Factsheet Fruktoseunverträglichkeit

Erstellt von: Dr. med. Uwe Beise|Zuletzt revidiert: 03/2013

Fruktoseunverträglichkeit

Bei vermuteter Fruktoseunverträglichkeit soll wie bei der Laktoseunverträglichkeit eine Nahrungsumstellung mit nachfolgender Exposition durchgeführt werden. Der H2-Atemtest soll nicht gemacht werden.

1. Ursache:

Fruktose ist ein Monosaccharid mit einer physiologischen Aufnahmekapazitätsgrenze von 35–50 g. Die Aufnahme erfolgt über passive Diffusion und über den GLUT-5-Transporter (erleichterte passive Diffusion) im Duodenum/Jejunum und ist über die Kostzusammensetzung vielfältig beeinflussbar.
Es gibt 2 Formen der Fruktoseunverträglichkeit:

  • Primär: hereditäre Fruktoseintoleranz (selten).
  • Fruktosemalabsorption bezeichnet die Unverträglichkeitsreaktion bei >25 g Fruchtzuckerzufuhr infolge einer gestörten Aufnahme im Dünndarm mit gastrointestinalen Beschwerden nach Ingestion. Zusätzlich zur Fruktosemalabsorption muss eine funktionelle Darmstörung vorhanden sein, damit es bei Eintritt von Fruktose in den Dickdarm zu Symptomen kommt.
    Fruktosemalabsorption kann bei Schädigung der Dünndarmschleimhaut auftreten - verursacht z.B. durch Zöliakie, Gastorenteritis, M. Crohn, Colitis, oder durch Medikamente. Nur bei einer Minderheit treten Symptome auf. 

2. Symptomatik:

  • hereditär: unspezifische Abdominalbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, schwere Hypoglykämien, unklare Leber-/Nierenfunktionsstörung. Cave: schwere Hypoglykämie bei der primären Fruktoseintoleranz des Kleinkindes.
  • Malabsorption: Schmerzen, Flatulenz, breiiger Stuhl, Durchfall, Völlegefühl, Verstopfung. Sekundär möglich: Depression, Müdigkeit, Kopfschmerz, Nausea, Reflux.

3. Diagnostik:

  • hereditär: 2-5 ml EDTA-Blut zur Aldolase-B-Genmutationsanalyse.
  • Malabsorption: H2-Atemtest. Der Test zeigt nur eine Fruktosemalabsorption an, beweist jedoch nicht, ob die Symptome im Sinne der Fruktoseintoleranz interpretiert werden müssen.

Diagnoseversuch am besten ex juvantibus durch starke Einschränkung der Fruktoseaufnahme (max. 2 Wochen), d.h. Verzicht auf fruchtzuckerreiche Obstsorten, Trockenfrüchte, Fruchtsaft, sowie auf Limonade, Cola, Süsswaren, Honig sowie Lebensmittel mit Sorbit und weiteren Zuckeralkoholen (Sorbitol beeinträchtigt die Fruktose-Absorption zusätzlich). Bei Beschwerdelinderung kann anschliessend ein Expositionsversuch folgen. Eine Tabelle mit dem Fruktosegehalt von Obstsorten findet sich unter http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1061 

4. Therapie:

  • Bei hereditärer Fruktoseintoleranz strikte Fruktosekarenz.
  • Bei Fruktosemalabsorption: Befristete Fruktosereduktion, anschliessend schrittweises Austesten der Verträglichkeitsgrenze durch Hinzufügen gemiedener Obstsorten. Ernährungsumstellung auf eine fruktosemodifizierte Kost: Durch veränderte Mahlzeitenkomposition sowie durch Anhebung der Fett- und Proteinmenge in der Nahrung wird die Fruktoseaufnahme im Dünndarm erhöht.http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1061

Beachte: Fruktosefreie Ernährungsempfehlungen sind auf längere Sicht nicht zu empfehlen.
Neben einer fruktosearmen Diät kann zur Erhöhung der Fruktoseabsorption zusätzlich
Traubenzucker gegeben werden. Betroffenen sollen informiert werden, das. Die Deklaration „zuckerfrei“ bezieht sich ausschliesslich auf Haushaltszucker (Sacharose). Gerade gesüsste diätetische Lebensmitteln haben oft einen hohen Fruktoseanteil! 

Literatur:

Christiane Schäfer, Imke Reese, Barbara K. Ballmer-Weber, et al.: Fruktosemalabsorption. Stellungnahme der AG Nahrungsmittelallergie in der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). Allergo J 2010; 19: 66–9. http://dgaki.de/sektionenags/arbeitsgruppen/nahrungsmittelallergie/ 

 

 

 

Autor: Dr. med. Uwe Beise, März 2013