Varikose

Erstellt von: Andrea Rosemann|Zuletzt revidiert: 03/2016

Inhaltsverzeichnis

 

 

 

Hinweis: Die Thematik Thrombophlebitis und Thrombose als Komplikation der Varikose ist in der mediX Guideline Thromboembolie enthalten. 

 

Aktualisierung: Seit dem 1.1. 2016 werden die endovenösen Verfahren von der Grundversicherung übernommen, wenn sie von Ärzten durchgeführt werden, die über den Fähigkeitsausweis endovenöse Therapie verfügen.

1. Epidemiologie, Varizentypen, Klassifikation der Varikose

Epidemiologie:

  • Bei der Varikose, definiert als venektatische Veränderungen der oberflächlichen (epifaszialen) Venen, sind zu unterscheiden:
    • primäre Varikose (95 %): hereditäre, idiopathische degenerative dilatative Vasopathie.
    • sekundäre Varikose (5 %): erworben, meist als Folge einer Phlebothrombose – hier fungieren die oberflächlichen Venen als Kollateralen bei Abflussbehinderung im tiefen Venensystem.
  • In validen epidemiologischen Studien (1) zur Prävalenz der Varikose fand man:
    • Varizen bei jeder 3. Frau (36,6 %) und jedem 5. Mann (19,3 %)
    • eine chronisch venöse Insuffizienz (CVI) bei jeder 5. Frau und jedem 6. Mann
    • ein florides Ulcus cruris bei 0,1 %, ein abgeheiltes Ulkus bei 0,7 % der Bevölkerung

Risikofaktoren (2):

  • Familiäre Disposition: eine hochgradige Manifestation von 68 % ist bei Erkrankung eines und 75 % bei Erkrankung beider Elternteile dokumentiert (3).
  • Einseitige Belastung mit lange stehender oder sitzender Tätigkeit, hormoneller Einfluss unter Schwangerschaften, zunehmendes Alter und Adipositas.

Varizentypen:

  • Kutane Varizen mit lediglich kosmetischer Bedeutung:
    • Retikuläre Varizen: netzartige oberflächliche Venektasie mit Durchmesser (ø) von 2–4 mm, bevorzugt an Kniekehle und Bein-Aussenseite.
    • Besenreiservarizen: intradermale Teleangiektasie mit ø < 1 mm.
  • Epifasziale Varizen:
    • Stammvarikose (s. Tabelle 1)
    • Seitenastvarikose
    • Perforanteninsuffizienz

Abbildung Oberflächliche und tiefe Beinvenen

Klassifikation:

Tabelle Stammvarikose

 

 

 

Tabelle CEAP-Klassifikation

 

 

2. Klinik und Komplikationen

Klinik:

  • Schmerzen sowie Spannungs-, Druck- und Schweregefühl der Beine sind die am häufigsten beklagten Symptome.
  • Neigung zu abendlichen Knöchelödemen. 
  • Evtl. Juckreiz, nächtliche Wadenkrämpfe sowie Dysästhesien, Hitzegefühl und unruhige Beine.
  • Typischerweise verschlimmern sich die Beschwerden gegen Abend, nach langem Sitzen oder Stehen oder bei warmem Wetter und verbessern sich bei Hochlagerung der Beine und Umhergehen.

Komplikationen (6):

Je nach Ausmass der venösen Hypertonie kann es zu lokalen Veränderungen am epifaszialen System kommen oder auch zu einer sekundären tiefen Leitveneninsuffizienz. Folge sind Mikrozirkulationstörungen der Haut und Subkutis und konsekutiv chronisch entzündliche Veränderungen:

 

  • Variko-/Thrombophlebitis (3–11 %)
  • Tiefe Beinvenenthrombose (17–40 %): Varizenträger erleiden per se häufiger eine TVT, häufig geht diese von einer Varikophlebitis aus.
  • Varizenblutung: spontan oder als Folge von Traumen.
  • Hautveränderungen (3–8 %): sobald klinisch Hautveränderungen sichtbar sind, spricht dies für eine Beteiligung des tiefen Venensystems und somit für eine CVI.
  • Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)

