben stehende Algorithmus.

1. Epidemiologie und Meldepflicht

Die häufigsten sexuell übertragbaren Erreger sind humane Papillomviren (HPV), Herpesviren und Chlamydien. Die klassischen STD Gonorrhoe und Syphilis sind zwar deutlich seltener, treten aber in den letzten Jahren wieder vermehrt auf (2).
Eine Meldepflicht besteht für: Neisseria gonorrhoeae, Treponema pallidum, Chlamydia trachomatis, Hepatitis A, B, C sowie HIV/Aids.

Die Erstmeldung erfolgt bei allen Krankheiten durchs Labor. Das BAG fragt dann beim behandelnden Arzt nach.
Meldeformulare unter:
http://www.bag.admin.ch/k_m_meldesystem/00733/00814/index.html?lang=de

2. Gonorrhoe (1, 3)

Epidemiologie

  • Erreger: Neisseria gonorrhoeae
  • Inkubationszeit: 2–4 Tage (1–14 Tage)
  • Prävalenz: ca. 100/100'000
  • Neuinfektionen (CH): ca. 1'000 (Männer Sex mit Männern, MSM, 600–800)/Jahr

Symptome

  • ♂/♀: Pharyngitis, disseminierte Form: Tenosynovitis, Dermatitis, wandernde Polyarthritis,septische Monoarthritis.
  • ♂: eitriger Ausfluss, Pollakisurie, Hämaturie. Orificium urethrae kann geschwollen und gerötet sein. Fieber. Beachte: Oft findet sich nur ein spärlicher seröser Ausfluss. Diese Männer sind tagsüber symptomfrei, nur vor der ersten Miktion kann morgens ein Eitertropfen (Bonjour-Tropfen) exprimiert werden. In ca. 10 % völlig symptomfreier Verlauf.
    Komplikationen: Prostatitis, Spermatocystitis, Funiculitis und Epididymitis.
  • ♀: Urethritis, Zervizitis, Bartholinitis. Weisslich-gelber Fluor, z. T. stechende Schmerzen oder Brennen bei der Miktion. Ev. Rötung und Ödem der Portio mit Kontaktblutung. Gelegentlich kann Eiter exprimiert werden. Menorrhagie und Metrorrhagie bei Beteiligung des Endometriums.
    Komplikationen: Pelvic inflammatory disease (PID): Endometritis, Parametritis, Salpingitis, Oophoritis, Tuboovarialabszesse und Peritonitis. Sterilität (!)

Diagnostik

  • PCR-Nachweis: ♂ Erststrahlurin 10–20 ml (nach mindestens 1-stündiger Karenz oder Morgenurin), ♀: Vaginalabstrich, immer auf Gonokokken und Chlamydien (13, 14).
  • ev. Abklärung auf HIV und Syphilis. 

Beachte: Ein zuverlässiger Nachweis von Chlamydien und Gonokokken ist in den ersten Tagen nach GV noch nicht möglich. Bei Kontakt mit einem dokumentiert infizierten Partner –>  sofortige Therapie ohne weitere Abklärung. Handelt es sich um eine Routinekontrolle, ist diese erst nach 2–3 Wochen zu empfehlen.

Therapie

  • Ceftriaxon 250(–500) mg i.m. Einzeldosis. Beispiel: Ceftriaxon 0,25 g i.m.: 500 mg Ampulle mit 2ml Lidocain 1 % mischen, davon 1 ml i.m. injizieren.
  • Alternativen: Cefixim 1 x 400 mg; Spectinomycin 2 g i.m. (bei Penicillinallergie);
  • Zusätzlich: Azithromycin 1 g p.o. Einzeldosis gegen NGU/NGZ (oft Chlamydien).
  • In der Schwangerschaft: Cephalosporin
  • Partner mitbehandeln! 

Resistenzen: Ceftriaxon selten, Cefixim-Resistenzen steigend, Azithromycin unterschiedlich. Chinolone (z. B. Ciprofloxacin, Ofloxacin) nicht einsetzen, da häufig Resistenzen. Reiserückkehrer Thailand: Resistenzen!

3. Chlamydien-Infektion (1, 4)

Epidemiologie

  • Chlamydien sind die häufigsten Erreger der Nicht-Gonorrhoe-Urethritis/-Zervizitis (NGU/NGZ), insbesondere bei sexuell aktiven Frauen/Männern < 25 J.
  • Erreger: Chlamydia trachomatis (Serotypen D–K)
  • Inkubationszeit: 7–21 Tage

Symptome

  • ♂/♀: Konjunktivitis, Pharyngitis, Lymphogranuloma venerum (endemisch bei Heterosexuellen in Ost/Westafrika, Indien, Teilen Südostasiens und Karibik; steigende Zahlen bei Homosexuellen in der Schweiz)
  • ♂: Urethritis, seröser Ausfluss, Algurie. Weniger akut und dolent als Go-Urethritis. Oft nur diskrete Rötung des Orificium urethrae und Verklebung der Harnröhrenmündung. Proktitis bei anogenitalem Kontakt. Chron. Prostatitis: Rolle von Chlamydien unklar. Bei 30–50 % symptomlos!
    Komplikationen: Nebenhodenentzündung (häufig Chlamydieninfekt bei Männern < 35 J), reaktive Arthritis.
  • ♀: Urethritis, Zervizitis, meist gelblich-weisslicher vaginaler Ausfluss mit Juckreiz am Introitus vaginalis. Kontaktblutungen oder Spotting nach Geschlechtsverkehr möglich. Bei bis zu 70 % symptomlos.
    Komplikationen: PID (Salpingitis, Oophoritis, Peritonitis); Perihepatitis. Bei bilateralem Tubenverschluss Sterilität (häufige Ursache von Unfruchtbarkeit)

Diagnostik

  • PCR-Nachweis: ♂ Erststrahlurin 10–20 ml (nach mindestens 1-stündiger Karenz oder Morgenurin), ♀ Vaginalabstrich, immer auf Chlamydien und Gonokokken. (13, 14) 
  • ev. Abklärung auf Syphilis, HIV.

NEU: Für den Chlamydiennachweis reicht ein Vaginalabstrich. Eine gynäkologische Untersuchung mit Speculum-Untersuchung ist nicht unbedingt erforderlich.

Beachte: Ein zuverlässiger Nachweis von Chlamydien und Gonokokken ist in den ersten Tagen nach GV noch nicht möglich. Erfolgte ein Kontakt mit einem dokumentiert infizierten Partner –> sofortige Therapie ohne weitere Abklärung. Handelt es sich um eine Routinekontrolle, ist diese erst nach 2–3 Wochen zu empfehlen.

Differentialdiagnose

Falls keine Chlamydien/Gonokokken nachweisbar, auf Trichomonaden (Mikroskopie im Nativpräparat aus Scheide, Zervix, Urethra; bei Männern schwierig, ev Morgenurin-Sediment) und Mykoplasmen (M. hominis und U. urealyticum mittels Kultur, M. genitalum mittels PCR) untersuchen.

Therapie

  • Azithromycin 1 g als Einmaldosis (auch in der Schwangerschaft ). Alternativen: Doxycyclin 100 mg 2 x täglich oder Ofloxacin 2 x 300 mg/d oder Levofloxacin 500 mg/d - jeweils über 7 Tage.
  • bei Verdacht gleich Gonorrhoe-Mitbehandlung (s. a. Algorithmus S. 3.)
  • PARTNER mitbehandeln!

Screening

Screening auf Chlamydien wird bei sexuell aktiven Patientinnen unter 25 Jahre und Frauen über 25 Jahre mit RF (multiple Partner, neuer Partner) empfohlen (3). Nach einer britischen Studie beträgt die Number Needed to Screen (NNS)=147, ein allgemeines jährliches Screening wird als nicht kosteneffektiv beurteilt (5). Sinnvoll erscheint aber ein Screening nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner (5).

4. Syphilis (6, 7)

  • Erreger: Treponema pallidum
  • Inkubationszeit: 3 Wochen (10–100 Tage)
  • Neuerkrankungen (CH): 600–800 (300–600 MSM)/Jahr