GL Varikose Tab 3

3. Wann ist eine Varizenabklärung erforderlich?

  • Wenn der Patient eine Varizensanierung wünscht, zur Wahl des geeigneten Verfahrens. Denn bei prima vista als ästhetisches Problem bewerteten kutanen Varizen kann zusätzlich auch eine klinisch relevante epifasziale Varikose bestehen.
  • Unter medizinischen Gesichtspunkten:
    • Bei symptomatischer Varikose, bei klinischen Zeichen der venösen Stauung CEAP C3–6 und insbesondere nach stattgehabten Komplikationen (wie z. B. Varikophlebitis, Varizenblutung) ist die Varikose nicht mehr nur als kosmetische Beeinträchtigung zu sehen und eine Behandlung indiziert.
    • Gemäss den aktuellen Richtlinien über das Management chronischer venöser Leiden wird die konservative Therapie nur empfohlen, wenn sich der Patient nicht für eine interventionelle Therapie qualifiziert (7–9). Zur Planung der Varizensanierung bedarf es einer adäquaten Diagnostik.
    • Steht der Therapieentscheid jedoch primär für ein konservatives Vorgehen, ist eine Abklärung mittels Bildgebung nicht notwendig.
  • Bei während einer Schwangerschaft aufgetretener oder sich verschlechternder Varikose soll vor geplanter Varizensanierung eine angemessene Zeit (ca. 6 Monate) abgewartet werden, bis sich der zu erwartende Endzustand einstellt (Grund: nach Wegfall des Schwangerschaft-assoziierten hormonellen Einflusses partielle Varikose-Rückbildung).

4. Diagnostik

Anamnese:

  • Typische Beschwerden des Patienten und für Varikose prädisponierende Risikofaktoren (siehe Abschnitt 1 + 2)
  • Abklärung, ob die Varikose möglicherweise sekundär und Ausdruck eines postthrombotischen Syndroms ist. Darauf kann hinweisen: Manifestation der Varikose nach Traumata, peri-/postoperativ, im Rahmen einer Schwangerschaft oder im Wochenbett. Immerhin gibt es Daten (aus der Umfelddiagnostik bei Lungenembolien), dass ca. 25 % später diagnostizierter TVTs asymptomatisch sind.

Klinische Untersuchung:

  • Lokalisation und Verteilung der Varizen.
  • Auf begleitende Hautveränderungen und Ödeme achten, die bereits als Komplikationen im Langzeitverlauf der Erkrankung zu interpretieren sind (vgl. unter Abschnitt 2).
  • Arterieller Status. Bei fehlenden Fusspulsen ergänzende Verschlussdruckmessung.

Technische Diagnostik:

  • Standardmethode zur Beurteilung des venösen Systems ist heute die farbkodierte Duplex- Sonographie. Neben morphologischen Veränderungen können Fluss- und Refluxphänomene sowohl im oberflächlichen wie im tiefen Venensystem erfasst werden. Zentrale Fragestellung:
    • Sind die Venenklappen der Stammvenen insuffizient? In diesem Fall: Ausdehnung der Varikose mit Festlegung des Refluxgebiets und des distalen Insuffizienzpunktes (–>Klassifikation nach Hach, s.o.). Zusätzliche Perforanteninsuffizienz oder Seitenastvarikose?
    • Sind die tiefen Venen durchgängig? Um auszuschliessen, dass die oberflächlichen Venen nicht als Kollateralen bei einer TVT dienen.
  • Lichtreflexionsrheographie, Venenverschlussplethysmographie ggf. ergänzend:
    • Zur Überprüfung von Refluxphänomenen, der Drainageleistung und Funktion des tiefen Venensystems, um bei epifaszialer Varikose und zusätzlicher Leitveneninsuffizienz Aussagen über den zu erwartenden Benefit einer Varizensanierung zu erhalten.
  • Messung des Knöchel-Arm-Index zum Ausschluss einer relevanten arteriellen Verschlusskrankheit:
    • Bei einem ABI < 0,6 ist eine Kompressionstherapie kontraindiziert.
    • Eine ausreichende arterielle Perfusion ist auch Voraussetzung für eine Varizensanierung, ggf. muss bei kombiniert arterio-venöser Problematik eine arterielle Revaskularisation vorgeschaltet werden.