Symptome

  • Primärstadium: nach ca. 3 Wo. Primäraffekt (typisch: Sulcus coronarius /kleine Labien): dunkelroter Fleck oder Papel, die rasch in eine Erosion übergeht. Ausdehnung und Tiefe des Defekts nehmen allmählich zu, nach 1–2 Wo. entsteht schmerzloses, scharf begrenztes, flaches Ulkus mit gelblich belegtem Grund und derbem, nicht unterminiertem Randwall. Kurz darauf bilaterale asymptomatische Lymphknotenschwellungen. Nach einigen Wochen Vernarbung.
    Beachte: Atypische Formen sind häufig! Extragenital: in ca. 10 % (z. B. Lippen, Mundhöhle, Enddarm).
  • Sekundärstadium: 8–12 Wochen nach Infektion, mehrfaches, symptomärmeres Rezidivieren, später Übergang in symptomlose Lues latens.
    • Allgemeinsymptome: Müdigkeit, leichtes Fieber, Krankheitsgefühl, generalisierte Lymphadenopathie, Kopf-, Muskel-, Gelenkschmerzen, vorwiegend nachts.
    • Grosser Formenreichtum der Hauterscheinungen: Bei unklarem Exanthem auch an Syphilis denken! Kein Juckreiz!
    • Befall von Handtellern und Fusssohlen
    • Roseola: livides, makulöses Exanthem, später: papulöse und ulzeröse Syphilide; Condylomata lata: nässende Papeln in intertriginösen Räumen. Mundschleimhauterscheinungen: Makulopapulöses Syphilid (feste, flache Läsionen, oft am Gaumen); Plaques muqueuses: leicht erhabene oder flach ulzeröse Läsionen mit entzündl. Rand; schmerzhafte Ulzerationen.
  • Tertiärstadium der Syphilis: meist ab 3.–5. Krankheitsjahr mit irreversiblen Schäden.
    • Tubero-serpiginöse Syphilide: bogig begrenzte, chronische Hautinfiltrate mit bräunlich-blaurotem Farbton und zentraler Atrophie.
    • Gummen: gummiartige Granulome in parenchymatösen Organen, Knochen und Bindegewebe
    • Mesaortitis luetica: Gefahr des Aortenaneurysmas.
  • Quartärstadium der Syphilis (Neurolues)
    • Tabes dorsalis mit lanzinierenden Schmerzen, Ataxie, Schwinden der Patellar- und Achillessehnenreflexe.
    • Progressive Paralyse mit Veränderung der Persönlichkeit und Demenz.

 

    Beachte: Befall des peripheren oder zentralen Nervensystems auch im Stadium II und III möglich.

Diagnostik

  • Direkter Erregernachweis mittels Dunkelfeldmikroskopie aus Reizsekret (einzige Nachweismöglichkeit in der Frühphase, da Serologie meist noch negativ!)
  • PCR (Abstrich aus Läsion), besonders bei extragenitalen Manifestationen, unklaren genitalen Läsionen, nässende Läsionen bei Sekundärsyphilis.
  • Treponema pallidum-AK-Nachweis im Screeningtest (z. B. TPPA, EIA, CIA) und Tp-IgM-Nachweis (z. B. IgM-EIA) bei Verdacht auf primäre Syphilis. Ein positiver Screeningtest muss bei Primärsyphilis mit einer zweiten Serologie nach 2–4 Wochen bestätigt werden.
  • Bei negativem Testergebnis und weiter bestehendem Verdacht Wiederholungstest nach 2-4 Wochen. Sicherer Ausschluss erst nach 8-10 Wochen möglich. CIA: Chemiluminescent Immunoassay, TPPA: Treponema-pallidum-Partikelagglutination. EIA (ELISA): Enzyme-linked Immunosorbent Assay
  • Keine Lumbalpunktion mehr bei Frühsyphilis! Bei Verdacht auf Neurolues Liquorpunktion: TPPA/IgG Liquor- Serum-Index.
  • VDRL (Venereal-Disease-Research-Laboratory)-Test: Titerbestimmung dient zur Verlaufskontrolle als Marker für Krankheitsaktivität (s. u. „Verlaufskontrolle“).
  • immer Abklärung Gonorrhoe, HIV, NGU/NGZ !

 

Therapie (beim Spezialisten)

  •  Frühsyphilis (Primärsyphilis, Sekundärsyphilis o. latente Syphilis bis 1 Jahr post infectionem):
    • Benzathin-Benzylpenicillin (rosa Nadel, unmittelbar spritzen): 2,4 Mio. I.E. i.m. (gluteal li/re je 1,2 Mio. I.E.) Einmalgabe. Bei HIV-pos. 3-malige Behandlung: Tag 1, 8, 15.
    • Steroide vor Erstgabe von Benzathin-Benzylpenicillin zur Verhinderung einer Jarisch-Herxheimer Reaktion (Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien): 50 mg p.o. 30 min vor Injektion (keine Evidenz).
    • bei Penicillinallergie: z. B. Doxycyclin 2 x 100 mg/Tag p.o. x 14 Tage oder Ceftriaxon 1 g/Tag i.m./i.v. x 8–10 Tage
  • Spätsyphilis: alle Krankheitsstadien, die später als 1 Jahr post infectionem diagnostiziert werden (latente Syphilis, Tertiärsyphilis) oder um eine Syphilis unbekannter Dauer.
    • Benzathin-Benzylpenicillin: 2,4 Mio. I.E. i.m. (gluteal li/re je 1,2 Mio. I.E.) Tag 1, 8, 15.
      Bei Penicillinallergie: Doxycyclin 2 x 100 mg/Tag p.o. x 28 Tage

Verlaufskontrolle:

  • Quantitativer VRDL 3, 6, 12 und 24 Monate. Bei Lues I/II sollte Titer gefallen sein: nach 6 Mo. um 2 Stufen, nach 12 Mo. um 3 Stufen, nach 24 Monaten um 4 Stufen.

5. Herpes genitalis (8, 9)

  • Erreger: bei 80 % HSV-2, bei 20 % HSV-1
  • Infektiosität: Bläschen > keine Bläschen > aktuelle Therapie
  • Inkubationszeit: 2–12 Tage
  • Prävalenz: 19 %
  • Risiko/Kontakt: 50 % nach 2 Mo (25 x Geschlechtsverkehr)

Symptome

  • Prodromi: Grippeähnliche Symptome, ev. LK-Schwellungen.
  • Lokal: Flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die eintrüben und platzen und kleine Ulzera bilden. Typisch: Gruppen von schmerzhaften Läsionen am Genitale, am Gesäss und angrenzenden Arealen. Ausserdem: Überempfindlichkeit, Juckreiz, Brennen. Algurie bei urethralem Befall, Abdominalbeschwerden bei analem Befall. 20–30 % der Infizierten sind symptomlos, atypische Läsionen sind nicht selten.
    Bei seropositiven Patienten für HSV-2 findet man eine Virusausscheidung und somit Ansteckungsgefahr auch ohne Vorgeschichte eines floriden genitalen Herpes (10).

Diagnostik

Bei typischem Erscheinungsbild kann Diagnose klinisch gestellt werden, es wird aber zumindest einmal ein Nachweis gefordert (1) –> Abstrich Kruste oder Bläscheninhalt: PCR (Stäbchen in sterilem Medium, Kultur (Virus-Transportmedium).

Therapie

  • Erstmanifestation: verläuft oft besonders schwer. Therapiebeginn so früh wie möglich (spätestens am 4. Tag): Aciclovir (ACV) 3 x 400 mg/d x 7–10 Tage oder Valaciclovir (VACV) 2 x 1 g/d x 7–10 Tage.
  • Famciclovir wird nicht empfohlen, weil deutlich teurer, aber ohne Vorteile. Zusätzlich bei Bedarf Analgetika.
    Hinweis: Die Behandlung der Erstmanifestation beeinflusst die Rezidivrate nicht.
  • Rezidiv: im Laufe der Zeit meist weniger schwer. Therapie fakultativ (Beschwerden werden um 1–2 Tage verkürzt): ACV 3 x 400 mg für 5 Tage, VACV 2 x 500 mg/d für 5 Tage. Als Alternative werden auch Kurzzeittherapien empfohlen:
    • Aciclovir 3 x 800 mg/d x 2 Tage
    • Valaciclovir 2 x 500 mg x 3 Tage
  • Dauersuppression (Kostengutsprache): erwägen bei > 6 Rezidiven/Jahr und hohem Leidensdruck. VACV 500-1'000 mg/Tag oder ACV 2 x 400 mg/Tag. Resultate: weniger Rezidive, reduzierte Virusausscheidung, gute Verträglichkeit und Wirksamkeit über bis zu 18 Jahre dokumentiert mit ACV. Einmal jährlich Kontrolle, ev. Absetzversuch (dann aber oft wieder häufiger Rezidive).
  • Beachte:
    • topische antivirale Therapie (z. B. mit Aciclovir) wird nicht empfohlen (Resistenzbildung!). In der akuten Phase können aber z. B. Betadine-Sitzbäder und Tannosynt-Lotion oder Schüttelmixtur eingesetzt werden, in der abheilenden Phase dann z. B. Bepanthen-Creme.
    • Kondome werden empfohlen. Sie bieten zwar keinen sicheren Schutz vor Übertragung, mindern aber wahrscheinlich das Übertragungsrisiko. Auch unter Suppressionstherapie ist eine Übertragung möglich. Das Risiko ist aber um etwa 50 % geringer (8).