5. Therapie

5.1. Konservative Therapie

Allgemeine Massnahmen:

  • Körperliche Aktivitäten mit der Intention einer regelmässigen Aktivierung der Wadenmuskel-Pumpe (z. B. durch Zehenstände, Laufen, etc.) und Mobilisation des Sprunggelenks zum Support des venösen Rückflusses.
  • Häufige Beinhochlagerung und Kaltwassergüsse der Beine bis 2 x täglich zur Linderung von Stauungssymptomen.
  • Risikofaktoren zur Entwicklung/Progress von Varizen möglichst vermeiden (10), wie: Adipositas, langes Stehen und Sitzen.

Hinweise:

    • Obwohl diese allgemeinen Massnahmen bei Venenleiden und insbesondere Varikose oft empfohlen werden, gibt es bislang keinen evidenzbasierten Wirksamkeitsnachweis.
    • Inwiefern statische Sportarten wie Krafttraining oder Skifahren und mehrstündige Wärmeexpositionen wie Sonnenbäder oder Saunaaufenthalte einen negativen Langzeiteffekt auf die Varikose haben, ist wissenschaftlich nicht belegt. Kurze Aufenthalte in der Sauna im Liegen und mit kaltem Abduschen sind vermutlich nicht kontraproduktiv.

Kompressionstherapie

Wirkmechanismus:

  • beruht auf der Reduktion der ambulant venösen Hypertension durch Druck von aussen und verbesserten Funktion der Wadenmuskel-Pumpe.

Indikationen:

  • Symptomatische Varikose
  • Zur Analgesie und Prävention von Komplikationen unmittelbar nach interventioneller Varizentherapie.

Nutzenbewertung:

  • Die wissenschaftliche Evidenz bezüglich Symptomreduktion durch die Kompressionstherapie ist gut, bezüglich Prävention von Komplikationen und Progression der Varikose schwach (14, 15).
  • Bei einem Ulcus cruris venosum wirkt die Kompressionstherapie heilungsfördernd, die Ulkusrezidiv-Rate ist aber unter alleiniger Kompression bei einem Follow-up von 4 Jahren doppelt so hoch wie nach Krossektomie und Stripping kombiniert mit Kompressionstherapie, nämlich 56 % versus 31 % (16).

 

 

Kompressionsstrumpf-Auswahl (11–13):

  • Die Angaben bezüglich des adäquaten Kompressionsdruckes sind in der Literatur kontrovers. Einige Daten sprechen dafür, dass bei einer komplikationslosen Varikose (CEAP C2) ein Kompressionsdruck von 15–20 mmHg genügt (entspricht KKL-1-Strumpf). Die Kosten für einen KKL-1-Strumpf werden aber nicht, oder teils nur in extra begründeten Fällen, von der Krankenkasse übernommen: z. B. kann eine schwer eingeschränkte Ruhedurchblutung (distaler Druckwert < 80 mmHg) bei PAVK den maximal anwendbaren Kompressionsdruck limitieren, oder Probleme des Patienten den Strumpf anzulegen (z. B. bei einer Polyarthrose –> hier kann ggf. eine Anziehhilfe unterstützen und die Compliance verbessern).
  • Die aktuellen Guidelines empfehlen Strümpfe mit einem Knöchel-Kompressionsdruck von 20–30 mmHg, das entspricht einem KKL-2-Strumpf, bis mehr Daten vorliegen.
  • Bei Varizen mit assoziierten Komplikationen sind höhere Kompressionsdrucke von 30–40 mmHg resp. KKL-3 effektiver.
  • Bezüglich des optimalen Längenmasses fehlen wissenschaftliche Daten. Aus Gründen der Compliance wird häufig eine Kompression von Fuss bis Knie angewendet (A-D).
  • Liegt ein gemischtes Ödem mit zusätzlich lymphatischer Komponente vor, ist ein flachgestrickter Strumpf (in der Venentherapie sonst meist rundgestrickt) mit geschlossener Spitze indiziert, um gefährliche Einschnürungen zu vermeiden. Sonst kann ein Strumpf mit Zehenöffnung rezeptiert werden, der in der Handhabung beim Anziehen einfacher ist.

Kontraindikationen der Kompressionstherapie:

  • PAVK mit distalem Druck < 60–80 mmHg (kritische Ischämie)
  • Dekompensierte Herzinsuffizienz

Venoaktive Medikamente

  • Es existiert eine klare Evidenz, dass die micronisierte und gereinigte Flavinoidfraktion (micronized purified flavonoid-fraction MPFF, Diosmin und Hesperidin) zusätzlich zur Kompressionstherapie in geringem Mass das Phlebödem reduziert oder verhindert, die venösen Stauungssymptome lindert und die Heilung venöser Ulzera beschleunigt (17).
  • Für die übrigen systemisch wirksamen Venoaktiva konnte dieser Effekt nur in geringerem Mass oder gar nicht gezeigt werden. Entsprechend ist der Einsatz von MPFF eine 1B-Empfehlung und die übrigen Substanzen eine 2B- bis 2C-Empfehlung gemäss den amerikanischen und europäischen Richtlinien.
  • Dosierung: Es wird eine relativ hohe Dosierung (z.B. Diosmin MPFF, Daflon® 1'000 mg/d) empfohlen, da in verschiedenen Studien eine deutliche Dosis-Wirkungsbeziehung gezeigt werden konnte.

 

5.2. Interventionelle Therapie

Sklerotherapie (18)

Behandlungsprinzip: 

  • durch gezielte Injektion eines gewebetoxischen Pharmakons wird ein lokaler Endothelschaden erzeugt, der zur Obliteration und Fibrosierung der behandelten Varize führt.

Methoden:

  • Sklerosierung mit flüssigen Agenzien: Am meisten wird Polidokanol (Aethoxysklerol®) verwendet in 0,25–1 %iger Konzentration. Indikationen: Methode der 1. Wahl zur Behandlung von kleinkalibrigen Varizen wie Besenreisern, retikulären kutanen Varizen und kleinen Seitenastvarizen.
  • Ultraschallgesteuerte Schaumverödung («ultrasound-guided foam sclerotherapy», UGFS) mit aufgeschäumten Sklerosierungsmitteln in höherer Konzentration, v .a. Aethoxysklerol® 1 bis 3 % (abhängig vom Varizenkaliber). Indikationen: Behandlung von Stamm-, Perforansvenen und grösserkalibrigen Seitenästen bis zu max. Ø 6–8 mm sowie von Rest- und Rezidivvarizen nach varizenausschaltenden Massnahmen.

Kontraindikationen:

Absolute KI:  Bekannte Allergie. Akute tiefe Beinvenenthrombose. Lokale, im Bereich der Sklerosierung gelegene oder schwere generalisierte Infektionen. Fortgeschrittene systemische Erkrankung mit Immobilität und Bettlägerigkeit. Für die Schaumsklerosierung zusätzlich: symptomatischer Rechts-Links-Shunt wie bekanntes offenes Foramen ovale.

 

 

 

 

Relative KI: Schwangerschaft, Stillzeit; schwere PAVK; akute oberflächliche Thrombophlebitis; Thrombophilie.

• Für die Schaumsklerosierung zusätzlich: Sehstörungen oder neurologische Störungen wie Migräne nach vorangegangener Schaumsklerosierung.

Komplikationen:

  • Pigmentierung, überschiessende Sklerosierungsreaktion (und Thrombophlebitis)
  • Allergische Reaktion (als allergische Dermatitis, sehr selten als Anaphylaxie)
  • Sehr selten: Tiefe Venenthrombosen und Thromboembolie, Hautnekrosen (bei paravasaler Injektion höherprozentiger Lösungen), Flimmerskotome, transiente fokalneurologische Ereignisse, migräneartige Symptome.

Vorteile: 

  • keine Anästhesie, Patient ist sofort wieder arbeitsfähig
  • geringer Ressourcenaufwand, kosteneffizient.