6. Condylomata acuminata (Genitalwarzen) (11)

  • Erreger: low risk Humane Papillomaviren HPV 6, 11. (High risk HPV 16, 18, 31 und andere als Ursache von Zervix-, Vulva-, Penis-, Analkarzinomen)
  • Epidemiologie: häufigste virale STD

Symptome

Fast immer symptomlos. Genitalwarzen können über Monate und Jahre persistieren. Bis 30 % Spontanheilung.

Komplikationen

Äusserst selten maligne Entartung der Warzen zum Penis-/Vulvakarzinom. Im Gegensatz dazu sind high risk HP-Viren praktisch an allen Zervixkarzinomen ursächlich beteiligt (siehe mediX GL Impfplan 2013).

Diagnose

Klinisch. Keine HPV-Serologie. Seltene Indikationen zu einer weitergehenden Diagnostik (Histologie) sind: unsichere klinische

Diagnose, Therapieresistenz, Frührezidive, Grössenzunahme trotz Therapie.

Therapie

  • Aufgrund gewisser Spontanheilungstendenz kann Abwarten eine Option sein (+ Aufklärung des Patienten).
  • Podophyllotoxin (Condyline®) 2 x tgl. über 3 Tage (Selbsttherapie möglich). Nach 7 Tagen Nachkontrolle. Bei Bedarf wiederholen. Rezidivrate nach erfolgreicher Therapie: 20 % bis 70 % innert 6 Monaten.
  • Imiquimod wird wegen fehlender Überlegenheit bei höheren Kosten nicht empfohlen.
  • Mechanische Verfahren: Kryotherapie, Elektrochirurgie, Excision, CO2-Lasertherapie

Prävention

Kondome können Risiko der Infektion reduzieren aber nicht eliminieren.

 

7. Literatur

  1. Arbeitsgruppe «Sexuell übertragbare Infektionen», im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit. Empfehlungen zur frühzeitigen Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) durch erstbehandelnde Ärztinnen und Ärzte: Klinisches Vorgehen bei Beschwerden im Genitalbereich. 2011
  2. Stephan Lautenschlager Sexuell übertragbare Infektionen: die Schweiz und ihr unrühmlicher Spitzenplatz in Europa. Schweiz Med Forum 2012;12(1–2):4–5
  3. Ursula Kälin, Urs Laupera, Stephan Lautenschlager: Urethritis Erregerspektrum, Abklärung und Therapie
    – Teil 1. Schweiz Med Forum 2009; 9(5):101-104.
  4. Ursula Kälin, Urs Laupera, Stephan Lautenschlager: Urethritis Erregerspektrum, Abklärung und Therapie
    – Teil 2. Schweiz Med Forum 2009;9(6):121–124
  5. Oakeshott P, et al: Randomised controlled trial of screening for Chlamydia trachomatis to prevent pelvic inflammatory disease: the POPI (prevention of pelvic infection) trial. BMJ 2010;340:c1642.
  6. Lautenschlager S.: Frühmanifestation der Syphilis. Schweiz Med Forum 2009;9(7):142–146
  7. Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft. Diagnostik und Therapie der Syphilis. 2008
  8. Rajul Patel, et al.: European Guidelines for the management of genital herpes, 2010.
  9. Swiss Herpes Management Forum. Schweizer Empfehlungen für das Managementdes Herpes genitalis und der Herpes-simplex-Virus-Infektion des Neugeborenen. SÄZ 2005; 86; 13: 780-792.
  10. Wald A, et al.: Reactivation of genital herpes simplex virus type 2 infection in asymptomatic seropositive persons.N Engl J Med. 2000;342(12):844.
  11. Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Paul-Ehrlich-Gesellschaft. Condylomata acuminata und andere HPV-assoziierte Krankheitsbilder von Genitale, Anus und Harnröhre. 2006

ausserdem:
CDC. (2010). Sexually Transmitted Diseases Treatment Guidelines, 2010. MMWR Morb Mortal Wkly Rep, 59 (N° RR-12).
http://www.cdc.gov/mmwr/pdf/rr/rr5912.pdf

weitere links:

http://www.iusti.org/
http://www.iusti.org/regions/europe/euroguidelines.htm#Current (aktuelle Guidelines)
http://www.bashh.org/

Impressum

Diese Guideline wurde im Januar 2016 aktualisiert.
© mediX schweiz

Herausgeber: Dr. med. Felix Huber
Redaktion (verantw.): Dr. med. Uwe Beise
Autoren: Dr. med. Uwe Beise, Dr. med. Felix Huber

Rückmeldungen bitte an:

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