Nachteile: 

  • die Sklerosierung kleinkalibriger Varizen mit flüssigen Agenzien ist keine Kassenleistung (anders die ultraschallgesteuerte Schaumverödung, diese wird von den Kassen erstattet).

 

Klassische Varizenoperation (KVO)

Prinzip der operativen Varizenbehandlung:

  • Mit der Zielsetzung, die venöse Hämodynamik idealerweise zu normalisieren, erfolgt eine Unterbrechung des Refluxes am proximalen und distalen Insuffizienzpunkt sowie selektive Entfernung insuffizienter Abschnitte des epifaszialen Venensystems.

Indikationen:

  • Krossektomie der V. saphena magna bzw. mündungsnahe Ligatur der V. saphena parva bei kompletter Stamminsuffizienz zur Unterbrechung der insuffizienten transfaszialen Kommunikation saphenofemoral und –popliteal
  • Stripping der erkrankten Venenabschnitte bei Stammvarikose der V. saphena magna und parva.
  • Dissektion bzw. Ligatur von Perforansvenen bei -insuffizienz
  • Miniphlebektomie bei Seitenastvarikose mit lokaler Exstirpation der Seitenäste durch besondere Kleinschnitt- (Inzisionslänge 2–3 mm) und Häkeltechnik.

Kontraindikationen: 

  • akute tiefe Beinvenenthrombose
  • PAVK nach Fontaine Stadium III, IV (IIb als relative KI)
  • Störung der Hämostase
  • schwere Allgemeinerkrankung
  • Schwangerschaft
  • primäres/sekundäres Lymphödem

Komplikationen:

  • tiefe Venenthrombose ≤ 1 %, Lungenembolie ≤ 0,05 %
  • Wundinfektion ≤ 1 %
  • Nachblutung oder ausgedehnte Hämatome ≤ 1 %, Bluttransfusion ≤ 0,05 %
  • Lymphkomplikationen ≤ 1 %
  • häufiger (bis zu 17 %) meist vorübergehenden Neuralgien, teils aber auch dauerhafte Nervenläsionen (v. a. bei langstreckigem Stripping).

Vorteile:

  • Die KVO gilt als etabliertes Verfahren mit langen Erfahrungswerten weiterhin als Goldstandard der interventionellen Varizentherapie.

Nachteile: 

  • In der Regel ist eine Kurzhospitalisation und eine Regionalanästhesie oder Narkose mit entsprechenden Vorabklärungen notwendig
  • Arbeitsunfähigkeit für 1–2 Wochen.

Endovenöse Therapie

Seit Ende der 90er Jahre stehen endovenöse, katheterbasierte Verfahren als minimal-invasive Varianten zur Varizen-Behandlung zur Verfügung:

  • Radiofrequenzablation (RFA) 
  • endovenöse Lasertherapie (EVLT).

 

 

Methode:

  • Sowohl der Radiofrequenzkatheter als auch die Laserlichtleiter werden über Schleusensysteme in die behandelte Vene eingebracht. Die Platzierung der Sonde am sapheno-femoralen bzw. saphenopoplitealen Übergang erfolgt unter Ultraschallkontrolle.
  • Beide Verfahren sollten unter dem Schutz eines perivenösen Flüssigkeitsmantels (Tumeszenz) durchgeführt werden. Die Tumeszenzflüssigkeit soll zum einen die Vene komprimieren, um eine bessere Energieübertragung auf die Venenwand zu gewährleisten, zum anderen die Haut und das perivenöse Gewebe vor Hitzeschäden schützen. Unter Rückzug des Katheters erfolgt bei beiden Verfahren eine luminale Hitzeapplikation, die zur Obliteration und später Fibrosierung der Venen führt. Vielfach ist die behandelte Vene 1–2 Jahre nach der Operation in der Duplexsonographie nicht mehr nachweisbar.

Indikationen:

  • Stammvarikose der V. saphena magna oder parva
  • Ausschaltung von Seitenastvarizen und insuffizienter Perforansvenen.

Kontraindikationen:

  • Entsprechen denjenigen der KVO. Zusätzlich akute Throbophlebitis der V. saphena magna bzw. parva Chronisch obliterierende Veränderungen nach Thrombopmhlebitis stellen eine relative KI dar.

Komplikationen (19, 20): 

  • Am häufigsten treten perioperative Nervenläsionen auf (im RFA-Verfahren bis 12,6 %), die aber in einer europäischen Multicenterstudie auf 3,2 % sank, wenn nur bis knapp unterhalb des Kniegelenks behandelt wurde
  • Thrombophlebitiden der behandelten Vene (durchschnittlich 3,8 %)
  • Pigmentierungen ≤ 2 %
  • Hautverbrennungen (bis 0,036 %) wurden beschrieben, die aber durch konsequente Anwendung von Tumeszenzflüssigkeit auf 0 % gesenkt werden konnten
  • tiefe Venenthrombosen ≤ 0,2 %, Lungenembolien ≤ 0,2 %.

Vorteile:

  • Geringe Invasivität und damit verbunden geringere perioperative Beschwerden, insbesondere auch weniger Schmerzen bei im Vergleich zur KVO vergleichbaren Varizenverschluss- und Rezidivraten
  • Der Eingriff wird ambulant durchgeführt in Lokal-/Tumeszensanalgesie, oft kombiniert mit ergänzenden Verfahren der Varizentherapie wie einer Phlebektomie, die in derselben Sitzung möglich ist. Eine anästhesiologische Vorbereitung ist nicht nötig
  • Es kommt zu keiner Arbeitsunfähigkeit
  • Es treten keine Narben auf, das Risiko eines Infektes ist minim.

Nachteile:

  • Sehr oberflächlich verlaufende Stammvenen eignen sich nicht für das Verfahren.

Beurteilung der verschiedenen interventionellen Methoden, Erfolgsraten:

  • Für die Sklerosierung von intrakutanen Varizen gilt die Sklerosierung als Standardtherapie. Hier beträgt die Erfolgsrate bis zu 90 % (21).
  • Die Schaumsklerosierung ist signifikant effektiver als die Flüssigsklerosierung. Die Erfolgsrate liegt 36 Monate nach Behandlung bei 67–80 % (22).
  • In einer Meta-Analyse (23) von 64 Vergleichsstudien mit insgesamt 12’320 behandelten Beinen und einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 32,2 Monaten erwies sich die EVLT als wirksamste Methode. Nach drei Jahren betrug die Erfolgsrate mit EVLT 94 %, gefolgt von RFA mit 84 %, der konventionellen Chirurgie mit 78 % und der Schaumsklerosierung mit 77 % (CI 95 %).
  • Die NICE-GL zur Varizentherapie von 2013 (24) empfiehlt in einer Prioritätenliste zum Management der Stammveneninsuffizienz die endovenöse Therapie als bevorzugte Massnahme. Falls die Methode ungeeignet ist, als 2. Wahl die Schaumsklerosierung, erst dann die klassische Varizen-OP. Grundlage für diese Empfehlung bilden neben evidenzbasierten Daten zum Outcome der diversen Therapieverfahren auch Studienergebnisse zur Kosteneffizienz. Anmerkungen: Aufgrund divergierender Kostenstruktur sind die Daten nicht direkt auf die Schweiz übertragbar. Insgesamt werden die endovenösen Verfahren aber zunehmend angewandt. So werden z. B. in den USA mittlerweile mehr als 80 % der Varizenoperationen endovenös durchgeführt.
  • Hinweis: Seit 1.1.2016 werden die endovenösen Verfahren von der Grundversicherung übernommen, wenn sie von Ärzten durchgeführt werden, die über den Fähigkeitsausweis endovenöse Therapie verfügen.

6. Literatur

  1. Rabe E, Pannier-Fischer F, Bromen K et al.: Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Phlebologie 2003; 32:1–14. 
  2. Rabe E, Pannier F: Epidemiologie chronischer Venenkrankheiten. In: Noppeney T, Nüllen H (Hrsg) Varikose. Springer, Berlin Heidelberg New York, 2010.
  3. Hach W (1967): Ätiologie und Pathogenese der primären Varikose. Dtsch Med Wochenschr 92:1400–1404.
  4. Hach W, Girth E, Lechner W: Einteilung der Stammvarikose der V. saphena magna in vier Stadien. Phlebol Proktol 1977; 6:116–123.
  5. Eklöf B, Perrin M, Delis KT et al.: Updated terminology of chronic venous disorders: the VEIN-TERM transatlantic interdisciplinary consensus document. J Vasc Surg 2009; 49: 498–501.
  6. Nüllen H, Reese Ohlen C: Ambulante Varizenchirurgie in der Praxis. In: Imig H, Schröder A (Hrsg): Varizen, Popliteaaneurysmen. Steinkopff, Darmstadt, 1995, S. 73–79.
  7. Gloviczki P, Gloviczki ML. Guidelines for the management of varicose veins. Phlebology/ Venous Forum of the Royal Society of Medicine. 2012; 27 Suppl 1:2-9.
  8. Gloviczki P, Comerota AJ, Dalsing MC, Eklof BG, Gillespie DL, Gloviczki ML, et al.: The care of patients with varicose veins and associated chronic venous diseases: clinical practice guidelines of the Society for Vascular Surgery and the American Venous Forum. Journal of vascular surgery. 2011;53(5 Suppl):2S-48S.
  9. Lurie F, Kistner RL: Trends in patient reported outcomes of conservative and surgical treatment of primary chroni venous disease contradict current practices. Annals of surgery. 2011;254(2):363-7.
  10. Fowkes FG, et al. :.Lifestyle risk factors for lower limb venous reflux in the general population: Edinburgh Vein Study. International journal of epidemiology. 2001;30(4):846-52.
  11. Amsler F, Blattler W: Compression therapy for occupational leg symptoms and chronic venous disorders - a metaanalysis of randomised controlled trials. European journal of vascular and endovascular surgery : the official journal of the European Society for Vascular Surgery. 2008;35(3):366-72.
  12. Partsch H, Flour M, Smith PC, International Compression Club: Indications for compression therapy in venous and lymphatic disease consensus based on experimental data and scientific evidence. Under the auspices of the IUP. International angiology : a journal of the International Union of Angiology. 2008;27(3):193-219.
  13. Coleridge-Smith PD: Leg ulcer treatment. Journal of vascular surgery. 2009;49(3):804-8.
  14. Michaels JA, et al. : Randomized clinical trial comparing surgery with conservative treatment for uncomplicated varicose veins. The British journal of surgery. 2006;93(2):175-81.
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  18. 18. Rabe E, Pannier F. Indications, contraindications und performance: European Guidelines for Sclerotherapy in Chronic Venous Disorders. Phlebology. 2014 ; 29(1supl) :26-33. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23559590
  19. Noppeney T, Noppeney J, Winkler M (2008): Update der Ergebnisse nach Radiofrequenzobliteration zur Ausschaltung der Varikose. Gefässchirurgie 13:258–264.
  20. Pröbstle T, Vago B, Alm J et al.: Treatment of the incompetent great saphenous vein by endovenous radiofrequency powered segmental thermal ablation: First clinical experience. J Vasc Surg 2008; 47:151–156.
  21. Noppeney T, Nüllen H: Die Rezidivvarikose – was ist das? Gefässchirurgie 2005; 10:424–427.
  22. Noppeney T: Invasiv: Varikosis, Thromophlebitiden. Angio Update 2010; 15:1–20.
  23. van den Bos R, Arends L, Kockaert M, Neumann M,Nijsten T: Endovenous therapies of lower extremity varicosities: a metaanalysis. J Vasc Surg 2009; 49: 230-239.
  24. NICE Guidelines 2013 (CG 168): Varicosis veins in the legs; the diagnosis and manegement ohnthe varicosis veigns. http://www.nice.org.uk/guidance/cg168/resources/guidance-varicose-veins-in-the-legs-pdf

Impressum

Diese Guideline wurde im März 2016 aktualisiert. © Verein mediX

Herausgeber: Dr. med. Felix Huber

Redaktion (verantw.): Dr. med. Uwe Beise

Autorin: Dr. med. Andrea Rosemann, Fachärztin FMH für Kardiologie und Angiologie, Rämistrasse 34, 8001 Zürich

 

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